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Etwas peinlich, aber nötig

Edith Hollenstein

«Etwas peinlich» sei YouNews und die Jugendlichen würden teilweise als Werbefiguren missbraucht, schreibt die NZZ am Sonntag. Auch wenn das hart klingt: Es stimmt. Dennoch sind diese Jugendmedientage nötig. Vielleicht nicht gerade ein «Denkfehler», aber zumindest etwas zu kurz gedacht ist es, wenn man, wie NZZaS-Autor Michael Furger, die Absicht der Aktion nicht ganz erfasst.


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YouNews richtet sich nämlich nicht primär an Jugendliche, sondern es handelt sich im weiteren Sinne um eine PR-Aktion für den Journalismus. «Jugendliche von 13 bis 20 Jahren sollen erleben, wie etablierte Medien in Zeiten von Fake News, Chatbots und Insta-Storys zur Meinungsbildung in unserer Demokratie beitragen», heisst es auf der Website. «Journalismus», «Meinungsbildung», «Demokratie»: Das könnte genauso gut aus der Sensibilisierungskampagne der Login-Allianz stammen. Hauptinitiant und Vorkämpfer Marc Walder warb am Wochenende auf SRF dafür. In der Samstagsrundschau gab sich der Ringier-CEO grösste Mühe, das komplexe Vorhaben verständlich zu erklären (was ihm übrigens gut gelungen ist). «Medienvielfalt und unabhängige Medien sind elementar für den demokratischen Entscheidungsfindungsprozess», sagte Walder im Radio.

Wenn es nun bei den 3. YouNews-Jugendmedientagen ähnlich klingt, könnte es doch gut sein, dass dabei nicht nur die Jungen angepeilt werden, sondern auch Erwachsene. Warum sonst, würde über das, was die Jugendlichen bei ihrem Besuch in den Verlagen erstellen so ausführlich berichtet werden? Nur so erfahren die TV-Zuschauer, Leserinnen, Eltern, Grossmütter und Götti, Lehrer und Lehrmeisterinnen davon, also Herr und Frau Schweizer. Es ist nicht verwerflich, sondern wichtig und richtig, dass diese Botschaften nicht nur von marketingstrategischen Absichten getrieben via Login-Allianz oder Verband Schweizer Medien verbreitet werden, sondern auch von YouNews, der von engagierten Journalistinnen und Journalisten freiwillig gegründeten, medienhäuserübergreifenden Initiative.

NZZaS-Autor Michael Furger merkt richtig an: Ein Besuch hinter den Kulissen bei der «Arena» im Leutschenbach wird einigen Jugendlichen vorkommmen wie ein Ausflug ins Museum Ballenberg. Nichtsdestotrotz müssen sie erkennen, wie aufwändig es ist, journalistische Informationen zu produzieren und welche Funktion sie in einem demokratischen Staat haben. Auf Insta und TikTok können Nutzer journalistische Informationen von Fake News erst dann unterscheiden, wenn sie wissen, für welche Standards Marken wie NZZ am Sonntag, Blick oder SRF stehen.

 


Edith Hollenstein ist Redaktionsleiterin von persoenlich.com

Zur Transparenz: Auch wir von persoenlich.com haben letztes Jahr bei YouNews mitgemacht. Der Aufwand war für uns gross. Wir haben den Austausch mit den beiden jungen Frauen und ihr Feedback sehr geschätzt.

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