10.11.2020

Hinderling Volkart

«Wir wollen unsere Agentur neu positionieren»

Hinderling Volkart bleibt an der Spitze der ewigen Bestenliste des Best of Swiss Web. Spürt auch eine so erfolgreiche Agentur die Krise? Kreativchef Michael Hinderling über Zeitfresser, Kurzarbeit und Mainstream-Agenturen.
Hinderling Volkart: «Wir wollen unsere Agentur neu positionieren»
Michael Hinderling ist Managing Partner & Creative Director bei Hinderling Volkart part of Dept. (Bild: HV)
von Edith Hollenstein

Herr Hinderling, herzliche Gratulation: Sie sind erneut an der Spitze der Bestenliste vom «Best of Swiss Web» (BOSW) und mit myswitzerland.com haben Sie dieses Jahr gleich dreimal Gold gewonnen. Wie haben Sie gefeiert?
Vielen Dank! Wir sind im Anschluss an die Award-Night in die Stadt gezogen und haben den Gewinn gebührend gefeiert. Für mich wird dieser Abend noch lange in Erinnerung bleiben – insbesondere auch weil wir zum zwanzigjährigen Bestehen des BOSW ein Stück Geschichte geschrieben haben: Nach meinen Informationen gab es noch nie ein Projekt, das gleich in drei Kategorien Gold gewonnen hat. Ich möchte an dieser Stelle auch nochmals herzlich unserem Kunden und unserem Team für den einzigartigen Einsatz danken.

Myswitzerland.com ist eine der grössten Tourismuswebsites weltweit. Wie wird sie nun während der Coronakrise genutzt? Gab es deswegen Anpassungen?
Das weiss ich nicht. Aber ich vermute eher weniger, da die Website grundsätzlich auf ein sehr breites Publikum ausgerichtet ist.

Welche Erfahrungen mit myswitzerland.com können Sie bei anderen Projekten anwenden?
Viele. Zum Beispiel, dass Usability oder Accessibility keineswegs im Kontrast zu einem kreativen Experience stehen müssen. Subsummierend finde ich das fast die grösste Leistung: Wir haben sehr viele strukturelle und inhaltliche Vorgaben in ein Gesamterlebnis verpackt, welches zugleich Orientierung schafft und Begeisterung auslöst.

«Unser Jahr wird finanziell nicht das beste sein, aber wir sind generell sehr zufrieden»

Nun gehört HV ja seit Anfang Jahr zu Dept. Wie hat sich die Agentur entwickelt unter den neuen Besitzern?
Grundsätzlich sehr gut. Nicht so schnell wie gedacht, aber das hängt eher mit der Corona-Situation zusammen. Essenziell für die Entwicklung der Agentur ist das Vertrauen und die Kompetenz der neuen Besitzer. Das Vertrauen war die Basis für diesen Schritt und befähigt uns, die Agentur selbstbestimmt und agil weiterzuentwickeln. Wir sind sehr froh, nach knapp einem Jahr zu sehen, dass diese Selbstbestimmtheit 100 Prozent eingehalten wird, respektive auch von uns verlangt wird. Nach der Phase des Kennenlernens folgt nun eine aktivere Phase, die wir gemeinsam mit unserem Team in Angriff nehmen möchten. Es geht darum, uns als neue, umfassendere Agentur im Schweizer Markt zu positionieren. Darin sehen wir ein grosses Potenzial.

Und was ist durch die Fusion besser und einfacher geworden?
Erst jetzt ist es für uns überhaupt möglich, uns mit Experten aus Deutschland, Dänemark, Holland, England oder den USA auszutauschen. Dies passiert schon fast auf täglicher Basis und auf den verschiedensten Ebenen.

Was ist nun mühsamer?
Gewisse Dinge sind natürlich komplizierter. Ein Beispiel ist die Kommunikation nach aussen: Diese muss breiter abgestimmt werden und somit ist das Prozedere oft etwas länger. Natürlich gibt es auch mehr Austausch-Meetings. Dies ist ein Fluch und Segen zugleich: Einerseits frisst es Zeit und unterbricht den kreativen Flow, andererseits erweitert es den Horizont und gibt Einsicht in andere Bereiche und Kulturen.

Wie sehr ist HV von der Krise betroffen?
Unser Jahr wird finanziell nicht das beste sein, aber wir sind generell sehr zufrieden und haben genug zu tun. Hauptsächlich auch darum, weil wir sehr viele Kunden langfristig betreuen und nicht nur auf Neukunden angewiesen sind. Das hilft enorm in unsicheren Zeiten.

Mussten Sie Mitarbeitende in Kurzarbeit schicken oder Entlassungen vornehmen?
Nein, zum Glück mussten wir keine entsprechenden Massnahmen vornehmen. Aber wir waren intensiv mit grösseren Umstrukturierungen in Bern und Basel beschäftigt und haben dadurch auch einige Mitarbeiter verloren. Nun können wir wieder ein gesundes Wachstum in Angriff nehmen, welches neu von Zürich aus koordiniert wird. Auch in Bern haben wir bereits neue Ideen für einen weiteren Ausbau. 

Wann wird das Projekt Monocle fertig sein? Gibt es dazu News/etwas, das wir zeigen können?
Das Projekt ist eigentlich fertig umgesetzt, die grosse Herausforderung ist jedoch der Content – der Kunde ist damit beschäftigt, entsprechend alles aufzugleisen.

«Wir wollen zu einem gesamtheitlich denkenden Dienstleister werden»

Was sonst noch beschäftigt Sie und Ihre Agentur momentan ganz besonders?
Hauptthema im Moment ist die neue Ausrichtung der Agentur, wie schon oben erwähnt. Wir möchten unser Serviceangebot erweitern, darum haben wir ja auch diesen Schritt gemacht. Unser Ziel ist es, auf Basis der bestehenden Werte die Agentur zu einem gesamtheitlich denkenden Dienstleister weiterzuentwickeln. Wir sind der Überzeugung, dass wir gross denken können, international und vernetzt, aber trotzdem nah bei den Kunden und Mitarbeitern sein können. Wir möchten weiterhin eine Agentur sein, die nicht zum Mainstream gehört. Weil sie Vorstellungskraft und Logik vereinen kann. Weil sie das bietet, was in Zukunft gefragt ist, und das vereint, was so schwierig zu vereinen ist: Strategie gepaart mit grossartiger Umsetzung. Emotionen gepaart mit Performance. Starke Expertenmeinungen und Kundenorientierung.

Das Interview wurde schriftlich geführt. 



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