Internationale Online-Giganten wie Amazon und Google wollen laut einer Studie stärker in den Schweizer Markt eindringen. "Die Kriegskassen sind gefüllt", sagte Studienautor Ralf Wölfle von der Fachhochschule Nordwestschweiz am Mittwoch in Zürich. Schweizer Anbieter seien aber nicht chancenlos.
Die Budgets der Schweizer Anbieter seien allerdings oftmals beschränkt, sagte der Professor in den Büros des Zahlungsentwicklers Datatrans, welcher die E-Commerce-Studie in Auftrag gegeben hatte. Investitionen sind laut Wölfle zentral im Konkurrenzkampf. Insbesondere wegen der vermehrten Verwendung von Mobiltelefonen und Tablets müsse viel Geld in den Aufbau der Plattformen investiert werden.
Bisher hätten die Online-Giganten vor allem in grosse Märkte wie Deutschland und Grossbritannien investiert. Nun rückten auch kleinere Märkte wie die Schweiz in den Fokus.
"Google kennt den Kunden bis auf die Knochen"
Sorgen bereitet insbesondere Internet-Schwergewicht Google. "Viele Schweizer Online-Händler haben Angst vor Google", sagte Wölfle, der für die Studie im ersten Quartal Verantwortliche von 34 wichtigen im Internethandel tätigen Unternehmen mit Sitz in der Schweiz befragte. Der IT-Gigant entwickle eine solche Marktmacht, dass er Konkurrenten ausschalten könne. Dies zeige sich etwa in der Reisebranche, wo Hotels im Internet oftmals nur noch über Preise und die Verfügbarkeit der Zimmer bestimmten. "Den Rest übernimmt Google", sagte Wölfle.
Das US-Unternehmen könne eine Hotelbuchung etwa durch Auswahl, Information und Werbung wesentlich beeinflussen. Und Google kenne den Internetnutzer wegen der Spuren, die dieser auf dem Netz hinterlässt, "bis auf die Knochen".
Kundennähe als Trumpf
Doch der Professor rechnet für die Schweizer Onlinehändler auch Chancen aus. Ein Trumpf auf dem Heimmarkt sei die Nähe zum Kunden; denn die ausländische Konkurrenz verfüge hier kaum über Filialen. Die Kombination aus physischer Nähe und Online-Angeboten sei ein Wettbewerbsvorteil, sagte der Autor der bereits zum sechsten Mal durchgeführten Studie. Ein Kunde könne zum Beispiel ein Produkt im Internet bestellen und dann in der Filiale abholen.
Ein Unternehmen, das den Auftritt auf verschiedenen Verkaufskanälen bereits umgesetzt hat, ist der Reiseanbieter Hotelplan. Je nach Bedürfnis könne ein Kunde der Migros-Tochter den Verkaufskanal wechseln, sagte Tim Bachmann von
Hotelplan in Zürich. Viele Kunden wünschten etwa Hotel-Prospekte aus Papier. "Das sieht einfach besser aus als die kleinen Bilder im Internet", sagte Bachmann.
Mehr Tempo gefragt
Eine weiterer Wettbewerbsvorteil der Schweizer Anbieter ist das Tempo einer Warenlieferung. Über die Hälfte der Befragten gibt sich laut der Studie überzeugt, dass sie schneller liefern könnten als die Online-Giganten. Noch sei eine Mehrheit der Kunden zwar mit einer Lieferung in 48 Stunden zufrieden. Der Trend gehe aber klar zu einer 24-Stunden-Lieferung, sagte Wölfle. Punktuell lieferten Online-Supermärkte bereits am gleichen Tag aus. (sda)
04.06.2014
E-Commerce
Internet-Giganten wollen Schweizer Markt erobern
Kundennähe ist laut Studie Trumpf der Schweizer Onlinehändler.
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