Laura Zimmermann, die Plakatsujets der Kampagne «Halbierungsinitiative Nein» vermitteln den Eindruck, als gehe es um die Abschaffung der SRG. Das ist aber nicht der Fall. Warum trotzdem so drastische Motive?
Die Halbierungsinitiative ist keine harmlose Sparmassnahme, sondern bedroht den Service public im Kern und schwächt die Schweiz. Im Ergebnis würde die Annahme eine faktische Abschaffung der SRG in ihrer heutigen Form bedeuten und Tür und Tor für Desinformation und Einfluss aus dem Ausland öffnen. Viele Studien bestätigen, dass die Bevölkerung in Ländern mit starken öffentlichen Medien resilienter gegen Desinformation ist. Besonders in unsicheren Zeiten ist ein flächendeckender Zugang zu verlässlichen Informationen unverzichtbar.
«Wir haben unsere Kommunikation auf ein Schlüsselbild reduziert»
Die Bildsprache ist stark vom Fernsehen geprägt. Warum sollen sich davon junge Menschen angesprochen fühlen?
In Abstimmungskampagnen geht es darum, Kommunikation auf ein Schlüsselbild zu reduzieren. Aber Sie haben recht, auch das Radio und Onlinenews gehören zum Service public. Publizistische Flaggschiffe wie das «Echo der Zeit» wären mit Annahme der Initiative selbstverständlich ebenso gefährdet wie beliebte TV-Formate.
Das beantwortet die Frage noch nicht…
Der Glitch-Effekt ist ein beliebter TikTok-Filter und bei Jungen bestens bekannt. Wenn Sie schon die jungen Menschen ansprechen: Zirka 50 Prozent von ihnen nutzen die SRG-Angebote wöchentlich. Bei der Gesamtbevölkerung sind dies mehr als 80 Prozent.
Das Mediabudget investieren Sie «schwerpunktmässig in Schweizer Medien». Ist die Kampagne deshalb weniger stark präsent auf Social Media und den internationalen Plattformen?
Soziale Medien sind zweifellos wichtig. Aber gerade bei dieser Kampagne ist der Mediamix auch eine Haltungsfrage.
«Jede zusätzliche Spende ist sehr wertvoll»
Eine solche Kampagne kostet eine Stange Geld. Wer zahlt das?
Über die Finanzierung der Kampagne orientieren wir zu gegebenem Zeitpunkt im Rahmen der Transparenzvorschriften. Erfreulicherweise ist es uns bereits jetzt gelungen, für die Kampagne von mehreren hundert Spendewilligen zu fundraisen. Damit die Kampagne noch besser alimentiert ist, ist jede zusätzliche Spende sehr wertvoll. Wir rechnen damit, dass die Initianten ein beträchtlich höheres Budget als wir zur Verfügung haben.
Neben Ihrem Komitee werden noch mindestens zwei weitere Akteure das Feld betreten und gegen die Halbierungsinitiative weibeln. Gibt es eine Arbeitsteilung?
Mit der Allianz Pro Medienvielfalt haben wir bei der «No Billag»-Abstimmung schon bestens zusammengearbeitet. Mit sämtlichen Akteuren aus dem Nein-Lager – namentlich Sport, Parteien, Verbände und Zivilgesellschaft – koordinieren wir uns regelmässig. Es engagieren sich erfreulicherweise viele Leute und Organisationen gegen diese brandgefährliche Initiative.

