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Nichts gelernt

Marcus Knill

Bis anhin war es das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das mit widersprüchlichen Informationen ihre gute Kommunikation während der ersten Phase zunichte gemacht hat. In einem Blogbeitrag auf persoenlich.com schilderte ich, weshalb widersprüchliche Informationen das Kommunikationsklima vergiften und vor allem in Krisenzeiten ein No-Go sind.

Nach dem Zickzackkurs und den widersprüchlichen Aussagen bis hin zu den Fehlinformationen über die Ansteckungsorte gibt es nun auch noch widersprüchliche Aussagen zwischen dem Amt für Bevölkerungsschutz (Babs) und dem BAG. Im monatlichen Monitoring kommt das Babs zu einer überraschenden Schlussfolgerung. Ich zitiere aus dem Blick: «Die Maskenpflicht im ÖV und die Quarantäne für Reisende aus Risikoländern scheinen ‹keinen oder nur einen kleinen› Effekt auf die Corona-Fallzahlen zu haben.» Sollen nun die einzigen Verschärfungen wirkungslos sein? Das BAG will von dieser Wirkungslosigkeit nichts wissen.

Die Wissenschafts-Taskforce des Bundes hat übrigens erst vor wenigen Tagen einen Bericht veröffentlicht, laut dem die richtige Kommunikation in den kommenden Wochen eine extrem wichtige Rolle spielen werde. Ob die Beamten diesen Bericht nicht gelesen haben? Jedenfalls haben die Verantwortlichen aus der Pannenserie nichts gelernt. Nach der grossen Verwirrung mit den falschen Zahlen waren sich alle Experten einig, dass Zickzack-Rhetorik in Krisensituationen das Vertrauen in der Bevölkerung untergräbt.

Für mich war der Bock mit den falschen Daten nur einer in einer langen Serie von Kommunikationspannen: Das Vertrauen in das BAG wurde als Institution beschädigt. Das ist gravierend, weil erwiesen ist, dass Widersprüche zu einem Vertrauensverlust führen. Dies ist gravierend, weil die Leute die Ansagen und Massnahmen aus dem Bundesamt nicht mehr ernst nehmen. Und in einer Pandemie ist das besonders gefährlich. Dies kann unmittelbar Auswirkungen auf die Ansteckungen haben. Es war zwar richtig, dass Alain Berset am Dienstag Stellung zur schlimmsten Panne genommen hat – leider zu spät: Ein Sorry allein reicht in einem solchen Fall nicht. Berset müsste konkret aufzeigen, was er unternimmt, damit sich die gleichen Fehler nicht wiederholen. Die Reputation einer Institution ist viel schneller beschädigt, als wiederhergestellt.

Fazit: Überall wo gearbeitet wird, kann es Fehler geben. Wenn es aber immer derselbe ist und es sogar zwischen Bundesämtern widersprüchliche Aussagen gibt, stimmt etwas nicht. Damit ist heute der Bund gefordert.



Marcus Knill ist Experte für Medienrhetorik und Autor der virtuellen Navigationsplattform für Kommunikation und Medien rhetorik.ch.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

 

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