10.02.2026

Todesfall

Karl Lüönd ist gestorben

Die Schweizer Journalistenlegende ist am Montag im Alter von 80 Jahren verstorben, wie die Familie gegenüber persoenlich.com mitteilte. Karl Lüönd gehörte zu den prägenden Medienfiguren des Landes. Der Gründer der Züri Woche gilt als Erfinder der Dreikönigstagung.
Todesfall: Karl Lüönd ist gestorben
Karl Lüönd (1945–2026) ist am Montag verstorben. (Bild: Markus Senn)

Karl Lüönd wurde am 12. Mai 1945 in Flüelen in eine Arbeiterfamilie geboren. Er arbeitete nach der Matura zuerst als Freelancer für das Luzerner Tagblatt und danach als freier Mitarbeiter und innerschweizer Korrespondent für grosse Schweizer Tageszeitungen. Ab 1974 war er Mitglied der Chefredaktion des Blicks, unter anderem als stellvertretender Chefredaktor. Nach zwei Jahren Chefredaktion des Züri Leu gründete er 1982 die Züri Woche, die er 17 Jahre lang leitete und deren Verleger er zeitweise war. 1986 initiierte er zusammen mit dem Verleger Beat Curti die Gratiszeitung Neues Sonntagsblatt, deren erster Chefredaktor er war. Seit 1998 war Lüönd selbstständig.

Grosse Resonanz erhielt er als Leiter des Medieninstitutes des Verbandes Schweizer Medien, das er von 1998 an sieben Jahre lang leitete. Zudem gründete und leitete er das Magazin Jagd & Natur und schrieb rund 30 Sachbücher über bedeutende Unternehmer wie Emil Frey, Walter Reist, Gottlieb Duttweiler oder Karl Schweri. Zudem verfasste er viel beachtete Unternehmensbiografien über den Ringier-Verlag, die Baloise, das Kinderspital Zürich und über die Sterbehilfeorganisation Exit. Bis zuletzt schrieb er an einem Buch über die Familiengeschichte von Emil Frey. Seine Jubiläumsschrift über die Publigroupe, die 2014 an die Swisscom verkauft wurde, erschien – da das Unternehmen nicht mehr existierte – als persönlich-Sonderausgabe.

Noch im vergangenen Mai feierte Karl Lüönd in Winterthur im Beisein seiner Familie und der Schweizer Medienprominenz seinen 80. Geburtstag (persoenlich.com berichtete). Damals erklärte Lüönd, dass er froh sei, dass es ihm gesundheitlich wieder besser gehe.

Moralische Instanz

Karl Lüönd gehörte zu den prägenden Journalisten der Schweiz. Galt er früher politisch eher als rechts, war er in den letzten Jahren zu einer moralischen Instanz innerhalb der Branche aufgestiegen und war als scharfer Beobachter und Kommentator der Medienszene so berüchtigt wie beliebt von links bis rechts. Dies nicht zuletzt wegen seiner Tätigkeit beim Verband Schweizer Medien und seinen analytischen Vorträgen und Berichten.

Lüönd gilt als Erfinder der «Dreikönigstagung», dem jährlichen Branchentreffen der Schweizer Medienverlage, und als Förderer der Nachwuchsausbildungen der Schweizer Presse. Zudem war Lüönd zu den Anfangszeiten von TeleZüri regelmässiger Gast in den Talksendungen am Sonntagabend. 2007 wurde Karl Lüönd mit dem Zürcher Journalistenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Lüönd war seit zwölf Jahren mit der ehemaligen Journalistin Esther Scheidegger Zbinden zusammen. Er hat drei Kinder, Andrea Lüönd, Barbara Scherrer und Gabriel Vetter, sowie sieben Grosskinder. Über die Durchführung der Trauerfeierlichkeiten wird die Trauerfamilie zeitnah informieren. (ma)


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KOMMENTARE

René Braem
16.02.2026 14:18 Uhr
Traurig und betroffen macht uns, dass Kari‘s Stimme für immer verstummt ist. Doch in Gedanken und schönen Erinnerung sind wir weiterhin bei ihm… ✨R.I.P.
Hans Maegerle
12.02.2026 11:08 Uhr
Herzlichen Dank für den treffenden Nachruf heute im Landbote. Ich habe ihn auch sehr geschätzt.
Gallus Keel
11.02.2026 06:27 Uhr
Ich hatte damals, 1979, einen „subalternen Zwischenjob“ bei Ringier inne, der hauptsächlich darin bestand, Telexmeldungen in die Redaktionen zu verteilen. Als ich vernahm, dass Blick einen Redaktor sucht, fragte ich nach, ob ich auch in Frage käme. Lüönd gab mir ein paar Telexe, die ich zu Kurznachrichten verdichten musste. An eine erinnere ich mich noch genau. Ein behinderter Dieb versteckte seine Beute jeweils in seinem künstlichen Bein. Lüönd sagte bald: „Du bist eingestellt, du kannst hier beginnen.“ Wir schrieben damals noch auf Schreibmaschinen, gedruckt wurde in Blei. Schon bald aber zogen wir ins hochmoderne Ringier-Pressehaus.
Martin Ebner
10.02.2026 20:15 Uhr
Ja, lieber Kari, jetzt bist du nicht mehr unter uns. Ein langjähriger Begleiter von mir, Jäger wie ich. Wobei, so ein richtiger "Jäger aus Schrot und Korn" warst du eigentlich nie. Du warst vor allem Beobachter und Geniesser am Aserfeuer. Du hast unser Magazin Jagd&Natur zu dem gemacht, was es heute ist: Viel Qualität, tolle Aufmachung. Und: Du hast mich als Glossenschreiber über jagdliche Themen stets gefördert und manchmal auch vor der Unbill Andersdenkender beschützt. Nun hat dich Diana "zur Strecke gelegt" (ich sehe dein verschmitztes Lächeln beim Hören dieses Satzes). Weidmannsruh.
René von Euw
10.02.2026 18:15 Uhr
Er war mein Chef, von dem ich vielgelernt habe, und er wurde ein Freund, mit dem ich mich immer wieder gerne austauschte. Kari, lebe wohl und ruhe sanft.
Pierre Rothschild
10.02.2026 15:55 Uhr
Für viele, auch für mich, war er der beste Redaktions-Leiter den eine Zeitung haben konnte. Ein Profi von A bis Z für den eine Höchstleistung der Normalfall war. Ein Mann, der beruflich ein internationales Format hatte. Und ein Mann, der privat ein treuer Freund war. Ich bin dankbar, einen Mann wie "Kari" in meinem privaten und beruflichen Leben gekannt zu haben.
Peter Jaeggi
10.02.2026 14:49 Uhr
Karl Lüönd hielt im Jahr 2000 bei der Verleihung des Radio- und Fernsehpreises an den Afrika-Korrespondenten und an mich die Laudatio. Der Blick schrieb am 27.11.2000: Radio- und TV-Preis für Qualitäts-Sendungen ZÜRICH - Heute Abend wird die Zürcher Radio-Stiftung den Radio- und Fernsehpreis 2000 vergeben. Der TV-Preis (20000 Franken) geht an das Team der Sendereihe «Sternstunde» von SF DRS - «für die beharrliche und überzeugende Vermittlung menschlicher Grundwerte». Den Radiopreis (gleicher Betrag) bekommen die Autoren der Sendung «Doppelpunkt» von Radio DRS: Ruedi Küng für seine Reportage «Aids - die Geissel Afrikas» und Peter Jaeggi für seinen Beitrag «Als mein Kind geboren wurde, war ich sehr traurig» (Spätfolgen des Chemiewaffen-Einsatzes im Vietnamkrieg). Publizist und Laudator Karl Lüönd: «Wenn es auf lange Sicht eine Rechtfertigung gibt für die Zwangssteuern, die jeder von uns in Form von Konzessionsgebühren an die SRG abliefert, dann sind es nur Qualitätsprogramme dieser Art ohne Quotendruck.» Und: «Je flächendeckender der Schwachsinn sich ausbreitet, je dröhnender das Geschwätz durch die Hohlräume aller Kanäle hallt, desto grösser wird die Zahl derjenigen, die sich immer konsequenter nach Qualität und Substanz orientieren.» RENÉ HILDBRAND
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