Herr Nellen, Herr Hartmann, am Donnerstag hätte der «The Last Run» von Iouri Podladtchikov und Zalando stattfinden sollen. Dann kam die wetterbedingte Absage. Was hat sich vor Ort abgespielt?
Rob Hartmann: Die gesamte Crew stand kurz nach dem Mittag bereits am Warenlift der Gondel in Laax. Fünf Minuten später wären wir losgefahren – Iouri war bereits am Berg. Dann kam die Durchsage von Laax, dass aus Sicherheitsgründen keine Gondeln mehr auf den Crap Sogn Gion fahren würden. Der Sicherheitschef der Bergbahnen hat uns erklärt, dass die Wetterprognosen auch für den Rest des Tages keine Besserung versprachen und eine Durchführung unmöglich sei. Es habe seit 1999 nicht mehr so stark geschneit und es hätten sich bereits Lawinen gelöst. Der Ernst der Lage war uns also sofort klar.
War das Wetter nicht eine zu erwartende Schwierigkeit?
Michel Nellen: Wir wussten seit ein paar Tagen von den zu erwartenden Verhältnissen – und natürlich ist das Wetter in den Bergen unberechenbar. Uns hätte aber ein kleines Zeitfenster von rund 30 Minuten gereicht. Morgens um 10 Uhr hatten wir ein Meeting mit den Verantwortlichen von Laax. Da waren wir alle noch der Meinung, dass der starke Schneefall zwar ein kleiner Wermutstropfen wäre, aber kein Grund zur Verschiebung. Hätte es während dem Run geschneit, wäre Iouri weniger schnell in der Halfpipe unterwegs gewesen und seine Sprünge wären weniger hoch ausgefallen. Das wäre aber immer noch ein toller Lauf geworden. Beim Mittagessen meinte Gian Simmen noch, dass die grossen Schneeflocken bei Flutlicht für wunderschöne Bilder sorgen werden.
Wie ist es Jung von Matt überhaupt gelungen, Iouri Podladtchikov für Zalando zu gewinnen? Welche finanziellen Anreize waren da im Spiel?
Nellen: Auf inhaltlicher Ebene war schnell klar, dass Iouri und Zalando top zusammenpassen. Beide stehen ein für eine Gesellschaft, die sich nicht nach Konventionen richtet. Gleichzeitig gab Zalando Iouri die Möglichkeit, auf einer eigenen und damit authentischen Plattform aufzutreten, die er flexibel mitgestalten konnte. Diese Freiheit war für ihn ausschlaggebend, um eine Zusammenarbeit einzugehen. Finanzielle Anreize spielten daher eine untergeordnete Rolle.
Und wie sieht es mit Zalando aus: Warum arbeitet Jung von Matt für ein Unternehmen, das ja besonders bezüglich Arbeitsbedingungen immer wieder kritisiert wird?
Hartmann: Gemeinsam mit Zalando, einem der grössten und innovativsten Onlinehändler, und dem Olympiasieger Iouri Podladtchikov einen solchen Abschieds-Event zu realisieren, ist eine einmalige Gelegenheit. Bringt man diese beiden Kräfte zusammen, schafft man Momentum. Das hat uns fasziniert.
Zurück zum Run: War das Interview mit Gian Simmen und Iouri Podladtchikov, das am Donnerstag an Stelle des Runs gezeigt wurde, bereits im Voraus als Notlösung geplant?
Nellen: Mit Gian Simmen und Iouri Podladtchikov hatten wir zwei Olympiasieger vor Ort, die unglaublich interessante Geschichten zu erzählen haben. Das wussten wir von unseren Gesprächen mit Gian im Vorfeld. Er hätte auch bei einer regulären Event-Durchführung mit Iouri ein Interview geführt und hatte uns deshalb mehrere Seiten an Gesprächsthemen zugesandt. Eins interessanter als das andere, wir hätten den beiden stundenlang zuhören können. Diese Chance wollten wir nicht vergeben. So war der Livetalk für uns schnell klar. Es blieb nur die Frage: Bekommen wir nochmals einen «The Last Run» in der Halfpipe gestemmt?
Und was ist die Antwort?
Nellen: So wie es aussieht: Ja, am Sonntag.
Wie zuversichtlich sind sie, dass es beim zweiten Anlauf klappt?
Hartmann: Die Wetterprognosen sehen auf jeden Fall schon mal vielversprechend aus. «The Last Run» soll ein gebührender Karriereabschluss für Iouri sein, daher setzen wir alles daran, den Event durchzuführen. Wir freuen uns, wenn viele am Sonntag um 20 Uhr auf youtube.com/zalando dabei sind. Und: Am Freitagabend ist Iouri live bei «G&G» auf SRF 1 zu Gast und berichtet von den Geschehnissen gestern. (eh)


