30.04.2023

April 2021

LEHMANN URS, April 2021

Die Schweizer Ski-Nationalmannschaft dominierte im Weltcup und an den Ski-Weltmeisterschaften. Belohnt wurde die aussergewöhnliche Saison mit dem Sieg des Nationencups, zum zweiten Mal in Folge. Wesentlich verantwortlich für diesen Erfolgskurs ist Urs Lehmann, der vor dreizehn Jahren zum Präsidenten von Swiss-Ski gewählt wurde und nun an die FIS-Spitze will.
April 2021: LEHMANN URS, April 2021

Herr Lehmann, Sie haben mit Swiss-Ski zum zweiten Mal den Nationencup gewonnen. Was war schwieriger: der erste Erfolg nach der langen Dominanz der Österreicher oder die Bestätigung?
Das erste Mal war emotionaler, denn bis vor zwei Jahren interessierte die Nationenwertung niemanden in der Schweiz.

Die Österreicher hat die Wertung immer interessiert.
Stimmt, für den österreichischen Ski-Präsidenten Peter Schröcksnadel steht die Nationenwertung für das System. Bei uns haben sich seit dem Gewinn von vor zwei Jahren ein anderes Selbstverständnis und ein neues Selbstvertrauen entwickelt. Für mich war der erste Erfolg ein Durchbruch und der zweite nicht schwieriger, sondern eine Konsequenz dessen, was nach dem ersten Erfolg geschehen ist. Wir sind mittlerweile so gut aufgestellt, dass einige Athletinnen und Athleten noch einige Jahre so weitermachen oder sich gar zum Gesamtweltcup-Sieger weiterentwickeln können, wie Loïc Meillard oder Marco Odermatt. Der zweite Nationencup-Sieg war keine Überraschung und auch nicht schöner als der erste, aber er war eine Bestätigung unserer Arbeit.

Wie hat der österreichische Ski-Präsident reagiert?
Er sagte mir einmal, in dem Moment, in dem wir ihn in der Nationenwertung schlagen würden, höre er auf. Damals entgegnete ich ihm, dass er noch drei Jahre habe. Jetzt haben wir es bereits in kürzerer Zeit geschafft, und das sogar zweimal hintereinander. Schröcks­nadel, mit dem ich gut befreundet bin, ist übrigens immer noch im Amt. Sein Nachfolger soll im Juni bestimmt werden.

Eigentlich ist eine Nationenwertung bei einer Sportart, die von Einzelkämpfern dominiert wird, ein Widerspruch …
Das ist so, und trotzdem sind unsere Skiläuferinnen und Skiläufer als Team unterwegs, und das während fast neun Monaten. Sie teilen sich das Zimmer mit jemandem, der auf der Piste ihr Konkurrent ist. Diese Ambivalenz spricht für die Sozialkompetenz. Es gibt Athletinnen und Athleten, die sich freuen, wenn die oder der andere schneller ist.

Haben Sie sich früher auch für andere gefreut, die Sie geschlagen haben?
Es kam immer darauf an, wer es war (lacht). Es ist eine Stärke dieses Teams, dass sich die meisten Fahrerinnen und Fahrer den Erfolg gegenseitig gönnen.



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