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Läuft On ins Off mit Federer?

Klaus Koch

Roger Federer und On, ist das tatsächlich der perfekte Match? Angesichts der vielen Tausend Likes auf den sozialen Kanälen des aufstrebenden Zürcher Markensterns On scheint es auf den ersten Blick unangebracht, die spektakuläre neue Zusammenarbeit mit einem Fragezeichen zu versehen. Dennoch seien ein paar unbequeme Gedanken erlaubt.

Passt Roger Federer als Markenbotschafter tatsächlich zu On? Der Schweizer Superstar ist so glatt und nett, dass er grundsätzlich überall einsetzbar ist. Nur ist das Tennis seine Spitzenleistung, nicht der Laufsport. Es fehlt der spezifische Leistungsbezug, da Federer weder Läufer noch Designer ist. Man setzt also lediglich auf die Bekanntheit und die gemeinsame Schweizer Herkunft. Punkto Bekanntheit ist das sicherlich wirkungsvoll, punkto Relevanz und Bedeutung jedoch neutral bis kontraproduktiv.

Der Grund: Sport findet in Segmenten statt. Die Kompetenzübertragung zwischen den Segmenten ist keinesfalls garantiert. Je spezialisierter eine Marke (wie On), desto schwieriger kann sie auf ein anderes Segment übertragen werden. Puma hat das leidvoll erfahren. Als sie den Streetwear- und Fashion-Bereich pushen wollten, brach der Performance-Bereich ein. Asics ist im Tennis kaum vorstellbar, und können Sie sich On beispielsweise in Fussballstadien vorstellen? Es sind stark abgeschottete Segmente, weshalb sich Nike auch selbst als Multinischenanbieter bezeichnet und Adidas im Herzen immer noch eine Fussballschuhmarke ist.

Ein zweiter Punkt: Die vielen Werbeverträge haben der Marke Federer eine Menge Energie entzogen. Seien wir ehrlich, sein Gesicht war auf zu vielen Werbe-Sujets. Dass er die letzten 20 Jahre Nike repräsentiert hat, dürfte bei eingefleischten Läufern zu einer kognitiven Dissonanz führen.

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We wanted even more Swiss precision. We found it. Meet the newest member of the On team. As an entrepreneur, @rogerfederer will work with us to create the next generation of Swiss-engineered performance shoes and the future of On. He’ll help us keep building the athlete spirit in our winning team. Because if there’s anyone who knows about winning, it’s him. Read why Roger is joining On in the New York Times, link in bio. And to see how Roger’s first On assignment goes, follow us right here. #onrunning #runonclouds

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Die Million-Dollar-Frage ist aus meiner Sicht, ob der Zeitpunkt für die Zusammenarbeit mit Federer gut gewählt ist. Für Federer passt er perfekt, keine Frage. Aber ob das auch für On der Fall ist? Wenn eine Nischenmarke wie On zu rasch expandiert ins Massen- und Streetweargeschäft, besteht die Gefahr, die Marke auszubeuten und die Seele zu riskieren. Marken brauchen Grenzen und Dichte, um ihre Anziehungskraft und damit ihr Preispremium zu erhalten.

On hat im Moment genügend Energie, um aus eigener Kraft zu wachsen. Klar könnte sich der Umsatz mit Federer nun in einem Jahr verdoppeln, aber was bringt das langfristig? Was werden die Händler und Kunden, die die Marke gross gemacht haben, in ein paar Jahren dazu sagen? Ich bin der Ansicht, dass ein Welt-Tennisstar einer hoch spezialisierten Laufschuhmarke in einer späteren Entwicklungsphase mehr bringen würde. Aktuell ist die Gefahr ernsthafter Dissonanzen auf allen Ebenen grösser als der Gewinn durch seinen Bekanntheitsgrad.


 

Der Markenexperte Klaus-Dieter Koch ist Gründer und Managing Partner der Managementberatung BrandTrust.

Unsere Blog-Autoren vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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Kommentare

  • Raphael Imhof, 26.11.2019 20:56 Uhr
    Interessanter, kritischer Ansatz. Ist RF aber nur als Markenbotschafter engagiert worden und nicht viel mehr als Investor mit riesiger Kommunikationswirkung gewonnen worden? Als Sportler mit dieser Erfahrung hat RF auch viel Wissen über die Entwicklung von Sportschuhen und -geräten. Ich sehe diesen Move vor allem auch als spannende Herausforderung für die On-Kommunikation. Gelingt es, RF eben nicht als Markenbotschafter zu präsentieren, sondern eben als Geld- und Know-how-Geber mit langfristiger Perspektive. Bisher ist dies aus meiner Sicht durchaus gelungen.
  • Thomas Estermann, 27.11.2019 08:35 Uhr
    Spannende Gedanken und ob es langfristig aufgeht wird man sehen. Den Bezug zu On finde ich persönlich sehr passend und da der Deal mit Nike ja ausgelaufen ist und RF mittlerweile frei ist was sein Schuhwerk betrifft passt das wunderbar. Nebenbei, Asics spielt sehr wohl eine Rolle im Tennis - zwar nicht so gross wie Nike und Adidas etc. aber viele Spieler wie auch Novak Djokovic, Gael Monfils etc. haben Asics an den Füssen und teils auch am Körper...
  • Cary Steinmann, 27.11.2019 16:27 Uhr
    Ach was. Die Laufschuhmarke Nike ist mit Jordan im Basketball durchgestartet, mit Woods im Golf, mit der Seleção im Fussball. Disruptive Diversifikation statt Ghetto. Darum passt der Maestro des Tennis zu On.
  • Victor Brunner, 28.11.2019 09:04 Uhr
    Koch versteht 2 Dinge nicht: - Spitzentennis ist auch Laufsport mit Extremanforderungen an Spieler und Schuhe, daher ist RF Einstig bei On Shoes ein Gewinn und Erfolg gesichert! Auch überzeugend weil er zugleich Investor bei On Shoes ist! - RF kann heute für jedes Produkt des täglichen Gebrauchs Werbung machen, Erfolg gesichert!
  • Christoph Schwegler, 30.11.2019 08:12 Uhr
    Also, wenn ich einen Brand etablieren, resp, weiterentwickeln möchte, würde ich ihn lieber Roger Federer‘s Intuition & modischem Flair anvertrauen, als dem fachchinesischen Geschwurbel von Klaus-Dieter Koch, welcher damit eh‘ nur seine Firma empfehlen wollte! Zudem habe ich die Hoffnung, dass ON durch Federer von ihrer ästhetisch noch zweihändigen zu einer etwas eleganteren einhändigen Rückhand finden...

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