04.09.2019

Todesfall

Starfotograf Peter Lindbergh ist tot

Der Deutsche galt als einer der einflussreichsten Modefotografen. Er prägte das «Supermodel»-Phänomen der 90er-Jahre. Nun starb er 74-jährig, wie seine Familie mitteilte.
Todesfall: Starfotograf Peter Lindbergh ist tot
Über den Starfotografen gibt es auch einen Dokumentarfilm: «Peter Lindbergh – Women’s Stories» läuft derzeit im Kino Rex in Bern und im Kosmos Zürich. (Bild: Keystone/DPA/Britta Pedersen)

Der deutsche Fotograf Peter Lindbergh ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 74 Jahren, wie sein Studio in Paris am Mittwoch bestätigte.

Lindbergh galt als einer der einflussreichsten Modefotografen der vergangenen 40 Jahre. Er prägte das «Supermodel»-Phänomen der 90er-Jahre. Seine Werke waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, darunter zuletzt in seiner Wahlheimat Paris sowie in München und Düsseldorf.

Der 1944 im damals deutsch besetzten Wartheland (heute Polen) geborene und im Ruhrgebiet aufgewachsene Peter Brodbeck hatte seine eigene Art, Mode zu sehen. Als Peter Lindbergh wurde er weltweit bekannt. Der Fotograf schaute hinter die Fassade seiner abzulichtenden Models ebenso wie seiner anderen Motive.

Berühmt sind seine Bilder der Models Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Christy Turlington und Cindy Crawford. Wie es auf seiner Instagram-Seite heisst, starb Lindbergh am Dienstag. «Er hinterlässt eine grosse Lücke.»

Breit gefächerte Ausbildung

Zunächst machte Lindbergh eine Lehre als Schaufensterdekorateur, belegte später einen Abendkurs in Zeichnen an der Kunsthochschule in Berlin und studierte freie Malerei in Krefeld. Zum Fotografieren kam er erst relativ spät: Mit 27 begann er eine zweijährige Ausbildung beim deutschen Fotografen Hans Lux, anschliessend machte er sich selbstständig. Fünf Jahre später, 1978, brachte eine viel beachtete Fotoserie im «Stern» den Durchbruch.

Eine Einstellung, eine Haltung sei es, die einen guten Fotografen ausmache, sagte Lindbergh einst über seine Arbeit. «Selbst Modefotografen – auch wenn man es nicht annehmen sollte – haben eine Form von Verantwortung.»

Die heutige Darstellung von Frauen in Medien prangerte er darum an: «Es ist heute so vor den Hund gegangen, wie Frauen in Magazinen aussehen», sagte er. Das liege an Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, die alle Hinweise auf ein gelebtes Leben auslöschen könnten.

Begeisterte Helene Fischer

Vergangenes Jahr setzte Lindbergh die Schlagersängerin Helene Fischer für die «Vogue» in Szene. Die Schwarz-Weiss-Fotos erinnerten stark an die 90er-Jahre. In einem Video sagte Fischer beim Angucken der Bilder: «Oh Gott, ist das ehrlich, Wahnsinn» und «Ich habe noch nicht mal meine Wimpern getuscht!» Lindbergh sagte über das Shooting, er sei ganz beseelt nach Hause gegangen. (sda/dpa/cbe)



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