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SRF: Viel bewegt im starken Gegenwind

Sie kam nach «No Billag» und geht vor der Halbierungsinitiative. Als die SRG Ende 2018 Nathalie Wappler zur Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ernannte, war schon klar, dass es keine ruhige Amtszeit werden würde. Zum einen befand sich das Unternehmen finanziell in stärkerer Schieflage, als das unter ihrem Vorgänger Ruedi Matter bekannt geworden wäre. Zum anderen sorgte das überraschend deutliche Verdikt der Stimmbevölkerung zum öffentlich finanzierten Rundfunk nicht etwa für Ruhe im Unternehmen. Vielmehr begann eine Phase des Um- und Abbaus, die Wappler massgeblich prägen sollte.

Zum einen übernahm die neue Direktorin bestehende Baustellen, zum anderen eröffnete sie selbst neue. Die doppelte Herausforderung, welche die frühere SRF-Kulturchefin nach ihrem Abstecher zum MDR in Deutschland bei SRF annahm, bestand darin, ein Unternehmen mit rückläufigem Budget für die Bedürfnisse der digitalen Nutzung fit zu machen. Was folgte und immer noch andauert, ist eine Operation am offenen Herzen mit offenem Ausgang. Schon heute sieht SRF in vielerlei Hinsicht nicht mehr so aus wie beim Stellenantritt der neuen Direktorin 2019.

Dass es zahlreiche Sendungen nicht mehr gibt, ist dabei nicht einmal das deutlichste Zeichen von Wapplers Wirken. Deren Einstellung ist nur ein Symptom der Kräfte, die das neue Betriebs- und Organisationsmodell entfaltet hat. Damit hat SRF insbesondere die interne Publikumsforschung und die Konfektionierung der Programminhalte für die verschiedenen Distributionskanäle gestärkt. Das Ganze geschieht im Zeichen einer sich verändernden Mediennutzung, die sich immer weniger an Sendungen und zeitlich fixen Sendeplätzen orientiert. Hier zeigte sich Wappler als Reform-Turbo und schlug ein Tempo an, das einen Teil der Belegschaft bisweilen vor den Kopf stiess und Fragen offenliess. Dem Betriebsklima war das nicht eben zuträglich, was sich in teils unterirdischen Werten bei der Mitarbeiterbefragung zeigte.

Unbestritten: Die Aufgabe, der sich Wappler stellte und sich bis zu ihrem nun angekündigten Rücktritt Ende April 2026 stellen wird, ist eine der anspruchsvollsten in der Schweizer Medienlandschaft. Auch deshalb, weil sie anders als die Medienmanager privater Unternehmen nicht nur den Aktionären und Abonnentinnen Rechenschaft schuldet, sondern auch der gesamten abgabepflichtigen Bevölkerung. Entsprechend stark stand die SRF-Direktorin im Gegenwind von Medien und der (politischen) Öffentlichkeit. Und sie stellte sich stets der Kritik. Sie beschritt aber den eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter. Das wird sie auch bis zu ihrem Rücktritt tun.


Nick Lüthi ist Redaktor von persoenlich.com.

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