17.02.2019

Kulturförderung

Migros plant Umbau des Kulturprozents

Beim grössten privaten Kulturförderer der Schweiz, dem Migros-Kulturprozent, steht eine «radikale Neuausrichtung» bevor. Gemäss Recherchen der «SonntagsZeitung» will die Migros, dass die eigene Marke stärker profitieren kann.
Kulturförderung: Migros plant Umbau des Kulturprozents
Es gibt mehrere Kulturprojekte, die bereits mit ihrem Titel auf die Marke Migros verweisen, etwa das Popfestival m4music. (Bild: m4music.ch)

Die Direktion Kultur und Soziales des MGB hat laut der SoZ im Frühling 2017 eine «Strategieüberprüfung» lanciert. Über die Details halte sich die Migros jedoch bedeckt: Sie wolle nicht sagen, auf welche Ziele hin ihre Kulturförderung neu ausgerichtet wird. Ausser dass man den «sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung» tragen will, dass «Raum für Neues» geschaffen werden soll und die Migros ihre Rolle als «Impulsgeber zukünftig noch stärker wahrnehmen» will. Dafür würden «sämtliche kulturellen Aktivitäten der Direktion Kultur und Soziales MGB systematisch hinterfragt».

«Extrem viel Druck aufgesetzt»

Indizien, die auf eine Neuausrichtung im Sinne eines verstärkten Paybacks hindeuten, sieht die SoZ unter anderen in der Kommunikation der Migros: In der Ankündigung der Reorganisation der kulturellen Aktivitäten seien vier Projekte genannt worden, die ganz sicher weitergeführt werden. Sie alle stehen in enger Verbindung mit der Marke Migros. Neben dem Pop-Festival «m4music» sind dies die Konzertreihe Migros-Kulturprozent-Classics, das Tanzfestival Steps und das Migros-Museum für Gegenwartskunst in Zürich.

Die SoZ zitiert zudem aus einer E-Mail einer Person vor, die bei Migros angestellt ist: Ihr zufolge habe Sarah Kreienbühl, Mitglied der MGB-Generaldirektion, im Rahmen der Neuausrichtung des Kulturprozents «extrem viel Druck aufgesetzt», dass «die Marke Migros endlich stärker von den Geldern für Kultur, Soziales und Medien profitieren» müsse.

122,4 Millionen Franken jährlich

Die Migros selber mache keinen Hehl daraus, dass in der Direktion Kultur und Soziales des MGB eine grosse Veränderung bevorsteht: Mit dem 1. Januar 2019 wurde laut SoZ der Bereich Kultur «von einer Spartenorganisation in eine Projektorganisation umgewandelt», um «noch stärker auf eigene Projekte» setzen zu können. «Insgesamt wird eine höhere Flexibilität angestrebt, um auf neue Entwicklungen in der Kultur zu reagieren», und den «verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung» tragen zu können, so die SoZ. Ausserdem könnten «Synergien» zwischen den Bereichen Kultur und Soziales sowie dem 2012 eingerichteten Förderfonds «Engagement Migros» genutzt werden.

Ein solcher Umbau widerspräche laut SoZ dem Willen des Migros-Gründers Gottlieb Duttweiler, der das Kulturprozent in den Statuten seiner Genossenschaft verankerte. Duttweiler wollte damit das Allgemeinwohl höher gewichten als das seiner Genossenschaft. Allein 2017 gab die Migros 122,4 Millionen Franken für das Kulturprozent aus. (pd/eh)

 

 

 



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Kommentare

  • Claudius Krucker, 19.02.2019 18:08 Uhr
    Vielleicht ist es wieder Zeit für einen neuen «M-Frühling», ein «SORGIM Reloaded», mit mehr Durchschlagkraft, um die Migros-Führung daran zu erinnern, dass mit «sozialem Kapital» einstmals nicht nur ein Branding-Label gemeint war…
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