08.08.2025

Sprachpolitik

Deutscher Kulturstaatsminister will keine Sternchen mehr sehen

Nach dem Genderverbot in der eigenen Behörde drängt Wolfram Weimer alle öffentlich geförderten Institutionen wie Museen, Stiftungen oder Rundfunk, dieser Linie zu folgen. Gendern vertiefe eine Spaltung der Gesellschaft.
Sprachpolitik: Deutscher Kulturstaatsminister will keine Sternchen mehr sehen
In seiner eigenen Behörde hat er die Verwendung gendergerechter Sprache mit Sonderzeichen bereits untersagt: Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister in der Regierung Merz. (Bild: Keystone/DPA/Karl-Josef Hildenbrand)

«Es geht dabei um eine gemeinsame Verantwortung für die Verständlichkeit staatlich geförderter Kommunikation», sagte der parteilose Politiker der Deutschen Presse-Agentur DPA.

Weimer hatte zuletzt in seiner eigenen Behörde die Verwendung gendergerechter Sprache mit Sonderzeichen in offiziellen Schreiben untersagt. «In der offiziellen Kommunikation verzichten wir daher auf Sonderzeichen wie Sternchen, Doppelpunkte oder Unterstriche – zugunsten von sprachlicher Klarheit, rechtlicher Eindeutigkeit und allgemeiner Verständlichkeit», sagte der 60-Jährige der DPA.

Und er fügte hinzu: «Diese Linie empfehle ich auch jenen Institutionen, die mit öffentlichen Mitteln arbeiten – von Museen über Stiftungen bis hin zu Rundfunkanstalten. Wer im öffentlichen Auftrag spricht, sollte eine Sprache wählen, die für alle nachvollziehbar ist und breite Akzeptanz findet.»

Streitthema seit Jahren

Gendergerechte Sprache mit Sonderzeichen und Pausen beim Sprechen ist seit Jahren Streitthema. Sie soll dazu beitragen, Geschlechter-Diskriminierung zu vermeiden. In Studenten- und Künstlerkreisen wird sie bisweilen verwendet, in der breiten Öffentlichkeit und auch in Radio und Fernsehen ist sie weniger verbreitet. Viele Konservative lehnen sie vehement ab.

Das Bundesland Thüringen hatte Ende 2022 seine Landesbehörden angehalten, auf «grammatikalisch falsche Gendersprache» zu verzichten. Bayern folgte im Frühjahr 2024 mit einem Verbot von «Gendersprache mit Sonderzeichen zur Geschlechterumschreibung» in Behörden.

Auch die deutsche Regierung nutzt nach eigenen Angaben keine Wörter mit Gender-Sternchen, sondern hält sich an die Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung, auf die sich auch Weimer beruft.

«Bevormundende Spracherziehung»

Der Kulturstaatsminister hatte vor einigen Tagen in der Bild am Sonntag gesagt, privat stehe es weiterhin jedem frei, «sich so auszudrücken, wie er oder sie es möchte». Aber erzwungenes Gendern spiegele nicht wider, wie die Mehrheit in Deutschland spreche. Vielmehr vertiefe das Gendern eine Spaltung der Gesellschaft. Sprache solle verbinden, nicht trennen. «Deshalb lehne ich jede bevormundende Spracherziehung ab», sagte Weimer der Zeitung. (sda/nil)


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KOMMENTARE

Werner Schläfli
11.08.2025 11:56 Uhr
Die Kulturstaatsministerin (Männer sind mitgemeint) weiss wahrscheinlich mehr, was Staat als was Kultur ist? "Wandel" & "lebendige Sprache" gehören nicht dazu. Und Schluss. Sonst gibt es kein Geld! Oder wir erheben eine Steuer von 50% auf jedes Sternchen!
Claude Bürki
11.08.2025 07:57 Uhr
Endlich einer, der diesen Sternchen-Unfug ablehnt.
Victor Brunner
09.08.2025 17:36 Uhr
Gab es schon einmal in Deutschland das ein Minister für Kultur bestimmte wie zu schreiben ist!
Andreas Gossweiler
08.08.2025 22:49 Uhr
Wenn der Minister eine «bevormundende Spracherziehung ablehnt», warum verbietet er denn die Sternchen? Es gibt doch nichts bevormundenderes und nichts erzieherischeres als ein Sternchenverbot. Dass ihm dieser offensichtliche Widerspruch in seiner Argumentation nicht auffällt!
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