27.08.2025

IGEM-Digimonitor

«Die Werbeausgaben folgen der Mediennutzung»

Die Umfrage zeigt, dass die Schweizerinnen und Schweizer digitale Medienangebote rege nutzen. Die Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM), Siri Fischer, sagt, wo Anbieter sich optimistisch zeigen können und wo eher Sorge angesagt ist.
IGEM-Digimonitor: «Die Werbeausgaben folgen der Mediennutzung»
«Es wird einen weiteren Zuwachs geben, aber die Wachstumskurve wird sicherlich abflachen», so Siri Fischer vom IGEM zur KI-Nutzung in der Bevölkerung. (Bild: zVg/Melanie Ohnemüller)

Siri Fischer, laut Jahrbuch Qualität der Medien sind 46 Prozent der Schweizer newsdepriviert. Der Digimonitor zeigt aber, dass digitale News 97 Prozent der 15- bis 75-Jährigen erreichen. Kein Grund zur Sorge also?
Der Digimonitor zeichnet sich dadurch aus, dass die jährliche Befragung jeweils eine Momentaufnahme ist (der Befragungszeitraum beträgt nur wenige Wochen). Dies ermöglicht es dem Digimonitor, immer die aktuellsten technologischen Entwicklungen zu berücksichtigen und auszuweisen. Am Beispiel der digitalen News heisst das, dass wir seit zwei Jahren auch den Konsum von News über Social Media oder YouTube integrieren. Und hier sehen wir, dass 41 Prozent der jüngeren Personen von 15 bis 34 Jahren täglich Newsbeiträge auf diesen Plattformen nutzen. Social Media oder YouTube haben sich damit als Newskanäle für die jüngere Bevölkerung etabliert.

Sind Schweizer Medienplattformen weniger relevant?
Nein, denn diese zeigen auch in dieser jungen Zielgruppe eine mindestens gleich hohe Nutzung. Bei der Zahlungsbereitschaft für News hinken die Jüngeren aber hinterher: 19 Prozent der Personen unter 35 Jahren nutzen mindestens gelegentlich Newsangebote über ein bezahltes Digitalabonnement. Bei den über 35-Jährigen sind es immerhin 33 Prozent. In dieser Betrachtung ist eher die längerfristige Refinanzierung des Newsangebotes ein Grund zur Sorge als die Nutzung von Schweizer Newsangeboten.

Für Onlinenews ziehen mehr Leute das Angebot der privaten Medienhäuser vor als das von SRF, RTS und RTI. Ist die Konkurrenz durch die SRG also doch nicht so gross, wie manchmal behauptet wird?
Die Angebote der SRG sind vielschichtig und breit. Wir erheben die Nutzung von verschiedenen Angeboten der SRG im Bereich der News, für Audiostreaming und für Sportinhalte auf den Webseiten und Apps von SRF, RTS oder RSI. Im Bereich des TV- und Videostreamings erheben wir Play SRF/RTS/RSI und Play Suisse. Je nach Nutzergruppe und Plattform zeigen die Angebote der SRG unterschiedliche Relevanz. In Summe ist das Medienangebot der SRG beträchtlich, das Gleiche gilt aber auch für die privaten Schweizer Newsanbieter. In vielen Bereichen, z.B. dem Videostreaming, sehen wir, dass die Nutzung durch internationale Plattformen dominiert wird.

«Jedes Medium, das mit der technologischen Entwicklung Schritt hält und für das Zielpublikum relevanten Content produziert, kann optimistisch sein»

Leicht weniger Menschen als im Vorjahr geben an, Radio zu hören. Konnten Sie einen Zusammenhang mit der Abschaltung der UKW-Sender der SRG herstellen?
Wir fragen jedes Jahr eine Stichprobe der Schweizer Bevölkerung, wie oft sie Radio hören. Dadurch können wir Vorjahresvergleiche machen und Entwicklungen erkennen. Wir fragen aber nicht, warum sie mehr oder weniger hören. Daher können wir keine Aussage zu den Gründen für eine veränderte Mediennutzung treffen und auch keinen Zusammenhang zur UKW-Abschaltung belegen. Wir haben uns diese Frage auch gestellt und es könnte durchaus ein Zusammenhang bestehen. Ob und welche Auswirkungen die UKW-Abschaltung hat, zeigt die offizielle Radioforschung der Mediapulse.

Immerhin hören 88 Prozent der Leute zwischen 15 und 75 Jahren immer noch Radio. Und Audio allgemein mit Podcasts und Musik ist sehr verbreitet. Können Radiomacher trotzdem optimistisch sein?
Jedes Medium, das mit der technologischen Entwicklung Schritt hält und für das Zielpublikum relevanten Content produziert, kann optimistisch sein. So wird auch Radio digitaler und betritt neue Themenfelder, wie z.B. mit der programmatischen Aussteuerung von linearem Radio. Letztendlich gilt bezüglich kommerziellen Erfolgs auch weiterhin die Regel: Die Werbeausgaben folgen der Mediennutzung. Die primären Faktoren für den kommerziellen Erfolg eines Mediums sind somit Nutzung und natürlich der Preis des Kontaktes.

Zum ersten Mal benutzt die Mehrheit der Bevölkerung (60 Prozent) KI-Tools. Vor einem Jahr waren es noch 40 Prozent. Erwarten Sie, dass sich die Entwicklung so rasant fortsetzt?
Der Zuwachs der Nutzung in den letzten zwei Jahren war rasant und liegt aktuell bei bereits 60 Prozent. Es ist völlig klar, dass eine vergleichbare weitere Steigerung der Nutzung in Zukunft gar nicht möglich sein wird. Es wird einen weiteren Zuwachs geben, aber die Wachstumskurve wird sicherlich abflachen.

«Ob KI für die Suche nach News genutzt wird, werden wir für die zukünftigen Befragungen sicherlich prüfen»

Erstaunlich ist, dass KI häufiger privat als beruflich genutzt wird. Wird die Technologie also doch nicht all unsere Jobs ersetzen?
Die Nutzung von KI-Tools ist je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedlich verbreitet. Insbesondere Personen in Ausbildung oder in der Lehre nutzen KI-Tools überproportional stark. Bei dieser Gruppe ist die Nutzung von KI-Tools auch am stärksten gewachsen. 86 Prozent der Personen in Ausbildung nutzen bereits KI-Tools. Mehr als jede dritte Person in Ausbildung (35 Prozent) ist sogar täglich auf ChatGPT. Es ist davon auszugehen, dass diese Personen beim Eintritt ins Arbeitsleben weiterhin KI-Tools nutzen werden. Dies wird sicherlich Veränderungen mit sich bringen. Der Digimonitor kann aber schlicht keine Aussagen dazu treffen, welche Bereiche der Arbeitswelt in welchem Umfang betroffen sein werden.

Werden KI-Tools auch als Newslieferanten genutzt?
2,7 Millionen (43 Prozent) der Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren nutzen KI-Tools als Suchmaschine. Das beinhaltet sicherlich auch die Suche nach News. Wir haben das bisher nicht explizit abgefragt, wir werden dies aber für die zukünftigen Befragungen sicherlich prüfen.

Bereits eine Million Menschen lassen sich für Ihren Einkauf von KI beraten oder Produkte empfehlen. Beobachten Sie, ob die Marketingstrategien sich auch entsprechend anpassen?
Unsere Studie Digimonitor kann strategische Erkenntnisse für Marketing und Mediaplanung liefern, indem sie detaillierte Daten zur Nutzung von elektronischen Medien und Technologien über verschiedene Geräte hinweg aufzeigt. In welchem Umfang unsere Daten in die Strategien der Unternehmen einfliessen, können wir aber nicht sagen und das ist sicher individuell. Wir wissen aber, dass der Digimonitor intensiv genutzt wird und wertvollen Input liefert.


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