Herr Wlazik, an einem Online-Event wird TikTok for Business am Donnerstag in der Schweiz gelauncht. Was konkret ändert sich für Agenturen und Brands?
Wir sind jetzt ganz offiziell für Unternehmen in der Schweiz geöffnet und möchten Unternehmen aller Grössen, Agenturen und Marken dabei helfen, neue Zielgruppen zu erreichen und von unserer inspirierenden Community zu profitieren. Kreativität und Freude zu bereiten, ist der Kern unserer Plattform und des Experience, das wir unserer vielfältigen Community bieten. Und das können Marken für sich nutzen. Mehrere Schweizer Marken haben bereits die Inspiration und den Erfolg erlebt, den TikTok bietet. Ausserdem haben wir jetzt engagierte Schweizer Teams, die Expertinnen und Experten für den Markt sind, da wir in der Region dieses Jahr stark wachsen wollen.
Sie wollen Ihr Angebot den Werbetreibenden hierzulande bekannter machen. Wie zufrieden sind Sie mit dem Geschäft in der Schweiz?
Wir sind bereits sehr zufrieden und haben grossen Zuspruch sowohl von Nutzerinnen und Nutzern als auch von Unternehmen in der Schweiz. Gleichzeitig sehen wir auch für die Zukunft grosses Potenzial und wollen uns genau aus diesem Grund noch stärker in der Schweiz engagieren – sowohl im Hinblick auf die Nutzerinnen, die Creators, aber eben auch Unternehmen. Das beinhaltet sowohl eine konsequente Weiterentwicklung des Produkts auch hierzulande als auch mehr Support durch wachsende Teams.
Wie wichtig ist der Schweizer Markt für TikTok überhaupt?
Seit wir in Europa aktiv sind, verfolgen wir einen starken lokalen Ansatz. Und wir wollen auch in der Schweiz die Inhalte diversifizieren und noch lokaler denken. Deswegen haben wir lokale Expertenteams über verschiedene Branchen hinweg. Wir wissen, dass KMUs oftmals einen sehr starken lokalen beziehungsweise regionalen Bezug und eine entsprechende Zielgruppe haben. Das möchten wir unterstützen – für Unternehmenskunden und Agenturen (Kreativ-, Social- oder Mediafokus), damit sie TikTok professionell nutzen können. Aus diesem Grund bieten wir Werbetreibenden kreative und effiziente Lösungen, um neue Zielgruppen zu erreichen und ihre Markenbekanntheit sowie ihren Umsatz zu steigern. Natürlich gibt es auch viele internationale Unternehmen, die in der Schweiz ansässig sind, mit denen wir lokal und strategisch zusammenarbeiten wollen.
Was sind Ihre konkreten Wachstumsziele in der Schweiz für 2022?
Das Wachstum in der Schweiz soll dem Wachstum in Europa und dem Rest der Welt gleichziehen. Da der Markt noch relativ jung ist, ist das Wachstumspotenzial hier noch sehr spannend. Viele Industrien, auch jene, die generell als altmodisch angesehen werden, haben hier eine tolle Möglichkeit, einen Schritt in die digitale Richtung zu wagen und ihrem Unternehmen eine greifbarere Stimme zu verleihen.
«Wir sind gekommen, um zu bleiben»
Sie sind als Managing Director zuständig für den DACH-Raum. Wie häufig sind Sie in der Schweiz? Und wen treffen Sie da?
Sooft es situationsbedingt geht. Wir treffen Agenturen, Marken und Medien, um uns hier zu festigen. Wir sind gekommen, um zu bleiben, und möchten die Beziehungen mit unseren Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern natürlich pflegen und ausbauen.
Die Botschaft an Agenturen, Brands und Influencer heisst: «Don't Make Ads. Make TikToks». TikTok will also gar keine Werbung zeigen? Oder was ist damit gemeint?
«Don't make ads, make TikToks» fasst zusammen, wie man sich als Marke auf der Plattform so präsentiert, dass man den optimalen Zugang zur Zielgruppe und somit die bestmöglichen Ergebnisse erzielt. Marken müssen bei uns nicht perfekt sein. Viel wichtiger ist, dass sie mit ihren Videos eine emotionale Verbindung zur Community herstellen – beispielsweise humorvoll oder überraschend, auf jeden Fall kreativ und authentisch. Unser Geheimrezept: der Dreiklang aus organischen Inhalten, «paid peaks» und die Zusammenarbeit mit Creatorinnen und Creators.
«Marken müssen in der ersten Sekunde mit einem nativen Werbekonzept überzeugen»
Warum ist dieses «Geheimrezept» sinnvoll?
TikTok funktioniert auf Basis eines Content-Graphen, nicht eines Social-Graphen, ist also unabhängig von hohen Follower-Zahlen. Marken müssen ihre Zielgruppe in der ersten Sekunde mit einem nativen Werbekonzept überzeugen. Wichtig ist also, die Tonalität anzupassen und eine eigene Stimme zu finden. Je nativer und authentischer sich der (Werbe-)Content in den personalisierten Für-Dich-Feed der Nutzerinnen und Nutzer einfügt, desto erfolgreicher. Dabei können Creatorinnen und Creators helfen, da sie die Plattform kennen. Und da man vorher nicht weiss, wem ein Video organisch ausgespielt wird, ist es sinnvoll, Content mit Media Invest gezielt innerhalb einer Zielgruppe auszuspielen, um so die Marketingziele strategisch zu erreichen.
Für welche Branchen ist TikTok besonders attraktiv?
Das Besondere ist, dass es uns mit TikTok for Business seit nicht mal zwei Jahren gibt und wir seither immer weiter wachsen. Daher bietet unsere Plattform auch für Kunden aus den verschiedensten Bereichen Potenzial und sollte beim Marketingmix unbedingt mitgedacht werden. Das gilt für Marken aus den Bereichen FMCG, Gaming, Automotive oder Finanzen genauso wie zum Beispiel für die Reisebranche. @switzerlandtourism beispielsweise baut seit Januar 2020 mit bunten, vielfältigen und einladenden Inhalten und Kampagnen eine Bindung zu den Gästen von morgen und übermorgen auf.
Social Commerce ist in der Coronapandemie zum grossen Thema geworden. Welche Erfahrungen machen Sie da?
Sie haben vollkommen recht damit, dass Community Commerce immer wichtiger wird. Dazu passend haben wir vor Kurzem mit Publicis Groupe und WARC eine Studie veröffentlicht, die die Rolle von Social Communities und ihren Einfluss auf Kaufentscheidungen untersucht. Die Studie zeigt das enorme Potenzial für Marken auf, mit ihren Zielgruppen in Kontakt zu treten und ungeplante Käufe zu steigern. Mehr als 70 Prozent der von uns Befragten wurden zu Käufen inspiriert, obwohl sie eigentlich nicht einkaufen wollten, und im Durchschnitt 85 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Produkt oder eine Dienstleistung gekauft, nachdem es/sie auf Onlineplattformen beworben oder bewertet wurde.
Wie können Schweizer Werbekunden das nutzen?
TikTok hat bereits einige wichtige Produkteinführungen und Tests im Bereich Community Commerce bekannt gegeben. Diese zeigen, welche Themen künftig in der Zusammenarbeit mit Marken wichtig sein werden. Ein Beispiel hierfür sind unsere Collection Ads, mit denen Marken benutzerdefinierte Cards zu Produkten in ihre In-Feed-Videoanzeigen einfügen, durch die Nutzerinnen und Nutzer swipen können. Und ein zweites Beispiel sind Dynamic Showcase Ads, mit denen Marken automatisch für Tausende von Artikeln zielgerichtete Anzeigen basierend auf den Interessen und Aktivitäten der Nutzerinnen und Nutzer schalten können. Darüber hinaus testen wir derzeit in wenigen Märkten eine First-Party-Integration: Händlerinnen und Händler sollen ein komplettes Einkaufserlebnis für Nutzerinnen und Nutzer kreieren können, indem sie Produkte hochladen und alles vom Kauf über die Abwicklung bis zum Versand dort verwalten. Das Tool ist allerdings noch nicht im DACH-Raum verfügbar.
Immer wichtiger werden auch Live-Formate.
Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Menschen, die live gehen und LIVE auf TikTok schauen, verdoppelt. Wir haben die Beobachtung gemacht, dass Lives die Beziehungen zwischen Creatorinnen und Creators, Marken sowie Zuschauerinnen und Zuschauern nachhaltig stärken. Das bietet natürlich auch enorme Chancen für Werbetreibende. Wir entwickeln das Thema kontinuierlich weiter, erst kürzlich mit neuen Möglichkeiten wie «LIVE Events» und «gemeinsamen LIVEs».
Mit Blick in die Zukunft: Wann wird TikTok die ersten Räumlichkeiten in der Schweiz beziehen?
Wir beginnen gerade unser Engagement auf dem Schweizer Markt und wir sind hier, um zu bleiben. Sollten wir Neuigkeiten zu berichten haben, werden wir das gerne tun.

