Nach Protesten ist die Vorführung eines umstrittenen Videos zum Rebellenführer Joseph Kony im Norden Ugandas abgesetzt worden. Die ugandische Nicht-Regierungsorganisation Ayinet hatte den Film "Kony 2012" der US-Gruppe Invisible Children zeigen wollen. Aufgrund der wütenden Reaktionen der Zuschauer habe sie alle weiteren Vorführungen abgesetzt, teilte Ayinet am Donnerstag mit. Bei einer Vorführung am Dienstag in der Ortschaft Lira hätten die Zuschauer, unter ihnen auch zahlreiche Opfer von Konys Lord's Resistance Army (LRA, Widerstandsarmee des Herrn), "extrem stark" und mit "grosser Wut" auf den Film reagiert, sagte der Ayinet-Direktor Victor Ochen. Einige hätten Steine geworfen, woraufhin die Vorführung abgebrochen worden sei.
'Weisse Kinder in Amerika'
Wie Ochen erklärte, ist die Sicht des Films auf den Konflikt im Norden Ugandas nach Ansicht der Zuschauer überholt und undifferenziert. "Die Leute fragten, warum sie weisse Kinder in Amerika zeigten und nicht die Wahrheit über die Situation der Bewohner der Region sagten", sagte Ochen. Da habe seine Organisation verstanden, dass die Reaktionen in der ganzen Gegend die gleichen sein würden. Das Video "Kony 2012", das den seit Jahren vom Internationalen Strafgerichtshof gesuchten Rebellenführer "berühmt" machen will, wurde im Internet bereits millionenfach angeklickt (persoenlich.com berichtete).
In dem Film ruft die Gruppe Invisible Children, die gegen den Einsatz von Kindersoldaten kämpft, die Zuschauer auf, Druck auf US-Politiker zur Entsendung von Truppen auszuüben, um Kony festzunehmen. Die LRA war Ende der 1980er Jahre gegründet worden, um für die Interessen der ugandischen Volksgruppe der Acholi zu kämpfen. Heute gilt sie als eine der brutalsten Rebellengruppen der Welt und ist vor allem im Nordosten von Kongo-Kinshasa, in Zentralafrika und im Südsudan aktiv. Ende 2011 entsandten die USA rund hundert Soldaten nach Zentralafrika, um die dort gegen die Rebellen kämpfenden Streitkräfte zu unterstützen. (sda/afp)
Was Pedro Simko, Chairman von Saatchi&Saatchi Schweiz und Fachmann für Social Media-Kommunikation, zur Kampagne "Kony 2012" meint, lesen Sie im Interview mit persoenlich.com.

