22.09.2022

Oh läck du mir!

«Machen wir es? Oder machen wir es nicht?»

Am Donnerstag startete ein aufwendiges Musical mit den bekannten Songs von Trio Eugster im Zürcher Theater 11. Auf der Bühne stehen unter anderem Susanne Kunz und Viola Tami. Ein Gespräch mit Unterhaltungsprofi und Co-Produzent Christoph Bürge, der das Projekt initiierte.
Oh läck du mir!: «Machen wir es? Oder machen wir es nicht?»
Christoph Bürge ist Co-Produzent des Trio-Eugster-Musicals «Oh läck du mir!». (Bilder: FBM, Thomas Egli, Archiv)
von Matthias Ackeret

Herr Bürge, wie kamen Sie auf die Idee, ein Musical über das Trio Eugster zu produzieren?
Ich hatte vor gut sechs Jahren ein Mittagessen mit Charles Lewinsky und fragte ihn, ob er wieder einmal Lust und Zeit hätte, neben seinen Romanen ein Stück für die Bühne zu schreiben. Das Timing war gerade gut, und er warf die Idee einer Compilation über die Titel des Trios Eugster in die Luft. Er wunderte sich, dass sich noch niemand dieses Volkskulturguts angenommen hätte. Ich habe sofort Feuer gefangen, denn ich bin mit diesen Liedern aufgewachsen und habe sie immer gemocht, obwohl ich sonst ganz andere Musik hörte. Ich habe diese Idee bei Freddy Burger platziert, und er hat meine Begeisterung geteilt. Wir haben Charles Lewinsky den Auftrag erteilt, eine Geschichte zu schreiben, Charles hat darauf ein wunderbares Stück kreiert, das im Milieu einer Kleinstadt Anfang der 1970er-Jahre spielt. Gemeinsam mit Markus Schönholzer, einem begnadeten Musiker, hat er die Ohrwürmer des Trios in diese Geschichte eingewoben. In «Oh läck du mir!» lehnt sich die Gemeinschaft auf gegen die Zerstörung ihrer kleinen Welt – humorvoll, couragiert und erfolgreich. Das Stück spiegelt das Milieu dieser Welt liebevoll und präzis wider.

Glauben Sie, dass heute noch ein Bedürfnis nach dieser Musik besteht?
Alex Eugster und seine Brüder haben Lieder komponiert und gesungen, die weit über die Zeit hinausstrahlen. Fast alle kennen ein Lied des Trios, vor allem «Oh läck du mir», ohne vielleicht sagen zu können, von wem es stammt. Ich denke, es ist für viele eine Wiederentdeckung.

«Wir haben ein grossartiges Team an Bord»

Wie sind Sie bei der Realisation Ihres Traums vorgegangen?
Die Musik und das Buch sind der Kern, der war dann da. Ein Projekt dieser Grössenordnung braucht dazu einen erfahrenen und erfolgreichen Partner – der ist mit Freddy Burger und seiner Rent-a-Show unter der Leitung von Angelo Stamera mehr als gegeben. Dann haben wir gemeinsam ein Kreativteam zusammengestellt. Wir haben ein grossartiges Team an Bord mit Stefan Huber als Regisseur, der soeben wieder sehr erfolgreich «Io senza te» in Thun realisiert hat, mit Kai Tietje als musikalischem Leiter und Arrangeur, der eine hervorragende internationale Reputation hat, aber auch viel Erfahrung in der Schweiz, mit Danny Costello als Choreograf, mit Heike Seidler als Kostümbildnerin und mit der erfahrenen Crew um Markus Dinhobl, der verantwortlicher Produzent für die Thuner Seespiele ist, und vielen mehr. Als das alles stand, haben wir das Ensemble verpflichtet. Auch da sind wir sehr glücklich: mit Viola Tami, Susanne Kunz, Jeannine Wacker – die das erste Mal seit über zwölf Jahren nach Abstechern nach New York, London und Hamburg wieder in der Schweiz spielt –, Livio Cecini, Peter Zimmermann, Patrica Hodell, Christoph Wettstein und vielen anderen. Es ist ein hervorragender Mix aus sehr erfahrenen und jungen talentierten Musical-Darstellern.

Wo stellten sich die grössten Herausforderungen?
Machen wir es, oder machen wir es nicht? Eine Produktion dieser Grössenordnung ist mit erheblichen Risiken verbunden. Wir waren überzeugt, ein tolles Stück, eine Top-Crew zu haben, und haben dann entschieden: Let's do it. Es ist eine gigantische Produktion geworden mit einem spektakulären Bühnenbild, mit einem Haus, das zwölf Meter auf der Bühne fährt, et cetera. Die grösste Herausforderung ist die Komplexität, dass schlussendlich alles perfekt ineinandergreift. Ich kann mich da auf unser Team verlassen, ich selbst verstehe von der Musical-Produktion zu wenig. Es ist ein unterschätztes Genre.

Wie reagierte das ehemalige Trio Eugster auf Ihre Idee?
Mit grosser Freude. Alex und Vic hätten nie mehr damit gerechnet, dass ihre Lieder in dieser Form auf die Bühne kommen würden. Sie fiebern der Premiere entgegen. Leider wird uns der verstorbene Guido nur von oben zuschauen können, aber ich bin überzeugt, auch er hätte grosse Freude.

«Über das genaue Budget sprechen wir nicht»

Wie viel kostet die ganze Produktion?
Über das genaue Budget sprechen wir nicht, ich kann aber sagen, dass wir keinen Aufwand gescheut haben, um eine sehr wertige, qualitativ hochstehende Produktion auf die Beine zu stellen, und das ist teuer. Die Zuschauer werden erstaunt und begeistert sein, wie aufwendig «Oh läck du mir!» ist.

Wie viele Personen sind involviert?
Mit allem Drum und Dran rund sechzig: dreissig Darsteller auf der Bühne, ein elfköpfiges Live-Orchester, Techniker und im Hintergrund das ganze Team von Freddy Burger Management.

Wie läuft der Vorverkauf? Oder anders gefragt: Verspüren Sie noch eine Zurückhaltung wegen Corona?
Corona hat unser Geschäft brutal durchgeschüttelt, es ist nichts mehr so wie vorher. Der Nachholbedarf ist riesig, aber auch das Angebot. Wir spürten eine gewisse Zurückhaltung, aber wir sind stark am Aufholen, und ich kann nur sagen: Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden ein grossartiges Schweizer Musical im Theater 11 sehen können. Und sie werden überrascht sein von der Grösse und auch der Qualität von «Oh läck du mir!».

Sie haben verschiedene ungewöhnliche Marketingmassnahmen getroffen, etwa in der Sendung «Happy Day» oder vor dem Gölä-Trauffer-Konzert im Letzigrund. Wie waren die Reaktionen darauf?
Die Reaktionen waren toll, die Produktion wurde sicht- und spürbar. Das ist bei einer Uraufführung immer eine Herausforderung, denn die Leute können es sich noch nicht vorstellen. Das hat sich jetzt geändert.

Welches Lied des Trios Eugster können Sie auswendig?
Sicherlich «Oh läck du mir», «Ganz de Bappe», «Dörf's es bitzli meh sii» und auch «Jetzt muess de Buuch weg».



Das Trio Eugster wurde 1967 gegründet. Es bestand aus dem Kaufmann und Immobilientreuhänder Guido Eugster (1936 – 2021), dem Klavierstimmer Alex Eugster (* 1937) und dem ehemaligen Vermessungszeichner und heutigen Gastwirt Vic Eugster (* 1940). In den 1960er-Jahren machten die drei Brüder ihre ersten Studioaufnahmen. Ihre Lieder wurden grösstenteils von Alex Eugster komponiert oder mitkomponiert. Ihr Erfolgsrezept war die damals neue Mischung aus Schweizer Volksmusik und Schlager. Das Trio Eugster gilt als erste «Boygroup» der Schweiz und verkaufte rund zwei Millionen Tonträger.

Dieses Interview erschien zuerst in der aktuellen Printausgabe von «persönlich».



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