Sabine Müller, seit zwei Jahren drehen sich gefühlt alle Fachtagungen um künstliche Intelligenz (KI). Braucht es wirklich noch ein ganzes Festival zum Thema?
Ja, unbedingt. KI ist nicht nur ein weiteres Technologiethema, sie verändert ganze Branchen und wird zur Basis neuer Industrien. Genau deshalb braucht es ein Festival, das den Dialog über Chancen und Verantwortung öffnet – über die Fachcommunity hinaus und mitten in der Gesellschaft. Mit dem Zurich AI Festival bringen wir Gründer und Gründerinnen, Forschende und Visionäre aus aller Welt zusammen.
Was bietet die Veranstaltung, das andere Events nicht bieten?
Das Festival ist ein Pilotprojekt, entstanden aus dem Ökosystem heraus und gemeinsam mit dem ETH AI Center lanciert. Diese Partnerschaft öffnet viele Türen. Ergänzt wird sie durch die Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich und Zürich Tourismus. Während sich die erste Ausgabe noch stark auf Zürich konzentriert, ist die Vision klar: Künftig wollen wir die gesamte Exzellenz der Greater Zurich Area sichtbar und erlebbar machen.
Mitinitiator ist das ETH AI Center. Sind Geeks das Zielpublikum?
Das ETH AI Center ist die treibende Kraft, Türöffner und Magnet des Festivals. Ohne diese Zusammenarbeit wäre das Zurich AI Festival nicht realisierbar gewesen. Mit dem Kanton Zürich und Zürich Tourismus stehen zudem starke Unterstützer hinter uns, die den Mut haben, lokale Initiativen zu skalieren und zu professionalisieren. Das Zielpublikum geht aber weit über «Geeks» hinaus: Wir sprechen Start-ups, Unternehmen, Politik, Forschung, Kultur und Gesellschaft an – Menschen, die die Zukunft mitgestalten wollen, aus dem In- und Ausland.
«Bisher war es nicht einfach, internationale Medien mit Standortgeschichten zu erreichen»
Viele Bereiche werden angesprochen: Umwelt, Gesundheit, Finanz oder Kunst. KI ist aber auch wegen Problemen wie Urheberrecht oder Desinformation im Fokus. Warum findet sich dazu im Programm wenig?
Wir haben bewusst Inhalte kuratiert, die echte Substanz haben. Es geht uns nicht um eine Messe, sondern um ein Schaufenster des Tech-Ökosystems. Themen wie Urheberrecht oder Desinformation werden durchaus diskutiert, allerdings eher in kleineren, geschlossenen Formaten.
Auch die Standortmarketing-Organisation Greater Zurich Area - wo Sie stellvertretende Geschäftsführerin sind - steht hinter dem Anlass. Wie hoch ist die Resonanz im Ausland?
Bisher war es nicht einfach, internationale Medien mit Standortgeschichten zu erreichen. Mit dem Festival drehen wir den Spiess um: Wir schaffen Momentum, laden Journalisten aus aller Welt ein und zeigen, warum wir seit 14 Jahren Innovationsweltmeister sind. Dass bereits Unternehmen wie OpenAI und Anthropic hier Fuss gefasst haben, unterstreicht das Potenzial – und genau dieses Momentum wollen wir weiter ausbauen.
Viele der Tagungen, die während des Festivals stattfinden, gab es schon vorher, wie den Policy Summit oder den AI+X Summit. Was bringt die Vermarktung unter der Dachmarke «Zurich AI Festival»?
Genau das war unser Ziel: bestehende, hochwertige Veranstaltungen wie den Policy Summit oder AI+X Summit unter einer starken Marke zu bündeln. Damit können wir Ressourcen in der Vermarktung effizienter nutzen, internationale Sichtbarkeit erhöhen und den Zugang für Besucher und Besucherinnen vereinfachen. Kurz gesagt: Eins plus eins ergibt hier mehr als zwei.
«Wir haben für das Pilotjahr tatsächlich versucht, einige ganz grosse Namen und sogar Nobelpreisträger zu gewinnen – sie haben leider abgesagt»
Das KI-Festival fällt zeitgleich mit dem Zurich Film Festival (ZFF). War das gewollt?
Das war ein Zufall – aber ein glücklicher. Wer in dieser Woche nach Zürich kommt, erlebt gleich zwei Festivals: eines für Kunst und Kreativität, eines für Technologie und Zukunft. Eine perfekte Kombination.
Das ZFF prägt das Stadtbild mit Flaggen, Infosäulen und einem Festivalzentrum. Besteht da nicht die Gefahr, dass das AI Festival untergeht?
Nein. Wir sind mit Plakaten, auf Trams, in Schaufenstern unserer Partner und dank vieler Partnerunternehmen sichtbar. Unser Publikum ist thematisch fokussiert und kommt gezielt wegen der Inhalte. Diese inhaltliche Schärfe ist unsere Stärke – wir müssen nicht das ganze Stadtbild dominieren.
Das ZFF lockt mit Hollywoodstars. Wird das AI Festival auch Stars der Tech-Szene nach Zürich holen?
Wir haben für das Pilotjahr tatsächlich versucht, einige ganz grosse Namen und sogar Nobelpreisträger zu gewinnen – sie haben leider abgesagt. Aber man darf nicht vergessen: Auch andere Weltformate haben klein angefangen. Wir sind überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren internationale Tech-Stars an den Standort holen werden.
«Wir haben Event-Proposals abgelehnt, wenn sie nicht dem grundsätzlichen Qualitätsanspruch nach inhaltlichem Mehrwert genügten»
Wer tritt dieses Jahr auf?
Schon dieses Jahr haben wir ein Line-up, auf das wir stolz sind: mit Rednern aus den USA, Singapur, Shanghai, Finnland oder Polen. Gleichzeitig haben wir uns Diversity-Ziele gesetzt: eine 50:50 Gender-Balance über das gesamte Speaker-Line-up. Noch sind wir nicht ganz dort, aber wir haben bewusst nachgeschärft und sogar Event-Proposals abgelehnt, wenn sie nicht diesem oder dem grundsätzlichen Qualitätsanspruch nach inhaltlichem Mehrwert genügten.
Einige Veranstaltungen sind bereits ausgebucht. Welche Events empfehlen Sie noch?
Unser Programm ist so kuratiert, dass jede Veranstaltung echten Mehrwert bietet – es gibt keine «Füller». Besonders spannend sind aktuell Themen wie Robotics, wo wir kurz vor grossen Durchbrüchen stehen und diese Entwicklungen live erlebbar machen. Auch unsere Community- und Netzwerkformate wie die Veranstaltung «Hello, AI!», die sich an die breite Bevölkerung richtet, der Pre AI+X Mingle oder Greeking Out in Zurich lohnen sich, weil sie die Tech-Community direkt miteinander verbinden.
Wird das Festival nächstes Jahr wieder stattfinden?
Ja, das ist ganz klar unser Ziel. Wir wollen das Festival zu einem wiederkehrenden, global relevanten Format entwickeln. Dafür werden wir nicht nur klassische Marketing-KPIs auswerten, sondern auch die Ansiedlungsrelevanz messen und die Rückmeldungen unserer Partner sowie Besucher einbeziehen. Schon jetzt ist klar: Das Momentum ist da – und wir werden es weiter ausbauen.
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29.09.2025 08:23 Uhr
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