
Herr Salzmann, ab 1. November liegt eine "Gewerbezeitung"-Spezialausgabe in den Briefkästen aller Schweizer Haushalte. Was bezwecken Sie mit dieser Massnahme?
Anfang November werden die Abstimmungsunterlagen an alle Haushalte geschickt. Auf diesen Zeitpunkt wollen wir unsere Argumente nochmals sachlich fundiert und leicht verständlich darlegen. Es ist wichtig, dass wir die Bürgerinnen und Bürger über die Negativauswirkungen der 1:12-Initiative aufklären und so deren Ablehnung erreichen.
Warum sollen sich die Bürger ausgerechnet von einer "Gewerbezeitung" angesprochen fühlen?
Das Gewerbe hat im Abstimmungskampf gegen die 1:12-Initiative eine hohe Glaubwürdigkeit. Die "Gewerbezeitung" als kommunikatives Flaggschiff der KMU-Wirtschaft ist zur Vermittlung unserer Botschaft das ideale Trägermedium.
Inwiefern haben Sie Lehren aus der Niederlage bei der Minder-Initiative gezogen?
Wir setzten in unserer Kampagne sehr stark auf die Glaubwürdigkeit und die Überzeugungskraft der zahlreichen Unternehmerinnen und Unternehmer aus der KMU-Wirtschaft. Dieser grosse von der KMU-Unternehmerbasis getragene Widerstand gegen die 1:12-Initiative ist ein wesentlicher Unterschied gegenüber der Minder-Initiative und gegenüber früheren wirtschaftspolitischen Abstimmungen.
Ihre Massnahmen sprechen also vor allem Ihre Kernzielgruppe, die KMU-Unternehmer an. Warum fokussieren Sie sich primär auf diejenigen Bürger, deren Unterstützung Sie tendentiell eher schon auf sicher haben?
KMU-Unternehmer sind in der Kampagne glaubwürdige Absender, die wir als Botschafter und Multiplikatoren bewusst einsetzen. Die 1:12-Abstimmung wird nicht nur mit Plakaten oder Inseraten gewonnen. Wir setzten auf den Dialog und die Überzeugung dieser Unternehmerpersönlichkeiten, die über ihre Firmen gut vernetzt sind und sich häufig in Vereinen oder sonst in der Zivilgesellschaft engagieren. Daneben gelingt es uns, auf neuen Kommunikationskanälen zu punkten. Man hätte dem Gewerbeverband vor dieser Kampagne schlicht nicht zugetraut, dass er der Digital-Native-Truppe der Juso auf Facebook mit mehreren tausend Likes mehr und einer sehr hohen Interaktionsrate den Takt diktieren kann. Das nutzen wir auch crossmedial im Zusammenspiel mit der "Schweizerischen Gewerbezeitung".


Sie werben mit einem sehr einfach gehalten Plakat ohne Bild.
Wir wollen mit einfachen und verständlichen Fakten und Argumenten überzeugen. Die Initianten versuchen mit viel Pomp und Schaumschlägerei eine Neidstimmung zu nähren, die von den massiven Negativkonsequenzen der Initiative ablenken soll. Wir wollen einfach, aber klar aufzeigen, dass 1:12 zu einem staatlichen Lohndiktat in den Unternehmen und zu einer massiven Bürokratie führt. Ich glaube, dass das gut verstanden wird.
Welche kreative Idee steht hinter den Plakaten?
Hermann Strittmatter mit der Agentur GGK hat das Sujet entwickelt. Es soll den Fokus bei dieser Kampagne aufs Wesentliche richten, nämlich den Inhalt.


Die Illustrationen auf Facebook oder der Flyer sind etwas emotionaler. Welches ist die Hauptbotschaft der Kampagne?
Es schadet der ganzen Gesellschaft, wenn wir künftig den Staat die Löhne in allen Unternehmen diktieren lassen. Das ist so eine krasse sozialistische und rückwärtsgewandte Forderung, dass man diese in den Mittelpunkt stellen muss.
Laut den letzten Umfrageergebnissen liegt das bei Verhältnis 44 Prozent Ja-Stimmen zu 44 Prozent Nein-Stimmen. 12 Prozent der Wähler sind noch unentschieden. Wie bringen Sie diese auf Ihre Seite?
Es ist uns bisher gelungen, die Diskussion weg von der Neid-Debatte auf die effektiven negativen Auswirkungen zu lenken. Gegen überhöhte Saläre einzelner Manager wird die Initiative nichts bewirken. Aber Mittelstand, KMU und Arbeitnehmende mit tiefen Löhnen werden das Desaster mit höheren Steuern und Abgaben oder ausgelagerten Jobs ausbaden müssen. Dank unserer Kampagne muss die Juso auf der Sache argumentieren und kann nicht mehr nur polemisieren. Hier werden wir mit Argumenten punkten.
Sie sprachen es bereits an, Sie sind auch auf neuen Kommunikationskanälen präsent. Doch Ihre Facebook-Seite zählt rund 30'000 Likes. Das sind, gemessen an der Anzahl Wahlberechtigter, nicht gerade viel.
Es sind bedeutend mehr, als dass es sich die Jungsozialisten auch nur erträumen können. Gerade hier hätte ich von der Juso mehr Power erwartet. Es war für mich überraschend, aber ein sehr schöne Erfahrung, dass wir die angeblich so dynamische Juso bei Facebook - quasi auf deren Heimterrain - hinter uns lassen konnten. Für uns sind aber weniger die Likes entscheidend, sondern die Gesamtreichweite und die Interaktionsrate . Diese sagt viel darüber aus, ob eine Facebookseite lebt und überzeugt. Da haben wir gute Werte.
Wie nutzen Sie Twitter und wen können Sie damit erreichen?
Mit Twitter verbreiten wir primär die zahlreichen kritischen Stimmen von Wissenschaftlern, Unternehmern und Experten oder von SP-Grössen wie Pascale Bruderer, Hans Stöckli oder Peter Bodenmann, die alle in klassischen Medien vor der 1:12-Initiative warnen. Twitter ist für uns als Kurznachrichtenkanal ein wichtiger Multiplikator, mit dem wir die eigenen Leute, aber auch Journalisten und Partnerorganisationen erreichen.
Sie haben Pascale Bruderer, Hans Stöckli und Peter Bodenmann eingespannt, weil sie Twitter häufig nutzen und besonders viele Follower haben?
Alle drei sind wichtige Meinungsführer innerhalb der SP und alle drei haben sich sehr kritisch bis offen ablehnend gegenüber der 1:12-Initiative geäussert. Selbst innerhalb der SP bröckelt die Zustimmung. Das wollen wir bekanntmachen.
Wie gross ist Ihr Kampagnenbudget?
Da der Dialog der Unternehmerinnen und Unternehmer ein wichtiger, aber im Vergleich sehr kosteneffizienter Pfeiler in unserer Kampagne ist, wird unser Budget regelmässig zu hoch eingeschätzt. Aber wir werden sämtliche Rechnungen begleichen können.
Können Sie einen Betrag nennen?
Konkrete Zahlen kann ich Ihnen keine nennen.
Nun bleiben noch zwei Wochen bis zur Abstimmung. Wie wichtig ist der Endspurt?
Mit der Spezialausgabe der "Schweizerischen Gewerbezeitung" haben wir in dieser wichtigen Phase nochmals die nötige Präsenz und Breite um unsere Argumente zu platzieren. Im Endspurt wird es darum gehen, dass wir nochmals alle Kräfte mobilisieren, um mit diesen Argumenten zu überzeugen. Wir haben mit dem sogenannten "1'000er–Club" ein breites Netzwerk von Unternehmerinnen und Unternehmen aufgebaut, die von der "Arena" im Fernsehen, bei Podiumsdiskussionen, im Verein, am Stammtisch und in die Familien hinein genau das tun - überzeugen. Wir sind gut aufgestellt.
Interview: Edith Hollenstein, Bilder: zVg

