Ich beginne mit einem Blick zurück ins Jahr 1991. Damals erklärte der Politologe Arno Waschkuhn: «Die zwei Parteizeitungen bilden nur eine sehr eingeschränkte Realität ab. Diese Wirklichkeitsausschnitte reichen nicht aus, um das Informationsbedürfnis zu befriedigen.» Gemeint waren das Volksblatt und das Vaterland. Heute bleibt im Wesentlichen nur noch das Vaterland. Das zeigt, wie stark die Parteimedien Liechtenstein geprägt haben.
In der Schweiz wird über Gebühren und die Zukunft der SRG gestritten. Liechtenstein ist schon weiter. Das Rundfunkgesetz wurde abgeschafft, kurz darauf verstummte Radio Liechtenstein. Für ein Land mit rund 40'000 Einwohnern ist das ein tiefer Einschnitt. Ich finde es schade, dass die Politik keinen Plan B hatte für ein zukunftsfähiges Medium. Doch gerade darin liegt eine Chance.
Als Journalist habe ich deshalb im Sommer den ersten öffentlichen Podcast zur Medienvielfalt moderiert. Bewusst startete ich mit Waschkuhns Zitat, um zu zeigen, wie lange die Diskussion reicht. Rund 60 Gäste kamen trotz Hitze und Ferienzeit. Das Publikum stellte Fragen, auch kritische. Besonders die Bedeutung der Leserbriefe kam zur Sprache. Mich freut, wie bewusst das Publikum mitdiskutierte. Dieser Austausch gibt Mut für eine lebendige Medienzukunft.
Die Anwesenheit hochrangiger Gäste zeigt den Stellenwert der Diskussion. Im Foyer des Gemeindesaals Triesen sassen Regierungsrat Hubert Büchel, Landtagspräsident Manfred Kaufmann, Johannes Kaiser als FBP-Fraktionssprecher, Thomas Rehak, Parteipräsident von den Demokraten pro Liechtenstein (DpL) und Christoph Beck, Vorsteher von Triesenberg. Auch die Präsidentin der Medienkommission, Jnes Rampone-Wanger und Carmen Dahl vom Presseclub betonten die Bedeutung unabhängiger Medien.
Die Inputs der Gäste zeigten Spannbreite und Gewicht. Gerald Hosp fragte: «Brauchen wir Medien unter Denkmalschutz oder solche mit Zukunft?» Martin Frommelt sagte: «Oberstes Ziel der Medienförderung sollte weniger die Medienvielfalt sein als die Gewährleistung der Meinungsvielfalt.» Reto Furter meinte: «Medienvielfalt in Liechtenstein ist wichtig wie überall, aber mit Fordern allein ist es noch nicht getan.» Und Patricia Schiess erklärte: «Es braucht nicht möglichst viele kleine Medien im Land, sondern solche mit erfahrenen Journalistinnen und Journalisten, die sauber recherchieren, kritisch nachfragen und, wenn sie es für nötig halten, ihre Meinung kundtun.»
Die Regierung reagiert mit einem neuen Mediengesetz. Es bringt mehr Basisförderung und Anschubfinanzierung für junge Medienunternehmen. Nur Titel mit Redaktionsstatut und Bezug zum Schweizer Presserat sollen profitieren. Das ist ein Schritt in Richtung Qualität.
Mich begeistert, dass unser Podcast Dialog geschaffen hat. Für liechtensteinische Verhältnisse hat er viel bewegt und Echo ausgelöst. Dass so viele mitdiskutieren, zeigt: Das Bewusstsein für unabhängigen Journalismus ist da. Politik darf Demokratie nicht auf Social-Media-Botschaften reduzieren. Es braucht unabhängige Stimmen, die auch unbequeme Fragen stellen. Wir arbeiten bereits an Teil 3.
Gerade die Schweiz sollte hinschauen. Wer unabhängige Medien schwächt, verliert Vielfalt. Doch die Krise ist auch eine Chance für neue Medien mit Zukunft in Liechtenstein und vielleicht auch ein Impuls für die Schweiz.
Andreas Krättli ist Journalist, Filmemacher und Dozent an der Universität Liechtenstein, wo er das Campus Radio mitgegründet hat. Er ist Geschäftsführer der AK Digital Media GmbH und seit vielen Jahren mit Medien in Liechtenstein und der Schweiz verbunden.
Unsere Autorinnen und Autoren vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.



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Medienvielfalt: Liechtenstein und die Lehren für die Schweiz