10.01.2021

Nach 56'500 Tweets

Donald Trump ist auf Twitter verstummt

Im Schnitt hat der Noch-US-Präsident 30 Tweets pro Tag verschickt. Nun ist Schluss, Twitter hat den Account dauerhaft gesperrt. Ein Rückblick auf seine engagierte Twitter-Karriere.
Nach 56'500 Tweets: Donald Trump ist auf Twitter verstummt
US-Präsident Donald Trump, hier bei einer Kundgebung am Mittwoch, 6. Januar 2021, in Washington. (Bild: Keystone/AP Photo/Jacquelyn Martin)

Der abgewählte US-Präsident Donald Trump hat über Twitter Weltpolitik gemacht, Kabinettsmitglieder gefeuert und Gegner beleidigt – am Freitagabend hat ihm der Kurznachrichtendienst seine wichtigste Kommunikationsplattform entzogen (persoenlich.com berichtete).

Mehr als 88 Millionen Follower erreichte der Präsident mit seinen Botschaften zuletzt direkt über @realDonaldTrump, ohne den Weg über die traditionellen Medien gehen zu müssen. 56'571 Tweets hat das Trump-Twitterarchiv verzeichnet, 26'237 davon schickte er als Präsident. In den vergangenen drei Monaten kam Trump im Schnitt auf 30 Tweets am Tag.

Mit seinen ständigen Tweets hielt Trump die Welt in Atem. Alleine am 4. Juni vergangenen Jahres – während der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd – schickte er 163 Twitter-Nachrichten in die Welt, sein Tagesrekord. In der Monatswertung lag der vergangene September, als der Wahlkampf auf Hochtouren lief, mit 1421 Trump-Tweets vorne.

Den ersten Tweet sendete @realDonaldTrump am 4. Mai 2009: Damals kündigte Trump seinen Auftritt in der Late-Night-Show von David Letterman an. Als Präsident nutzte Trump die Plattform wie keiner vor ihm, nie zuvor hatten Twitter-Nachrichten mehr Gewicht. Trump verbreitete über den Kanal nicht nur politische Botschaften, sondern oft auch schamlos wirkende Eigenwerbung – etwa am 6. Januar 2018, als er sich als «ein sehr stabiles Genie» bezeichnete.

Manche Tweets schürten Sorge vor einem Krieg, beispielsweise am 19. Mai 2019: «Wenn der Iran kämpfen möchte, dann wird das das offizielle Ende des Irans sein», schrieb Trump damals. Andere blieben ein Rätsel, etwas seine später gelöschte Botschaft vom 31. Mai 2017 mit dem Wort «Covfefe». «Ich denke, der Präsident und eine kleine Anzahl Menschen wissen genau, was er meinte», sagte sein damaliger Sprecher.

Trump teilte auf Twitter mächtig gegen seine Gegner und Kritiker aus, oft auch unterhalb der Gürtellinie. Dem damaligen US-Senator Bob Corker bescheinigte Trump am 24. Oktober 2017 beispielsweise, dieser könne «nicht einmal zum Hundefänger in Tennessee» gewählt werden.

Zuletzt nutzte Trump Twitter vor allem dazu, seine unbelegten Behauptungen über Betrug bei der Präsidentenwahl am 3. November zu verbreiten und sich gegen seine Niederlage zu stemmen. Twitter versah immer mehr seiner Tweets mit Warnhinweisen. Nach der Erstürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger am Mittwoch zog das Unternehmen die Reissleine. Wegen des «Risikos einer weiteren Anstiftung zur Gewalt» sperrte Twitter den Account @realDonaldTrump dauerhaft.

Seine letzte Twitter-Botschaft schickte der Noch-Präsident am Freitag um 10.44 Uhr: Darin kündigte Trump an, er werde nicht an der Vereidigung seines Nachfolgers Joe Biden am 20. Januar teilnehmen. (sda/dpa/cbe)



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Kommentare

  • Noé Tondeur, 10.01.2021 15:34 Uhr
    Bin bewusst diesem Twitter-Kanal schon seit 2016 nicht gefolgt. Habe immer alles in den Medien und in den Gesprächssträngen von Twitter mitbekommen, was er damit ausgelöst respektive destruktiv anrichten konnte. Die negative Seite sozusagen. Zum Glück gibt es auch konstruktive und wertvollere Wirkungsmechaniken mit diesem Echtzeitinstrument, wie mit anderen Social-Media-Kanälen auch. Darauf versuche ich mich zu konzentrieren, ganz bewusst.
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