28.11.2019

MGB

Migros stellt Amigos ein

Nach Abschluss der Testphase führt der Migros-Genossenschafts-Bund die Social-Shopping-App nicht weiter. Zuvor wurde der Dienst als «Uber des Detailhandels» kritisiert.
MGB: Migros stellt Amigos ein
Startete im April 2018 in die Testphase: Ein Migros-Lieferant auf einem Werbesujet von Amigos. (Bild: zVg.)
von Michèle Widmer

Die Migros wird die Social-Shopping-Plattform Amigos, welche in den Regionen Bern und Zürich angeboten wurde, nach Abschluss der Testphase nicht einführen. Dies schreibt die Migros in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Das Konzept, des im April 2018 gestarteten Dienstes, sah wie folgt aus: Migros-Kundinnen und -Kunden machen anderen Migros-Kundinnen und -Kunden einen Gefallen, indem sie für sie einkaufen. Besteller können auf der Website www.amigos.ch ihre Einkaufsliste posten, ein Bringer nimmt die Bestellung per Amigos-App an, erledigt den Einkauf in der Migros und bringt die bestellten Produkte dem Besteller nach Hause. Im Vordergrund dieses «peer to peer»-Konzepts stand laut der Migros der soziale Gedanke der Nachbarschaftshilfe.

Wichtige Erfahrungen gesammelt

Der Test sei von Beginn an auf reges Interesse gestossen, schreibt die Migros. Gleichzeitig sammelte die Migros laufend Rückmeldungen und Erfahrungswerte, wie sie schreibt und habe sich darum nach einer Evaluation der ersten Testphase seit Frühjahr 2019 auf einzelne Bereiche von Amigos konzentriert, die sie weiterentwickeln wollte.

Die Prüfungen hätten die Erkenntnis gebracht, dass sich Amigos durch die mögliche Weiterentwicklung stark von einer neuartigen Social-Shopping-Plattform im Sinne einer Nachbarschaftshilfe hin zu einer gewöhnlichen kommerziellen Shopping-Plattform bewegt hätte, schreibt die Migros, und begründet: «Dieses Modell wäre im Widerspruch zur ursprünglichen sozialen Idee gestanden».

Lieferanten gelten als Angestellte

In den vergangenen Monaten gab es Kritik an der App. Wie die «SonntagsZeitung» Mitte Oktober schrieb, kam die Ausgleichskasse des Kantons Zürich zum Schluss, dass die Lieferanten, die im Auftrag der Migros für 7.90 Franken eine Tasche voller Einkäufe nach Hause liefern, Angestellte und nicht Selbstständige sind (persoenlich.com berichtete). Die Migros müsse den Lieferanten wie allen Mitarbeitern AHV-Beiträge bezahlen und sie gegen Unfälle versichern. «Die Migros hat versucht, das Modell Uber im Detailhandel einzuführen», sagte Philipp Zimmermann von der Gewerkschaft Unia damals gegenüber der Zeitung.

Noch vor wenigen Wochen glaubte die Migros an Amigos. Gegenüber der SoZ sagte Sprecher Patrick Stöpper: «Amigos wird Bestandteil des neuen Lebensmittel-Onlineprojekts sein, dass gerade aufgebaut wird.» Umsonst war das Projekt für den MGB nicht. «Wir haben Erfahrungen gesammelt, die für uns im Hinblick auf zukünftige Projekte sehr wertvoll sind», sagt Matthias Wunderlin, Leiter des Marketingdepartements.



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Kommentare

  • Victor Brunner, 27.11.2019 16:55 Uhr
    System Amigo: MIGROS macht Gewinne dank Billigarbeiter. Funktioniert natürlich nicht wenn Sozialkosten anfallen. Peinlich bei KMUs eine Selbstverständlichkeit nur bei der "grossen" MIGROS nicht!
  • Thorsten Stutzmann, 28.11.2019 11:05 Uhr
    Wertvolle Erfahrungen gesammelt? Das Social-Shopping Projekt ist der Migros wohl eher auf die Füsse gefallen. Bevor das Image darunter leidet, sellt man es doch besser ab. Welche wertvolle Erfahrung wurde nun gesammelt? Dass man Kunden nicht für dumm verkaufen kann? Im April hatte Amigos den "Best of Swiss Web Award" gewonnen. Warum eigentlich?

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