Ich habe einen eigenen, eher zufällig ausgewählten Blogtext aus dem Jahr 2017 durch einen KI-Detektor (TextGuard) gejagt. Das Resultat: «76 Prozent KI-generiert». Das Problem: GPT-3 kam erst 2020, ChatGPT Ende 2022. Mein Text konnte also unmöglich mit künstlicher Intelligenz geschrieben worden sein.
Nicht ich schreibe wie eine KI. Die KI hat gelernt, wie Journalistinnen und Journalisten schreiben, trainiert an Millionen von Medientexten. Der Massstab, an dem ich nun gemessen werde, ist letztlich mein eigener Stil, zurückgespiegelt durch ein Modell, das sich diesen einverleibt hat.
Mein LinkedIn-Post dazu hat Dutzende Kommentare ausgelöst und legt offen, wie tief das Misstrauen gegenüber KI-Detektoren in der Kommunikationsbranche mittlerweile sitzt. Weil darunter so viele lesenswerte Erfahrungen und Einschätzungen sind, fasse ich die wichtigsten hier zusammen. Auch Lehrpersonen, die solche Tools an Schulen einsetzen, sollten sich das zu Herzen nehmen.
Mehrere Kommentierende bestätigten das Phänomen mit eigenen Tests: Martin Luther Kings Rede «I Have a Dream» wurde zu «98 Prozent KI-generiert» eingestuft, ein Zeitungsartikel von 2003 zu 74 Prozent. Umgekehrt attestierte ein Detektor einem zu 100 Prozent von einer KI verfassten Text «62 Prozent menschgeschrieben». Der Grund liegt laut mehreren Fachleuten in der Trainingsbasis: KI-Modelle lernen an besonders gut strukturierten Texten – Detektoren markieren deshalb genau jene Texte als KI-generiert, die formal überzeugen.
Auffällig oft drehte sich die Diskussion um den Gedankenstrich. Mehrere Kommentierende – teils langjährige Redaktorinnen und Redaktoren – schrieben, sie würden mittlerweile bewusst darauf verzichten, weil er pauschal als KI-Signal gelesen werde. Süffisant hiess es, der Gedankenstrich sei «völlig unschuldig zum KI-Symbol» geworden. Eine Kommentatorin bezeichnet sich genau deshalb nun als «Gedankenstrichnutzerin – aus Haltung».
Kritisch diskutiert wurde zudem das Geschäftsmodell mancher Anbieter: Erst wird Unsicherheit erzeugt, dann eine kostenpflichtige Funktion zum «Humanisieren» des Textes angeboten – ein Kreislauf, den mehrere Stimmen als fragwürdig bezeichneten.
Wie brisant das Thema ist, zeigte zuletzt auch ein Blogbeitrag von Reto Vogt: Er ordnet den Fall des «Plagiatsjägers» Stefan Weber ein, der dem NZZ-Deutschland-Chefredaktor Florian Eder vorwirft, Kommentare mit KI verfasst zu haben, belegt einzig mit dem Score des Detektors Pangram. Vogts Fazit: Ein Score ist kein Beweis, sondern allerhöchstens ein Hinweis. Wer sich blind darauf verlässt, urteilt auf wackliger Grundlage, mit dem Risiko, Menschen zu Unrecht an den Pranger zu stellen.
Ich gehe da mit, würde aber noch weitergehen: Für mich sind KI-Detektoren für Texte – Stand heute – schlicht Nonsens.
PS: Dieser Text enthält sieben Gedankenstriche. Alle von mir bewusst gesetzt. TextGuard hält den Text übrigens zu 61 Prozent für KI-generiert, Pangram hingegen zu 100 Prozent für menschlich.
Christian Beck ist Redaktionsleiter von persoenlich.com.
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21.07.2026 13:11 Uhr



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KI-Detektoren: Mein Text von 2017 gilt als «KI-generiert»