Im Januar 2025 stand auf persoenlich.com in einem Trendbericht, das Suchvolumen klassischer Suchmaschinen werde laut Gartner bis 2026 um 25 Prozent sinken. Das Marktforschungsunternehmen hatte das im Februar 2024 vorausgesagt, weil KI-Chatbots Anfragen übernähmen. Das Jahr ist bald um, Zeit für einen Zwischenstand.
Google meldete im Juli eine steigende Zahl von Suchanfragen, angetrieben von seinen KI-Funktionen. Das ist eine Eigenangabe, Google ist hier Partei. Zudem zählt Google die Übersichten mit KI und den KI-Modus zur Suche, während Gartner von klassischen Suchmaschinen sprach.
Unabhängig von Google, aber nicht neutral, misst Datos mit einem Panel, wie Millionen Menschen am Computer surfen: Die Firma gehört Semrush, einem Hersteller von Software für Suchmaschinenmarketing. In der EU und Grossbritannien kamen klassische Suchmaschinen im Juni 2026 auf 9,8 Prozent aller Seitenaufrufe, ein Jahr zuvor auf 10,0 Prozent. Nach einem Einbruch um ein Viertel sieht das nicht aus. Widerlegt ist die Prognose damit nicht: Das Jahr läuft noch, und in diesen Daten fehlen Mobilgeräte und die Schweiz.
Wohin der Klick geht
Das Pew Research Center hat die Google-Suchen ausgewertet, die 900 Erwachsene in den USA im März 2025 machten. Stand eine Übersicht mit KI über den Treffern, klickten sie nur etwa halb so oft auf einen Treffer wie ohne, auf die Quellen in der Übersicht fast nie.
Bei Medienhäusern ist der Rückgang schon messbar. Laut dem Reuters Institute erhielten mehr als 2500 Medienwebsites weltweit im November 2025 über die Google-Suche einen Drittel weniger Besuche als ein Jahr zuvor; wie viel davon auf die KI geht, ist offen. ChatGPT gleicht das nicht aus: Die Google-Suche schickte diesen Websites 500-mal so viele Besuche wie der Chatbot.
Für Nachrichten nutzen laut dem Digital News Report desselben Instituts weltweit erst 10 Prozent der Befragten wöchentlich einen KI-Assistenten wie ChatGPT, nach 7 Prozent im Vorjahr; für andere Zwecke wächst die Nutzung schneller. In der Schweiz sind es ebenso viele, und geklickt wird zurückhaltend: Von denen, die Nachrichten über Suchmaschinen finden, klicken laut dem Länderbericht des Fög nach eigener Angabe nur 45 Prozent immer oder oft auf die Quelle.
Für Firmen zählt, wohin eine Antwort führt. Mein Team und ich haben das im September bei 50 unabhängigen Schweizer Hotels gemessen: Wir fragten drei KI-Modelle mit Websuche nach den Buchungsmöglichkeiten, jeweils unter Nennung des Hotelnamens und je zweimal. In 267 von 300 Antworten stand die Website des Hotels. Booking.com kam sogar in 276 Antworten vor, und gut jede zehnte Antwort nannte nur Portale, beim Modell von OpenAI jede fünfte. Welchen Link die Gäste anklicken, zeigt die Messung nicht. Sie ist eine Momentaufnahme mit kleiner Stichprobe, abgefragt über eine Programmierschnittstelle, nicht in den Apps.
Was daraus folgt
Für Panik sehe ich trotzdem keinen Grund. Gartner sagte Ende 2023 auch voraus, Marken verlören bis 2028 mindestens die Hälfte ihrer Besuche aus der unbezahlten Suche, gestützt auf eine Umfrage unter 299 Konsumenten. Nach der Erfahrung mit der Prognose für 2026 würde ich darauf weder wetten noch dagegen.
Messen lässt sich hingegen schon heute, wo eine Firma genannt wird. Ein einfacher Anfang: die Fragen, die Kundinnen und Kunden tatsächlich stellen, regelmässig in ChatGPT und Gemini eingeben und notieren, wer genannt und welche Seite verlinkt wird. Für Google zeigt die kostenlose Search Console seit dem 31. August jeder Website, die dort oft genug vorkommt, wie oft ihre Links in den Übersichten mit KI und im KI-Modus erscheinen.
Google bleibt also, zumindest vorerst. Gefunden werden muss eine Firma aber schon in der Antwort, vor dem Klick.
Fabiano Frascati ist Geschäftsführer der Frascati GmbH in Allschwil, die KMU bei der Sichtbarkeit in Google und KI-Antworten berät.
Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.



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Suche und KI: Google bleibt, der Klick wandert