02.10.2020

Serie zum Coronavirus

«Ein solcher Award ist ein grosses Glück»

Schoscho Rufener ist einer der Väter der Eventbranche. Am Donnerstag wurde er mit dem Livetime Achievement Xaver-Award ausgezeichnet. In Folge 124 unserer Serie spricht er über die Branche in der Coronakrise.
Serie zum Coronavirus: «Ein solcher Award ist ein grosses Glück»
«Bei einem guten Event taucht der Gast ein und verliert sich im Moment», sagt Rufener im Gespräch. (Bild: MCH Group)
von Matthias Ackeret

Herr Rufener, Sie wurden am Donnerstag mit dem Livetime Achievement Xaver-Award für Ihre Verdienste in der Eventbranche ausgezeichnet. Was bedeutet dies für Sie?
Es ist schon ein grosses Glück, wenn man für eine Tätigkeit, die man leidenschaftlich gerne macht, einen Award bekommt. Ich freue mich, dass ich dabei in der Tradition von Persönlichkeiten wie Claude Nobs, der Familie Knie, André Bechir oder Freddy Burger stehe, die diesen Preis auch schon erhalten haben.

Sie gelten als einer der Väter der Schweizer Eventbranche. Was gab in den frühen Neunzigerjahren den Anstoss, in diesem Bereich eine Firma zu gründen?
Ursprünglich komme ich aus der Partywelt. Die Gegend um den Escher-Wyss-Platz war in den Neunzigerjahren die Bronx von Zürich. In den alten Fabriken gab es viele Leerflächen, wo wir unsere Partys veranstalteten. Schon früh nahmen Lisa Stansfied, Shakira, David Guetta und andere Grössen in unseren Clubs und an unseren Partys teil.

Wann konnten Sie von der Organisation von Events leben?
Seit meinem fünfzehnten Lebensjahr, als ich die Silvester-Partys am Gymnasium organisierte. Unser erstes Büro war im Steinfels-Areal, wo es früher ausser dem Cinemax und TeleZüri eigentlich noch nichts gab. Später sind wir an die Zurlindenstrasse in Wiedikon gezügelt.

«Man lernt bei jedem Event unglaublich viel»

Was war Ihr bester Event überhaupt?
Schwer zu sagen. Derjenige mit den komplexesten technischen Herausforderungen war eine Veranstaltung bei minus 23 Grad. Man lernt bei jedem Event unglaublich viel und sieht dabei auch, was man beim nächsten Mal besser machen kann. Es gab in den vergangenen 25 Jahren viele berührende Momente, die immer noch in mir nachschwingen. Sehr geprägt hat mich die Erfahrung mit seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama, für den wir im Hallenstadion und Deutschland grosse Events veranstalten durften.

Was zeichnet einen guten Event aus?
Bei einem guten Event taucht der Gast ein und verliert sich im Moment. Dazu muss alles perfekt orchestriert sein. Es ist entscheidend, dass sich der Teilnehmer gut abgeholt und auch aufgehoben fühlt. Dabei spielt der emotionale Faktor eine sehr grosse Rolle.

Ihr Geschäft leidet massiv unter Corona. Was bedeutet dies in Zukunft für Ihre ganze Branche?
Moment findet eine tektonische Verschiebung für die ganze Branche statt. Wir können frühestens im Sommer 2021 mit einer leichten Erholung rechnen. Zu gross sind die Unsicherheiten und Ängste der Sponsoren und Auftraggeber, zu unklar die Auflagen der Behörden. Die Auftragslage ist für alle Techniker, Bühnenbauer, Logistiker, Moderatoren, Musiker, Choreografen, Stylisten, Fotografen, DJs, Hostessen und auch Agenturen momentan sehr schwach.

Was erwarten Sie konkret vom Staat in dieser Situation?
Während des Lockdowns mussten wir erkennen, dass unsere Branche in Bundesbern nicht auf dem Radar stand. Wir mussten uns erst in Erinnerung rufen. Erst vergangene Woche fanden erstmals Gespräche mit dem Bundesrat statt, in welchen wir unsere Nöte und Probleme schildern konnten, aber auch auf unseren wirtschaftlichen Impact und die vielen Arbeitsplätze hinweisen konnten, die direkt oder indirekt davon abhängen. Die Verbände der Veranstaltungsbranche haben 1250 Mitglieder. Wir erzielen insgesamt einen jährlichen Umsatz von drei Milliarden Franken und beschäftigen 23'000 Mitarbeiter und 40'000 freiwillige Helfer. Die Unterstützung der öffentlichen Hand ist für uns von existenzieller Bedeutung. Wir benötigen dabei klare verbindliche Ansagen, welche Auflagen wir für unsere Veranstaltungen und Events benötigen.

Wie haben Sie selbst den ganzen Sommer verbracht?
Ich war während der letzten Monate in engem Dialog mit unseren Kunden. Daneben realisierten wir einige kleinere und mittlere Corona-konforme Events. Vor 14 Tagen konnten wir ein erfolgreiches Digital Festival mit dem HackZürich durchführen, an dem 300 Hacker im Technopark und über 700 Hacker weltweit während 48 Stunden online teilnahmen.

«Viele – auch in unserer Branche – wollten anfänglich die Situation gar nicht wahrhaben»

Was war für Sie die prägendste Erfahrung der letzten Monate?
Viele – auch in unserer Branche – wollten anfänglich die Situation gar nicht wahrhaben und hielten lange am Alten fest. Doch Corona hat viele altgewohnte Mechanismen über Bord geworfen und stellt für uns alle eine grosse Herausforderung dar. Jetzt müssen wir uns der neuen Realität stellen. Wer weiterhin wachsam, agil, kreativ ist und seine Arbeit gewissenhaft durchführt, wird weiterhin die Menschen und ihre Herzen gewinnen und auch berühren: «Trust needs touch.» Corona zeigt ganz klar: Wir Menschen sind soziale Wesen mit einem hohen emotionalen Anspruch, die sich vor allem über Gruppenzugehörigkeit und soziale Kontakte definieren. Wir suchen und benötigen den direkten Kontakt zu Mitmenschen. Unsere Industrie gestaltet dafür die notwenigen Bühnen.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com regelmässig eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.

 



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