09.09.2014

Handy-Herstellung

Noch immer klebt Blut am Smartphone

Arbeitsrechte werden missachtet, die Umwelt belastet.

Die Herstellung von Computern und Smartphones bleibt problematisch. Bei der transnationalen Herstellung werden oft Arbeitsrechte missachtet, die Umwelt belastet oder gar Kriege finanziert. Mit ihrem Ethik-Rating wollen "Brot für alle" und "Fastenopfer" die Grundlagen für einen bewussten Kauf liefern.

Die gute Nachricht: In den letzten Jahren wurden beim Bau von Smartphones, Tablets und Computern Fortschritte gemacht. Vor allem dem Bereich Umwelt werde Beachtung geschenkt. Auf die provokative Frage ob es solche Geräte gebe, an denen kein Blut klebe, müsse man aber immer noch Nein sagen, erklärte Daniela Renaud, Projektverantwortliche "High Tech - No Rights" der beiden Hilfswerke.

"Fastenopfer" und "Brot für alle" stellten in Bern die erste Rangliste der zehn grössten IT-Hersteller vor, nach ethischen und ökologischen Kriterien, von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Herstellung in Fernost. Die Rangliste und ein Putztüchlein zum symbolischen Abwischen von Blut auf dem Smartphone wurden am Dienstag in den Bahnhöfen verteilt.

IT-Rating als Orientierungshilfe
"Auf gutem Weg" sehen die Hilfswerke in ihrem Rating HP und Nokia, "mittelmässig" Apple und Dell. "Ungenügend "fällt das Verdikt des Ratings für Acer, Lenovo, Samsung, Sony aus, "inakzeptabel" gar für Asus und HTC.

Privatpersonen würden im Rating die Grundlagen und Fakten für einen bewussten Kauf finden, sagte Renaud vor den Medien in Bern. Diese Nachfrage habe Gewicht. Denn für Smartphones gäben Private in der Schweiz jährlich 925 Millionen Franken aus.

Das IT-Rating soll aber nicht nur dem privaten Kauf, sondern auch der öffentlichen Beschaffung eine Orientierungshilfe sein. Bund, Kantone, Gemeinden und auch grosse Unternehmen könnten beim nächsten Kauf von elektronischen Geräten diejenigen Hersteller wählen, denen soziale und ökologische Verbesserungen ein Anliegen seien, sagte die Vertreterin von "Brot für alle".

Metalle aus Kongo
Als Problemfeld bei der Herstellung von IT-Geräten orten die Hilfswerke den Abbau von Rohstoffen wie etwa Coltan, Tantalit oder Kupfer. Ohne Rohstoffe aus Kongo-Kinshasa, wo seit Jahrzehnten ein blutiger Konflikt tobt, könnten die neuen High-Tech-Produkte gar nicht hergestellt werden, sagte der kongolesische Bischof Fridolin Ambongo Besungu in Bern.

Zwar verfüge das Land über immense Vorkommnisse an diesen für die IT wichtigen Rohstoffen. Die Bischöfe des Landes seien aber zum Schluss gekommen, dass dieser Reichtum anstatt zum Wohle des Landes beizutragen, zu einer Ursache von Unglück für die Bewohner geworden sei.

Ambongo Besungu macht aber nicht nur lokale Bedingungen dafür verantwortlich. Auf der einen Seite würden die lokalen Ableger der internationalen Rohstoffkonzerne wie etwa Glencore negative Bilanzen ausweisen, um so keine Abgaben vor Ort zahlen zu müssen. Dabei helfe die Korruption in der Demokratischen Republik Kongo.

Beim Abzug von Gewinnen aus dem Rohstoffabbau im Osten des Landes spiele aber auch das Nachbarland Ruanda eine Rolle. Das von Kleinschürfern in Ostkongo abgebaute Kassiterit etwa, werde per Kleinflugzeug über die Grenze nach Ruanda geschafft, womit seinem Land wieder Einkünfte verloren gingen.

Herstellung in China
Auch die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse in den Elektronikfirmen in Fernost, wo die schicken Geräte zur Erleichterung des Alltages hergestellt werden, wurden von den beiden Hilfswerken angeprangert. Eine Untersuchung bei fünf Zulieferbetrieben von HP, Samsung, Asus und Lenovo habe gezeigt, dass die Arbeiter etwa nur dank der Leistung von bis zu monatlich 200 Überstunden einen Lohn erreichten, von dem sie leben könnten, sagte Pui-Kwan Liang, welche in China die Arbeitsbedingungen untersucht hatte.

Ausgelöst werde der immense Druck auf die Arbeitenden in den Zulieferfirmen durch kurzfristige Bestellungen. Dies entstehe durch die Weigerung der Markenkonzerne, Lagerbestände aufzubauen. Pui-Kwan Liang rief die Konsumenten auf, die Konzerne aufzufordern, der Öffentlichkeit detaillierte Zuliefererlisten, Auditberichte und Chemikalienlisten vorzulegen. So würden sie erfahren, wo und wie ihre Produkte hergestellt werden. (sda)

 


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