Die EU hat gegen den Versandhandelsriesen Amazon ein Wettbewerbsverfahren wegen des Vertriebs elektronischer Bücher gestartet. Es bestehe der Verdacht, dass Klauseln zwischen dem US-Unternehmen und Verlagen den Wettbewerb beeinträchtigten und so letztlich den Kunden schadeten.
In dem Verfahren wolle die Behörde zunächst vor allem die Märkte für englisch- und deutschsprachige E-Books unter die Lupe nehmen, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Diese Sprachen habe in Europa den grössten Anteil. Und Amazon ist nach EU-Angaben der grösste Vertreiber elektronischer Bücher in Europa. Der Erfolg von Amazon bei E-Books ist an sich noch kein Problem, wie EU- Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager klarstellte. Anstoss nimmt die Kommission an bestimmten Klauseln in Verträgen zwischen Amazon und Verlagen.
Demnach müssen die Verlage Amazon darüber informieren, welche Konditionen sie mit dessen Konkurrenten abmachen. Für Amazon müssten sie dann mindestens ebenso gute Konditionen sicherstellen. Die Kommission will prüfen, ob das "den Wettbewerb zwischen verschiedenen E- Book-Händlern beschränken und für die Konsumenten eine geringere Auswahl zur Folge haben" kann. Denn schliesslich könnten die Klauseln es anderen E-Book-Vertreibern schwerer machen, sich mit neuen Produkten und Diensten auf dem Markt gegenüber Amazon zu behaupten, argumentiert die Kommission.
Derzeit gebe es für die Wettbewerbswidrigkeit der Klauseln jedoch noch keinen Beweis. Amazon selbst erklärte, das Unternehmen sei "zuversichtlich, dass unsere Vereinbarungen mit den Verlagen legal und im besten Interesse unserer Leser sind". Das Unternehmen arbeite bei der Aufklärung des Verdachts daher mit der EU-Kommission zusammen. (sda)

