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Diese Initiative sägt am Ast der gesamten Medienbranche

Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich in diesen Abstimmungskampf zu Wort melden soll. Als Ex-Geschäftsführer des Verlegerverbandes VSM und als Ex-Präsident der SRG-Trägerschaft in der Deutschschweiz möchte ich versuchen, eine Brücke zu bauen.

Am 8. März 2026 entscheidet die Stimmbevölkerung über mehr als die Zukunft der SRG. An der Urne wird über die Stabilität des gesamten Schweizer Mediensystems entschieden.

Die SRG wirkt heute als tragende Säule für die gesamte Medien- und Werbebranche, wovon vor allem auch die privaten Medienhäuser profitieren.

Die SRG engagiert sich in zentralen Branchenorganisationen mit ausgewiesenen Fachleuten, trägt diese Strukturen mit substanziellen finanziellen Beiträgen mit und ist gleichzeitig eine gewichtige Kundin dieser Institutionen.

Ohne die SRG wären in der TV- und Radioforschung keine verlässlichen Reichweiten- und Nutzungsdaten in der heutigen Qualität vorhanden.

Eine weitere, übergeordnete Institution, in der die SRG eine tragende Rolle übernimmt, ist der Presserat. Dieser setzt in der Schweiz die medienethischen Standards und übernimmt für die Verlage als Selbstregulierungsorganisation eine wichtige Rolle in der Qualitätssicherung.

Der TV-Werbemarkt ist unter Druck. Heutige Werbetreibende bleiben der TV-Werbung nur treu, wenn die Reichweiten hoch und Umfelder qualitativ attraktiv sind. Bei einem Ja muss die SRG das Programm radikal reduzieren, was selbstredend auch den Abbau von attraktiven Werbeplätzen nach sich zieht.

Und schliesslich ist die SRG auch für den Arbeitsmarkt äusserst wichtig. Fallen Ausbildungs- und insbesondere Karrieremöglichkeiten bei der SRG weg, verliert der Journalistenberuf insgesamt an Attraktivität.

Dass es bei einem Ja der Markt dann schon richten wird, ist heute leider komplett illusorisch, wie der Fall «G&G» zeigt.

Ein Nein zur SRG-Initiative ist deshalb kein reflexartiges Festhalten am Bestehenden, sondern ein bewusstes Bekenntnis zu funktionierenden medialen Strukturen.



Andreas Häuptli ist Geschäftsführer der TCS Sektion Zürich. Er war Geschäftsführer des Verlegerverbands Schweizer Medien und Präsident der SRG Deutschschweiz.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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KOMMENTARE

Peter Munk
03.02.2026 12:15 Uhr
Hier wird beschrieben, dass die SRG für Medien- und Arbeitsmarkt unverzichtbar sei. Im Umkehrschluss: Immer mehr Medienunternehmen profitieren indirekt und direkt von dieser Medienförderung. Bald wird wohl eine Serafe-Gebühr für die Finanzierung der Schweizer Medien diskutiert. Wieso diese Reduktion (die keine Halbierung darstellt) zur Auflösung der Demokratie führt, wird einmal mehr suggeriert, aber nicht ausgeführt. Unsere Familie verzichtet seit Jahren auf jegliches TV. Ich fordere gerne einige Besserwisser zum Politik- und Wirtschaftswissenwettkampf heraus. Wieso eine nachweislich mehrheitlich mit linken Journalisten betriebene Anstalt ausgeglichen sein soll, ist mir ein Rätsel.
Ueli Custer
02.02.2026 11:55 Uhr
Volltreffer! Danke Andreas.