Das US-Justizministerium hat Apple und fünf der grössten in den USA tätigen Verlage verwarnt. Eine Anklage wegen indirekter Preisabsprachen im E-Book-Handel ist in Arbeit, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Um einem teuren Verfahren zu entgehen, befinden sich mehrere betroffene Parteien in Verhandlungen, um sich aussergerichtlich mit dem Ministerium zu einigen. Erfolgreiche Gespräche könnten zu Preiseinbrüchen bei E-Books führen. Einige potenzielle Angeklagte beteiligen sich nicht an den Verhandlungen.
Neues Geschäftsmodell
Apple wird vorgeworfen durch die Einführung eines neuen Vertriebsmodells in Zusammenarbeit mit Simon & Schuster, Hachette Book Group, Penguin Group USA, Macmillan und HarperCollins Publishers Inc. die Preise für elektronische Bücher künstlich nach oben getrieben zu haben. Über Macmillan, einer Holtzbrinck-Tochter, ist auch ein deutsches Unternehmen involviert. Mit der Einführung des iPad im Jahr 2010 schloss Apple mit den Verlagen Verträge ab, die dem Unternehmen einen Anteil von 30 Prozent am E-Book-Verkauf sichern.
Im Gegenzug erhielten die Verlage das Recht, die Verkaufspreise festzusetzen. An diese Preise sollte sich auch die Konkurrenz im Online-Handel halten. Selbst Branchen-Schwergewicht Amazon musste sich der geballten Macht der Verlage beugen und die neuen Bedingungen akzeptieren. Durch das Vertriebsmodell kam es für die Endkunden zu Preissteigerungen. Vor dem Apple-Modell verkauften die Verlage ihre Bücher für etwa die Hälfte des empfohlenen Einzelhandelspreises an die Händler, die selbst bestimmen konnten, wie viel sie verlangen.
Dominanz von Amazon beendet
Das US-Justizministerium wirft Apple und den Verlagen vor, durch akkordiertes Vorgehen die Preise nach oben getrieben zu haben. Die betroffenen Firmen bestreiten das und behaupten, durch das neue Modell mehr Konkurrenz geschaffen zu haben. Das neue Modell ermögliche es mehreren E-Book-Händlern zu prosperieren. Manche Experten fürchteten vor dem Apple-Modell eine zu grosse Dominanz vonseiten Amazons. Amazon verkaufte manche E-Books anfangs unter dem Einkaufspreis. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Wie weit die Verhandlungen über eine Einigung derzeit gediehen sind, ist nicht bekannt. Eine Idee, die durchgesickert ist, würde das Apple-Modell beibehalten, es aber Händlern ermöglichen, Rabatte auf E-Books zu gewähren.
Auch die EU-Kommission ermittelt seit Dezember offiziell gegen dieselbe Gruppe aus Verlagen und Apple. Auch hier lautet der Verdacht auf Kartellbildung. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, drohen den Unternehmen in Europa hohe Geldbussen. (pte/sda/dpa)

