Die Gegner des neuen Nachrichtendienstgesetzes machen Ernst: Sie haben am Montag wie angekündigt das Referendum dagegen lanciert. Das Parlament habe Verschärfungen beim Staatsschutz abgesegnet, die für das "Bündnis gegen den Schnüffelstaat" unannehmbar seien.
Laut dem Komitee baut das neue Gesetz die Kompetenzen des Schweizer Nachrichtendienstes massiv aus und "öffnet dem Schnüffelstaat Tür und Tor". Ohne Verdacht solle es den Behörden in Zukunft erlaubt sein, die Privatsphäre und die Kommunikation der Bürgerinnen und Bürger auszuspionieren und deren Leben zu überwachen.
Dieser Meinung ist eine Allianz aus JUSO-, Grünen- und SP-Vertretern sowie Organisationen wie beispielsweise die Digitale Gesellschaft oder Grundrechte.ch. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die fürs Referendum erforderlichen 50'000 Unterschriften zu sammeln und danach das Volk über das neue Nachrichtendienstgesetz abstimmen zu lassen.
Angriff auf die Medienfreiheit
Auch die Gewerkschaft Syndicom unterstützt gemäss einer Mitteilung das Referendum. Das Nachrichtendienstgesetz enthalte "inakzeptable Verschärfungen" und gefährde die Medienfreiheit. "Weil der Quellenschutz unterhöhlt wird, bekommen Medienschaffende massive Probleme in der Ausübung ihrer Arbeit", heisst es in der Mitteilung weiter.
Die Vorlage schiesse weit über das Ziel hinaus. Wenn der Staat jegliche Kommunikation überwacht, gebe es auf die Dauer keine freien Medien mehr, warnt die Mediengewerkschaft.
Keine NSA in der Schweiz
"Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden und der NSA-Affäre wissen wir alle, wie umfassend Geheimdienste mit modernen technischen Mitteln die Privatsphäre ihrer Bürgerinnen und Bürger überwachen und in deren Grundrechte eingreifen können", sagte JUSO-Präsident Fabian Molina gemäss Redetext vor den Medien in Bern. Das verabschiedete Gesetz sei unnötig und gefährlich.
Mit dem neuen Gesetz dürfte der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) Telefone abhören, Privaträume verwanzen und in Computer eindringen. Die Befürworter sind der Ansicht, der Nachrichtendienst brauche mehr Kompetenzen und zeitgemässe Mittel.
Das Parlament hatte das Gesetz am vergangenen Freitag deutlich mit 145 zu 41 Stimmen bei 8 Enthaltungen im Nationalrat und ebenso klar mit 35 zu 5 Stimmen bei 3 Enthaltungen im Ständerat verabschiedet. (ruh/sda)
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