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: Watson.ch vs. Blickamabend.ch.

Beim "Tages-Anzeiger" beschäftigen sich die Chefs derzeit vor allem mit Zahlen: Dass die Bezahlschranke zu einem derart massiven Besucher-Rückgang auf tagesanzeiger.ch führen könnte, hatte man nicht erwartet, wie die sonst eher zweckoptimistische Tamedia kürzlich eingestehen musste. Der Rückgang um rund 60 Mio. Page Impressions seit Einführung der Paywall vor vier Monaten, schlägt sich in schmerzlichen Verlusten am Werbemarkt nieder.

Während IT und Verkauf nun an der Metered-Paywall schrauben, greift der Tagi-Digitalchef in die Tasten. In einem am Freitag erschienen Kommentar hat Michael Marti den Start zweier Konkurrenten analysiert: Watson.ch und Blickamabend.ch. Er vergleicht die Klickzahlen der beiden "Newcomer des Schweizer Onlinejournalismus" und kommt zum Schluss, dass Investitionen in Journalisten nicht mit entsprechend höherer Reichweite korrelieren. Ein schmerzliches Fazit, aber ein falsches. Denn hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Mit einer Gegenüberstellung von Watson.ch und Blickamabend.ch lässt sich zwar ein Klickzahlen-Vergleich erstellen, sicher aber keine generelle Aussage über den Zusammenhang zwischen journalistischer Leistung und Reichweite machen. Die Argumentation enthält mindestens drei grundlegende Mängel.

Erstens: Bei Ermittlung der journalistischen Ressourcen zählt der Autor bei Watson nicht nur Journalisten, sondern gleich auch IT und Verkauf mit. So kommt er auf 55 Mitarbeiter und stellt diese 5 Mitarbeitern bei BlickamAbend.ch gegenüber, die wahrscheinlich aber mehr oder weniger reine Produktionsaufgaben haben und inhaltlich auf Ressourcen des gesamten Newsrooms, mindestens der gesamten "Blick am Abend"-Printredaktion, zurückgreifen können. Daher ist die Schlussfolgerung, dass Blickamabend.ch mit einem Zehntel des Aufwandes von Watson eine grössere Reichweite hat, schlicht falsch.

Zweitens: Während BlickamAbend.ch vor allem unterhalten und Pendler beim Abschalten unterstützen will, kann man bei Watson einen weitergefassten journalistischen Anspruch ausmachen. Hier findet man neben – teils schon sehr boulevardesken, sinnentleerten "Texten"  – durchaus auch erklärende, hintergründige Artikel. In Bezug auf den journalistischen Anspruch kann man Watson.ch auch mit NZZ.ch vergleichen, mit 20min.ch oder Tagesanzeiger.ch.

Drittens: "Blick am Abend" gilt nach über sechs Jahren seit der Lancierung als etablierte Marke und ist primär eine Online-Adaption eines Printprodukts. Dagegen startete Watson vor gerade einmal einem halben Jahr, als reines Online-Produkt auf der grünen Wiese. Das Portal erreichte im Juli 2014 700‘000 Unique Client, das sind bereits mehr als ein Drittel von tagesanzeiger.ch (1,9 Mio.).

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