19.05.2026

ZHAW IAP

KI entlastet — erhöht aber den Druck

Eine Studie des ZHAW Instituts für Angewandte Psychologie zeigt: Generative KI entlastet Fach- und Führungspersonen im Arbeitsalltag, erhöht aber zugleich den Leistungsdruck und verändert die Zusammenarbeit im Team.

Für die neunte Studie der IAP-Reihe «Der Mensch in der Arbeitswelt 4.0» führten die Forschenden zwischen Oktober und Dezember 2025 qualitative Interviews mit 30 Fach- und Führungspersonen durch, die generative KI täglich im Berufsalltag einsetzen. Die Stichprobe umfasst 19 Männer und 11 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren, davon 26 aus KMU. Die Studie ist als qualitative Vertiefung einer quantitativen Vorgängeruntersuchung konzipiert und beansprucht keine statistische Repräsentativität, wie das Institut für Angewandte Psychologie der ZHAW schreibt.

Im Vordergrund der KI-Nutzung stehen Textgenerierung, Ideenentwicklung und Textüberarbeitung. Intensivnutzende greifen die Systeme zunehmend auch als Reflexions- und Diskussionspartner auf. Die grosse Mehrheit der Befragten schätzt die Ergebnisqualität von KI als mit der eigenen vergleichbar ein und verbindet dies mit positiven Emotionen wie Freude und Erleichterung.

Ambivalent fällt das Bild beim Druck aus: Während 18 von 30 Befragten KI primär als entlastend wahrnehmen, berichten 8 von einer gemischten Wahrnehmung und 4 empfinden KI vor allem als zusätzlichen Druck. Steigendes Tempo, höhere Erwartungen an den Output und die Notwendigkeit, technologisch auf dem Laufenden zu bleiben, werden als Belastungsfaktoren genannt. Ein Befragter bringt es auf den Punkt: KI sei zunächst ein Vorteil gegenüber Nicht-Nutzenden – sobald aber alle damit arbeiteten, werde schlicht mehr Output erwartet.

Im Teamkontext zeigt sich eine gespaltene Wahrnehmung: Die Hälfte der Befragten stellt Veränderungen in Kommunikation und Zusammenarbeit fest, die andere Hälfte nicht. Unter jenen, die Veränderungen wahrnehmen, ist weniger kollegialer Austausch der am häufigsten genannte Effekt — gleichauf mit einer verbesserten Qualität schriftlicher Kommunikation. Organisationsweite Vorgaben und strukturierte Einsatzstrategien fehlen in einigen Unternehmen noch oder werden unzureichend kommuniziert.

Mit Blick auf die Zukunft überwiegt Zuversicht: Die Mehrheit der Befragten sieht KI als Chance für die eigene berufliche Entwicklung, identifiziert als grösstes Risiko aber die teilweise Ersetzbarkeit durch die Technologie. Als Idealmodell beschreiben die Befragten eine komplementäre Zusammenarbeit, in der der Mensch Kontrolle und Verantwortung behält. (pd/nil)


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