Herr Müller, was für ein Verhältnis zum Tod haben Sie?
Keine Ahnung. Der Tod ist das ultimative Scheitern, das will man sich doch vom Leibe halten.
Die TV-Serie «Der Bestatter» wurde zwischen 2013 und 2019 ausgestrahlt. Corona kam später. Hat die Pandemie etwas an Ihrem Verhältnis zum Tod verändert?
Nein, ausser vielleicht, dass wir in der Schweiz die Übersterblichkeit von alten Menschen offenbar nicht so gravierend finden.
Ich erreiche Sie inmitten der Dreharbeiten zu «Der Bestatter – Der Film». Ist Corona im Spielfilm auch ein Thema?
Nein.
Gedreht wird seit rund zwei Wochen (persoenlich.com berichtete). Sind Sie bereits ein eingespieltes Team?
Das sind wir. Ein Grossteil der Abteilungen war schon bei der Serie dabei, die Neuen sind aber auch alle super.
«Über das Wochenende hatten wir ausnahmsweise frei»
Welche Szenen an welchen Locations haben Sie über das Wochenende abgedreht?
Über das Wochenende hatten wir ausnahmsweise frei. Letzte Woche haben wir in und um die Kirche San Gian in Celerina gedreht und anschliessend zwei Tage auf dem Dorfplatz in Scuol. Das sind natürlich Szenerien, die für Kamera, Regie sowie Schauspielerinnen und Schauspieler ein einziger Traum sind. Da muss man gar nicht mehr viel spielen.
In der Serie «Der Bestatter» waren Sie ursprünglich Polizist und übernahmen dann das Bestattungsunternehmen des Vaters. Im Film führen Sie in Costa Rica ein Restaurant und reisen für einen Geburtstag in die Schweiz. Wie schwierig war der Rollentausch vom Bestatter zum Gastwirt?
Zum einen habe ich früher in der Gastronomie gearbeitet – aber schauen Sie: Ich war auch nie Polizist und nie Bestatter, ich bin Darsteller und Autor. Natürlich mache ich mir Gedanken, was ein bestimmter Beruf mitbringt. Aber ich bin Unterhaltungskünstler. Ich picke mir heraus, was mir etwas bringt. Ich kann die Realität gar nicht abbilden, ich muss es auch gar nicht. Stellen Sie sich vor, Sie spielen einen Mörder. Da möchten Sie doch vorgängig auch keine Probleme mit dem Strafgesetzbuch wegen «Rollenvorbereitung».
Gedreht wird hauptsächlich in einem alten Hotel in einem abgelegenen Seitental im Unterengadin. Wie wohl fühlen Sie sich im Bündnerland?
Es ist hilfreich, aber nicht Bedingung, dass einem die Drehorte gefallen. Das Engadin ist ein speziell feiner Ort. Ich finde auch die Sprache fein hier oben – sie ist wie die Lärchen und Arven. Ich mag halt die Berge generell. Das ging mir bei meinem kurzen Auftritt im «Tschugger» auf dem Simplon nicht anders.
Szenen gibt es auch in Aarau und Zürich. Selten wird ein Film chronologisch abgedreht. Wie schwierig ist es, nicht den roten Faden zu verlieren?
Beim Kinofilm ist das noch relativ einfach. Bei einer Serie, wenn man drei Folgen ineinander vermantscht und manchmal an einem Tag an einem Ort Szenen aus drei Folgen dreht, ist es wesentlich komplizierter. Einfacher Trick: Den ganzen Text schon bei Drehbeginn auswendig können.
Nicht immer läuft alles rund, bei solchen Produktionen gibt es auch Pannen. Haben Sie in den letzten zwei Wochen schon Stoff für Outtakes geliefert?
Immer wieder. Aber es gibt nichts Langweiligeres als Schauspieler, die Anekdoten erzählen.
«Da ist der privateste Moment am Tag das Zähneputzen»
Wie lange sind die Drehtage eigentlich? Bleibt noch Zeit für Privates?
Das kommt auf den Drehplan an. Wenn man Glück hat, arbeitet man nur einen halben Tag. Wenn aus irgendwelchen Gründen volle Kanne angesagt ist, arbeitet man 13 Stunden. Da ist der privateste Moment am Tag das Zähneputzen.
SRF-Kulturchefin Susanne Wille sagte Ende August, dass das Publikum Sie als «Der Bestatter» schmerzlich vermisst habe. Tun solche Rückmeldungen gut?
Ja, aber ich nehme mir nur zu Herzen, was der Arbeit hilft. Meine Gefühle spielen da keine Rolle.
Der Film sei «keine Fortsetzung von Staffel sieben», sagte Baptiste Planche, Leiter Fiktion bei SRF, in einem persoenlich.com-Interview. Hand aufs Herz: Funktioniert der Kinofilm wirklich eigenständig, auch wenn man die Serie nie gesehen hat?
Selbstverständlich, da haben unsere Autoren ganze Arbeit geleistet.
Zurück zu Corona: Ich habe in den letzten zwei Jahren über zehn Kilogramm zugelegt – vermutlich, weil im Homeoffice der Kühlschrank so nah ist. Wie ist es Ihnen ergangen?
Bei mir war der Verzicht auf Zigaretten wesentlicher.
Rund 30 Drehtage sind für den Film nötig. Sie sind vermutlich ständig in Bewegung. Ist eine Filmproduktion auch eine Art Fitnessprogramm?
Es gibt Fitnesstage und Tage mit Stehen und Sitzen. Mir ist Fitness auf dem Gravelbike oder im Zürichsee oder im Gym lieber. Mit geschlossenem Kragen und Krawatte kommt man vielleicht schneller ins Schwitzen, aber ein guter Turnschuh ist einem «Budapester Halbschuh» immer vorzuziehen.

