20.09.2023

Wahlen 2023

Lokale Onlinemedien mobilisieren fürs Wählen

Tsüri.ch, Bajour und Hauptstadt wollen junge Schweizerinnen und Schweizer an die Wahlurne bringen. Dazu haben sie die Mobilisierungskampagne «Wähl mal!» lanciert. Darin spielt Bundespräsident Alain Berset die Hauptrolle – wenn auch nur akustisch.
Wahlen 2023: Lokale Onlinemedien mobilisieren fürs Wählen
Kernstück der Kampagne «Wähl mal!» sind Sprachnachrichten, in denen sich Bundespräsident Alain Berset an die jungen Wählerinnen und Wähler wendet. (Bilder: Keystone/Alessandro della Valle, zVg)

Die Wahlberechtigten erhalten in diesem Jahr ein regelrechtes Paket an Unterlagen. So treten beispielsweise die Zürcher Parteien auf 44 verschiedenen Listen für die 36 Nationalratssitze an – das sind so viele Listen wie noch nie. 1341 Kandidatinnen und Kandidaten buhlen um die Sitze – auch ein Rekord. Dies hat dazu geführt, dass ein 96-seitiges Heft verschickt werden muss, teilte die Kantonalzürcher Drucksachen- und Materialzentrale an einer Medienkonferenz vom Mittwoch mit. 170 Tonnen Papier seien dafür verarbeitet worden.

Doch die Wahlunterlagen dürften vielerorts liegenbleiben. Im Schnitt nimmt nur rund ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer unter 30 Jahren an den National- und Ständeratswahlen teil. Die Wahlbeteiligung liegt in dieser Altersgruppe rund 15 Prozent tiefer als bei der Gesamtbevölkerung. Auch ist die junge Bevölkerung im Parlament nur schwach vertreten.

Beides soll sich ändern. Mit der multimedialen Kampagne «Wähl mal!» werden Erstwählerinnen und Erstwähler aus den Regionen Zürich, Bern und Basel dazu motiviert, an den eidgenössischen Wahlen vom Oktober teilzunehmen. «Wähl mal!» ist ein parteipolitisch unabhängiges Projekt der Stadtmagazine Tsüri.ch, Bajour und Hauptstadt und wird unterstützt von der Stiftung Mercator Schweiz. Mercator lässt insgesamt 50'000 Franken springen, wie es auf Anfrage heisst. Dieser Betrag werde nach Aufwand auf die drei Medien verteilt.

Sprachnachrichten von Alain Berset

Auf der Webseite von «Wähl mal!» können Wählerinnen und Wähler ihr Wahlversprechen abgeben. Sie werden danach mittels Sprachnachrichten von Bundespräsident Alain Berset ans Wählen erinnert. «Wir haben auf gut Glück den Bundespräsidenten, respektive sein Kommunikationsteam angeschrieben – und zu unserer positiven Überraschung hat er zugesagt», so Simon Jacoby, Chefredaktor und Co-Geschäftsleiter von Tsüri.ch, zu persoenlich.com. Projektleiter Elio Donauer von Tsüri.ch ergänzt laut einer Mitteilung: «Es ist wichtig für die Schweiz, aber auch für die Medien, dass die Wahlen auch unter den Jungen möglichst grosse Aufmerksamkeit erhalten.»

Bis Mittwochabend haben sich knapp 500 Personen auf WhatsApp eingetragen, um von Alain Berset Erinnerungen zu erhalten.

Kampagne in sozialen Medien gestartet

Die Kampagne wird mit Videos und Aktionen in den sozialen Medien begleitet. Ein erstes Video auf TikTok ist online, weitere sollen folgen.

Neben diesen mobilisierenden Elementen werden die Lokalmedien Bajour, Hauptstadt und Tsüri.ch junge Politikerinnen und Politiker vorstellen. Zudem erklären sie mittels Videos und anderer Beiträge das Wählen und das Schweizer Politsystem. Tsüri.ch erreicht laut eigenen Angaben monatlich rund 120'000 Unique Clients, bei Bajour sollen es 100'000 zugreifende Geräte sein. Für das Berner Medium Hauptstadt werden in der gemeinsamen Mitteilung keine Klickzahlen genannt.

Konkrete Zahlen zur Gesamtreichweite der Kampagne nennt Jacoby auf Anfrage nicht – nur so viel: «Über unsere Webseiten, Newsletter und die sozialen Medien verfügen wir über einiges an Reichweite.» Zudem soll mit Influencern sowie anderen Partnerinnen und Partnern die Reichweite vergrössert werden.

«Beitrag zur demokratischen Teilhabe»

«Wir alle haben unsere Medien ins Leben gerufen, weil wir von der Wichtigkeit der Medienvielfalt in einer Demokratie überzeugt sind. Sprich: Wir machen Journalismus für eine aktive Debattenkultur in der Demokratie. In diesem Sinne ist unsere Mobilisierungskampagne ein Beitrag zur demokratischen Teilhabe», so Simon Jacoby weiter. «Vielleicht können wir mithelfen, dass mehr Menschen wählen gehen. Das wäre grossartig.»


Dass hinter der Mobilisierungskampagne auch Eigenmarketing für die drei lokalen Onlinemedien stecken könnte, dementiert Jacoby. «Es geht uns nie um uns, sondern immer um den Journalismus und eine lebendige Demokratie. Insofern ist auch diese Kampagne kein Marketing für uns.» Sollte die Kampagne die Bekanntheit der drei Medien stärken, wäre dies ein netter Nebeneffekt.


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