Der Beitrag auf persoenlich.com hat für rege Diskussionen gesorgt: CVP-Politikerin Barbara Schmid-Federer hat ihren Facebook-Account nach zehn Jahren gelöscht. Sie empfindet das soziale Netzwerk nicht mehr als geeignetes Tool für den Wahlkampf. Die Plattform werde immer mehr zu einem privaten «Föteli-Stream», sie setze fortan lieber auf Twitter, so Schmid-Federer.
Was halten andere Politikerinnen und Politiker von dieser Entscheidung? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat bei verschiedenen Parlamentariern nachgefragt, die selbst auf Social Media aktiv sind. persoenlich.com fasst die Aussagen kompakt zusammen und ergänzt diese mit den Profilbildern der jeweiligen Facebook-Accounts.
Matthias Aebischer, SP-Nationalrat
Matthias Aebischer kann die Argumentation von Schmid-Federer nicht nachvollziehen: «Mit einem Eintrag auf Facebook erreiche ich doch viel mehr Personen als mit einem Tweet. Das bringt Stimmen und ist wichtig für den Wahlkampf.» Er gibt jedoch zu, dass er Twitter für das interessantere Instrument hält.
Natalie Rickli, SVP-Nationalrätin
Natalie Rickli ist anderer Meinung. Diskussionen seien auf Twitter schwieriger, weil man eingeschränkt sei. «Mit 140 Zeichen kann man nicht viel aussagen», sagt die SVP-Nationalrätin. Facebook hingegen hält sie für den besten Weg, um mit Bürgern zu kommunizieren. Diese hätten sonst wenige Möglichkeiten, an der politischen Diskussion teilzunehmen.
Balthasar Glättli, Nationalrat Grüne
Auch aus Sicht von Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli hat Facebook im Vergleich zu Twitter viele Vorteile: «Längere Texte und Diskussionen funktionieren besser und der Kanal hat immer noch eine wesentlich grössere Reichweite.» Obwohl er auf Twitter ein Vielfaches mehr Follower habe als auf Facebook, werde ein Post von ihm viel häufiger angeklickt als ein Tweet.
Christian Wasserfallen, FDP-Nationalrat
Für Christian Wasserfallen haben ebenfalls beide Kanäle ihre Vorteile: «Twitter ist sehr zielgerichtet und hilft uns Politikern, mit Journalisten in Kontakt zu treten. Facebook auf der anderen Seite bietet einfach mehr Möglichkeiten, indem man längere Texte schreiben und Leute besser in Diskussionen einbinden kann.»
Bastien Girod, Nationalrat Grüne
Aus Sicht von Bastien Girod ist der Austritt Schmid-Federers ein persönlicher Entscheid, den man akzeptieren muss. Im Gegensatz zur CVP-Politikerin glaubt er aber weiterhin, dass Facebook ein gutes Tool darstellt, um politische Botschaften zu vermitteln und mit Wählern in Kontakt zu treten. Bei Twitter bestehe wegen der kurzen Nachrichten eher die Gefahr von Missverständnissen.
Stefan Müller-Altermatt, CVP-Ständerat
Stefan Müller-Altermatt sieht das anders. Der CVP-Nationalrat glaubt, dass Facebook im Wahlkampf entscheidend sein kann. Im Gegensatz zu Schmid-Federer, betrachte er die beiden Kanäle als völlig unterschiedliche Instrumente, mit denen verschiedene Anspruchsgruppen bedient werden könnten. «Bei mir ergänzen sie sich sehr gut. Auf Facebook erreiche ich eher Freunde, auf Twitter Journalisten.»
Im aktuellen Blog unter dem Titel «Für aufstrebende Politiker ist Facebook unverzichtbar» äussert sich auch Politologe Mark Balsiger zum Entscheid von Barbara Schmid-Federer, Facebook den Rücken zu kehren.
Auch persoenlich.com ist übrigens auf beiden Kanälen präsent – sowohl auf Facebook wie auf Twitter. Und 70 Prozent unserer Follower benutzen ebenfalls beide Accounts, wie eine kleine Umfrage ergab. (cbe)







