Hunderte Mitarbeiter des Onlineversandhändlers Amazon haben am Montag nach Gewerkschaftsangaben erneut ihre Arbeit niedergelegt, um einen Tarifvertrag mit einem Anspruch auf Urlaubsgeld durchzusetzen. Beschäftigte an sechs Standorten traten mit dem Beginn der Frühschicht in den Streik, wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mitteilte. Demnach soll der Ausstand bis zum Ende der Spätschicht am Mittwoch andauern.
Betroffen sind zwei Standorte in Bad Hersfeld im Nordosten von Hessen sowie die Standorte Rheinberg, Werne, Leipzig und Graben. "Die Amazon-Beschäftigten kämpfen für einen Tarifvertrag. Sie verlangen verlässliche und gute Arbeitsbedingungen und wollen nicht mehr der Willkür eines Arbeitgebers ausgeliefert sein. Das ist ihr gutes Recht", erklärte Stefanie Nutzenberger, Mitglied im Bundesvorstand von Verdi. So habe Amazon in Leipzig zum Beispiel kürzlich den Urlaubsanspruch von 29 auf 28 Tage kürzt. Nach dem Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels hätten die Mitarbeiter hingegen Anspruch auf 30 Tage.
Amazon erklärte am Montag, an den sechs Standorten hätten weniger als 830 Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt. Der Streik habe "keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Kundenversprechens". Immer wieder Streiks In den deutschen Amazon-Versandzentren wird seit April 2013 immer wieder gestreikt. Verdi will für die Beschäftigten Verträge nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels durchsetzen. Der US-Konzern weigert sich aber bislang, einen Tarifvertrag für seine Mitarbeiter in Deutschland auszuhandeln. Der Versandhändler verweist darauf, dass Gehälter nach den Tarifen der Logistikbranche gezahlt würden, diese aber immer noch am oberen Ende dessen lägen, was in vergleichbaren Tätigkeiten üblich sei.
Ausserdem werde in die Entwicklung und Fortbildung der Mitarbeiter investiert. So finanziere Amazon Mitarbeitern weitgehend eine berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung bis zu einer Höhe von 8000 Euro, erklärte der US-Konzern. Die Verdi-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke kritisierte aber, bei dem monatlichen Verdienst, der für die langjährig beschäftigten Versandmitarbeiter in Bad Hersfeld bei 1950 Euro Brutto liege, sei es kaum möglich, für eine Urlaubsreise etwas zurückzulegen. "Auch Amazon-Mitarbeiter möchten sich in der Urlaubszeit etwas leisten können und haben ein tarifliches Urlaubsgeld verdient", erklärte Middeke. Nach dem hessischen Einzel- und Versandhandelstarif gäbe es ein Urlaubsgeld von derzeit 1182 Euro. (sda/afp)

