07.07.2020

Serie zum Coronavirus

«Ein Facebook-Verzicht hat einen Impact auf die Leistung»

Folge 80 unserer Serie: Tom Hanan. Der Webrepublic-Mitgründer spricht im Interview über steigende Innovationsbereitschaft und Investitionen in E-Commerce. Zudem äussert er sich zum Werbeboykott auf Facebook.
Serie zum Coronavirus: «Ein Facebook-Verzicht hat einen Impact auf die Leistung»
«Auf dem Schweizer Markt gibt es Reaktionen, die grössten Diskussionen finden jedoch nach wie vor in den USA statt», sagt Webrepublik-Mitgründer Tom Hana im Interview. (Bild: Webrepublic)
von Matthias Ackeret

Herr Hanan, überall spricht man vom Siegeszug der Digitalisierung während der Coronakrise. Haben Sie dies auch so erlebt?
Die Auswirkungen von Corona haben für viele Unternehmen die Relevanz von digitalen Kanälen verstärkt. Wir beobachten eine grosse Beschleunigung der Investitionsbereitschaft in Onlinemarketing, aber auch in die technische Infrastruktur. Es wurde klar ersichtlich, dass es bei vielen Unternehmen Nachholbedarf gibt.

Was hat sich aber konkret durch die Krise verändert?
Die Innovationsbereitschaft: Unternehmen sind bereit in Themen zu investieren, die sie vorher auf die lange Bank geschoben haben.

Wie hat Webrepublic diese Zeit überstanden?
Dank unserem starken Setup, breiten Kundenportfolio und langjährigen Partnerschaften mit unseren Kunden konnten wir die Krise bisher ohne grosse Schäden durchschiffen. Gegenseitiges Vertrauen ist heute wichtiger denn je. Mit unserer Expertise im Digitalmarketing können wir unsere Kunden in dieser turbulenten Zeit unterstützen und beratend zur Seite stehen.

Wurde mehr Digitalwerbung gebucht als in normalen Zeiten?
Es zeigt sich eine Umverteilung von Investitionen in klassische Medien hin zur Onlinewerbung. Diese Entwicklung ist seit längerem zu beobachten, wurde aber extrem beschleunigt. Man denkt an physische Geschäfte oder die Gastronomie, die in kürzester Zeit ihre Kunden über digitale Kanäle erreichen mussten. Investitionen in Performance-Kampagnen halfen vielen Unternehmen, ihre physischen Umsatzeinbussen digital wettzumachen.

Sind Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer noch im Homeoffice?
Wir arbeiten aktuell in einem flexiblen Setup, bei dem jeweils die Hälfte der Besatzung im Büro ist, die andere Hälfte im Homeoffice. Dadurch können wir den nötigen Abstand sicherstellen und gleichzeitig den Austausch wieder aktiver fördern.

Welche Digitalmedien haben – aus Ihrer Warte – in dieser Zeit zugelegt, welche nicht?
Im Bereich E-Commerce beobachten wir steigende Investitionen. Eine immer wichtigere Rolle dabei spielt sicherlich Social Commerce. Werbeplatzierungen und Shops auf Social Media, mit dem Ziel, den Abverkauf zu steigern.

TikTok ist momentan der absolute Trend. Sehen Sie dies auch so?
Absolut. Die Plattform verzeichnet weltweit bereits 805 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer, in der Schweiz sind es 1,3 Millionen. Zwar steht die Vermarktung von Tiktok noch ganz am Anfang, aber mit laufenden Entwicklungen wie TikTok For Business bekommen auch hiesige Unternehmen zunehmend mehr Möglichkeiten, ihre Zielgruppe auf der Plattform zu erreichen. Aktuell noch zu sehr attraktiven Preisen, so können durchaus für wenige tausend Franken pro Tag siebenstellige Views erreicht werden.

Ist es für Sie ein Problem, dass sich dahinter eine chinesische Firma versteckt?
In erster Linie entscheiden die technische Lösung und die Nutzung der Plattform über deren Erfolg, nicht das Herkunftsland. Natürlich spielt die Datensicherheit bei allen Plattformen eine zentrale Rolle. Und gerade diese wird im Zusammenhang mit TikTok aktuell kontrovers diskutiert. TikTok unterliegt wie andere soziale Medien auch den lokalen Gesetzen und man muss beobachten, ob sie diese einhalten. Generell gilt aber, dass alle für sich entscheiden müssen, inwieweit sie bereit sind, private Daten mit Dritten zu teilen. Dies gilt für alle Social-Media-Plattformen.

Grosse amerikanische Firmen boykottieren Facebook. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Facebook trägt mit über 2,6 Milliarden aktiven Nutzerinnen und Nutzern weltweit eine grosse Verantwortung als Ort von gesellschaftlicher, aber auch politischer Kommunikation – sowohl zwischen Privatpersonen als auch Organisationen. Dazu gehört die Sicherstellung der Bekämpfung von missbräuchlichen Entwicklungen wie irreführende Inhalte, politische Manipulation oder Aufrufe zu Gewalt und Hass. Nicht zuletzt durch den aktiven Austausch mit Werbetreibenden und Agenturen verschärfte Facebook während den letzten Monaten die Massnahmen, um schädliche Inhalte effizienter und schneller zu entfernen. Wir erwarten auch künftig weitere Optimierungen und sind in engem Austausch mit Facebook und unseren Kunden.

Was sind die Auswirkungen auf den Schweizer Markt?
Auch auf dem Schweizer Markt gibt es Reaktionen, die grössten Diskussionen finden jedoch nach wie vor in den USA statt. Aus Performance- und Mediasicht ist Facebook eine zentrale Plattform. Entsprechend wird ein Verzicht auf Facebook einen deutlichen Impact auf die Kampagnenleistung haben. Unsere Kunden klären wir bei Bedarf auf, was eine Pausierung der Kampagnen für sie bedeuten würde und welche Alternativen es gäbe.

Sind rassistische und politisch unkorrekte Kampagnen im Netz wirklich ein Problem?
Die hohe Reichweite des Netzes spielt hierbei sicher eine zentrale Rolle. Ebenso wie die Inhalte, die von Nutzerinnen und Nutzern selbst bereitgestellt werden. Eine Unterscheidung zwischen Manipulation, Fake-News und Fakten wird zunehmend schwieriger. Plattformen wie Facebook haben die Verantwortung, klar schädliche Kampagnen zu verhindern und zu stoppen. Hier wurde vor allem in den letzten Wochen viel von Facebook vorangetrieben.

Ganz privat: wo verbringen Sie Ihre Sommerferien?
Ich fahre mit der Familie in die Schweizer Berge: Wandern, Biken und den See geniessen.

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Wochen?
Wie unser Team von einem Tag auf den anderen in das Remote-Setup wechselte, die hohe Produktivität stets beibehalten hat, und sämtliche Prozesse reibungslos funktionieren. Ein weiteres Highlight war die Verleihung des ersten virtuellen Effie: Wir durften bei unserer ersten Teilnahme überhaupt direkt einen Bronze-Effie für unsere Talentkampagne zusammen mit login Berufsbildung mit nach Hause nehmen.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.



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