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Medienmacher: Roger gegen Roger

Es ist fast schon bezeichnend: Diejenigen beiden Journalisten, die dieser Tage die Aufmerksamkeitsökonomie in unseren Leitmedien beherrschen, tragen den gleichen Vornamen, haben vor zwei Jahrzehnten Berlin aufgemischt – der eine als Sat.1-Geschäftsführer, der andere als Welt-Chefredaktor –, waren sich mal näher und mal nicht mehr. Die Rede ist – unzweifelhaft erkennbar und auch nicht als Millionenfrage tauglich – von Medienpionier und Radio-1-Boss Roger Schawinski sowie Weltwoche-Chef und Ex-Nationalrat Roger Köppel. Die beiden machten vor langer Zeit sogar einmal einen munteren Radiotalk mit dem Namen «Roger gegen Roger», in dem sie ihre Gegensätzlichkeit als akustisches Happening zelebrierten. Heute heisst die Sendung «Roger gegen Markus».

Ersterer Roger zeichnete am Montag in einem Kommentar in der NZZ ein äusserst düsteres Bild von der ökonomischen Situation unserer Medien, die langfristig jedenfalls nur dank Unterstützung von Stiftungen und Kommunen überleben könnten, was diametral zum goldenen medialen Zeitalter vor zwanzig, dreissig Jahren stehe. Vor allem Schawinskis Aussage, wonach er sich in den vergangenen 18 Jahren bei Radio 1 nie einen Lohn ausbezahlt habe, wurde von den anderen Medien grossflächig übernommen. Obwohl die Medienkrise seit Jahren das bestimmende Thema der Branche ist, wurde Schawinskis Weckruf als solcher wahrgenommen und auch weiterverbreitet. Was zeigt: Manchmal ist der Absender fast noch wichtiger als der Inhalt.

Gleiches gilt für Roger Köppel, der sich am Mittwoch in der Manier des ermordeten amerikanischen Aktivisten Charlie Kirk vor die Zürcher Uni stellte und – Eigenzitat – «eine freie Debatte» suchte. Rund 300 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten Köppels Rede vor Ort, es gab Pfiffe, Zwischenrufe und Vermummte, was für das Drehbuch und die Dramaturgie nur von Vorteil war.

Auch bei Köppel eine erstaunlich grosse mediale Resonanz – vom Blick über den Tages-Anzeiger bis zur NZZ. Fazit: Die Medienwelt hat sich wirklich geändert, die medialen Formen auch, aber am Ende sind es immer noch die gleichen Protagonisten, die wir seit Jahrzehnten kennen, die für die grossen Schlagzeilen und Klicks sorgen. Das ist in unserer KI-generierten und austauschbaren Welt zumindest tröstlich.


Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von persönlich und persoenlich.com.

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