26.07.2019

Digitaltag 2019

«Die Weiterbildung hört mit 25 Jahren nicht auf»

Für den Digitaltag zum Thema Lifelong Learning wurden die zwölf Standorte nochmals erweitert. Gesamtprojektleiterin Diana Engetschwiler erklärt, wie Kritiker und die Bevölkerung am 3. September mitreden und welche Rolle Verlage und Medienhäuser dabei spielen.
Digitaltag 2019: «Die Weiterbildung hört mit 25 Jahren nicht auf»
Diana Engetschwiler wird den Digitaltag 2019 aus der Perspektive des Teams betrachten und beobachten, wie die Leute den Event aufnehmen. (Bilder: zVg.)
von Loris Gregorio

Frau Engetschwiler, Sie waren lange im Sport-Marketing tätig und organisieren nun den Digitaltag. Was ist das Sportlichste an dieser Tätigkeit?
Ich komme nicht nur von der Sportindustrie, sondern war auch Leistungssportlerin, habe in der Volleyball-Nationalmannschaft gespielt und mag sportliche Herausforderungen. Sportlich ist sicher die Zeit, die wir haben. Bis zum nächsten Digitaltag bleiben uns jeweils nur ein paar Monate. Letztes Jahr war er im Oktober und dieses Jahr findet der Digitaltag schon am 3. September statt. Das fordert uns im positiven Sinn heraus, dass wir als Team effizient agieren müssen. Ein späterer Zeitpunkt wäre aber sicher ein Vorteil für die Standorte, Unis und Hochschulen gewesen.

Was wird bei der diesjährigen dritten Ausgabe anders sein als in den Vorjahren: Können Sie zwei der auffälligsten Änderungen nennen?
Wir gehen dieses Jahr stärker in den Dialog mit der Bevölkerung. Am kommenden Digitaltag wird es schweizweit über 20 kostenlose Anlässe zum Mitreden geben. Bei dieser Initiative namens «Tell» werden verschiedene Themen diskutiert und die Bevölkerung bespricht Fragen in einer Diskussionsrunde. Beim «Tell» in Bern beispielsweise wird das Thema Klimaschutz diskutiert und von Bundesrätin Simonetta Sommaruga eröffnet. Die Idee dabei ist, die Bevölkerung am Digitaltag aktiv zu involvieren. Wir wollen von den Leuten wissen, welche Ängste sie beschäftigen und aufzeigen, welche Chancen die Digitalisierung bringt. Die Resultate werden wir in einem Bericht zusammentragen, um ein Gespür zu bekommen, was die Bevölkerung über die Digitalisierung denkt. Der Bericht wird nach dem Digitaltag veröffentlicht.

Und was ist eine zweite Änderung?
Wir haben mit Lifelong Learning ein Hauptthema, das sich durch den gesamten Digitaltag zieht. Weil die digitale Transformation heute so schnell voranschreitet, ist es wichtig, dass sich alle eines bewusst sind: Genau wegen diesem Wandel hört das Weiterentwickeln nicht im Alter von 25 Jahren auf.

Sie haben Simonetta Sommaruga angesprochen. Welche weiteren Bundesräte sind dieses Jahr dabei?
Bundesrat Guy Parmelin wird in Bern im Generationenhaus das World Café «Tell» eröffnen. Zudem wird Bundespräsident Ueli Maurer bei der Eröffnung des Digitaltags in Bern und danach in Zürich teilnehmen.

Wie hoch sind die Kosten für den Digitaltag?
Dank starken Partner und sehr ökonomischem Umgang mit Ressourcen gelingt es uns auch dieses Jahr, mit verhältnismässig tiefen Kosten einen Megaevent dieser Grösse zu veranstalten. Etwas, worauf wir stolz sein können (2018 bewegten sich die Kosten im tiefen siebenstelligen Bereich; Anm. der Redaktion).

«Prozesse werden digitalisiert und dadurch vereinfacht.»

Wer zahlt diesen Anlass? In welchem Verhältnis beteiligen sich die Privatwirtschaft und die öffentliche Hand?
Etwa 95 Prozent der Kosten werden durch Digitalswitzerland und unsere Partner finanziert. Dazu gehören grosse Firmen, NGOs und Start-ups. Die restlichen fünf Prozent werden vom strategischen Partner Innosuisse und somit aus öffentlicher Hand finanziert.

Wo ist die Schweiz in Sachen Digitalisierung ein Vorbild?
Es gibt das World Digital Competitivness Ranking von IMD, welches das zeigt. Darin steht unter anderem, dass die Schweiz vor allem bei ausländischen Talenten der Digital-Branche stark ist, weil diese hier in der Schweiz arbeiten. Zudem investieren Schweizer Firmen stark in die Weiterbildung. Dazu kommen Schweizer Universitäten wie die EPFL oder die ETH, die weltweit anerkannt sind.

Wo sehen Sie Aufholbedarf?
Dies wird ebenfalls in der genannten Studie ersichtlich. Es ist in der Schweiz immer noch nicht ganz so einfach, ein Start-up zu gründen. Die Rahmenbedingungen sind in anderen Ländern besser. Und in diesem Gebiet ist die Anzahl der Frauen eher tief. Vor allem ich als Frau betrachte diesen Faktor als sehr wichtig. Zudem ist die Schweiz beim E-Government im internationalen Ranking eher hinten.

Das Wort Digitalisierung sei negativ konnotiert, schreibt beispielsweise der Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl in «Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde: Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet». Wie sehen Sie das?
Es kommt drauf an, aus welcher Perspektive man das betrachtet. Es gibt Menschen, die das von einer positiven Seite sehen. Prozesse werden digitalisiert und dadurch vereinfacht. Ich nehme Google Maps als Beispiel: Um an mein Ziel zu gelangen, brauche ich keine grosse Karte mehr. Das vereinfacht mein Alltag und spare dazu Zeit. Ich würde daher vor allem von Innovation reden, die in der Schweiz immer stärker wird.

Wie wollen Sie dieser negativen Konnotation entgegenwirken?
Indem wir den Dialog mit der Bevölkerung suchen, am Digitaltag vor allem mit der Initiative «Tell». Hier geht es darum, dass wir eine Plattform sind, um Diskussionen anzuregen. Zudem wollen wir zeigen, welche Innovationen es gibt, um Menschen zu helfen. Es gibt natürlich auch Sachen, die sehr nützlich sind wie die Früherkennung von Krebs im Gesundheitsbereich. Dieses Jahr nehmen wir aber auch eine kritische Note dazu, um diese Aspekte zu betrachten. Wir haben Panel-Diskussionen, an die wir Personen einladen, die verschiedene Ansichten haben. Ich glaube, je mehr man sich mit dem Thema auseinandersetzt, was auch das Ziel des Digitaltags ist, desto besser kann man die Risiken und die positiven Seiten unterscheiden. Ein Beispiel für eine solche Diskussion ist das Thema Ethik und Daten.

«Das primäre Ziel ist, die Message an die Bevölkerung zu bringen.»

Was erwarten Sie vom Dialog?
Uns ist es wichtig, dass eine Diskussion entsteht und dass man die Themen nicht nur schwarz-weiss malt. Dabei sollten verschiedene Facetten der Innovation und Digitalisierung angeschaut werden. Fakt ist, wir leben in einer Welt, in der Digitalisierung vorhanden ist. Jetzt geht es darum, was man damit macht. Wie entwickeln wir uns als Schweiz weiter? Ich finde, die Bevölkerung gehört auch dazu. Sie sollte eine Stimme haben. Neben den Diskussionen sollen die Gäste des Digitaltags auch ausprobieren und erleben können.

Was bieten Sie den Gästen?
Zum einen die Diskussionen im Rahmen des Projekts «Tell». Zum andern können sie auch Dinge ausprobieren und erleben. In der St. Galler Innenstadt gibt es beispielsweise eine «Smarthalle». Diese bleibt nach dem Digitaltag noch drei Monate dort stehen. Angeboten werden unter anderem Kurse oder ein Virtual-Reality-Erlebnis. Wir haben die Feedbacks von letztem Jahr aufgenommen und die Standorte dem entsprechend aufgebaut.

Letztes Jahr arbeiteten Sie vor allem mit Ringier und SRF zusammen und haben aber NZZ-CEO Felix Graf in den Steuerausschuss gewählt. Wie sieht es dieses Jahr mit der Zusammenarbeit mit weiteren Verlagen aus?
Dieses Jahr sieht es auch gut aus, dass Medienhäuser offen sind für eine Berichterstattung. Wir haben Pläne mit konkreten Partnern zusammenzuarbeiten. Mehr können wir noch nicht verraten, weil es noch nicht bestätigt ist. Das primäre Ziel ist, die Message an die Bevölkerung zu bringen. Die Leute sollen sich engagieren, an die World Cafés «Tell» gehen und sich mit dem Thema auseinandersetzen. Jetzt gehen wir aktiv auf die Medienhäuser zu und haben eine offene Türe, um Gespräche aufzubauen. Der Digitaltag soll für alle zugänglich sein und darum sind alle willkommen, um eine Diskussion aufzugleisen.

Wie werden Sie selbst den diesjährigen Digitaltag verbringen?
Ich werde den Tag sicher aus der Perspektive unseres Teams anschauen, da wir sehr viel Arbeit geleistet haben. Ich vergleiche das immer wieder mit der Fussball-WM in Brasilien, die ich erleben konnte, nachdem ich bei der Organisation tief involviert war. Die Stimmung auf sich wirken zu lassen, wird sicher ein schönes Gefühl. Ich werde in Bern bei der Eröffnung dabei sein, dann nach Zürich gehen und dafür sorgen, dass die Partner und die Bevölkerung eine wertvolle Zeit am Digitaltag verbringen können. Dabei will ich die Leute befragen und beobachten, wie sie das Ganze aufnehmen.

Was raten Sie: Ist es wichtig, ab und zu dem digitalen Alltag zu entfliehen? Falls ja: Wie gelingt das am besten?
Ich bin wie erwähnt im Sport verankert. Darum ist für mich Sport ein Weg, bei dem ich abschalten kann. Ich schaue, dass ich das als Ausgleich sehr intensiv machen kann. Das war schon fast mein ganzes Leben so. Ausser als Profi-Sportlerin, da war eher alles andere ein Ausgleich. Vom Computer wegzugehen und mich mit meinem Körper zu beschäftigen ist für mich eine Balance zur Arbeit.



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