10.05.2022

Cannes Lions 2022

Diese Werber reisen an die Côte d'Azur

Keine Swiss Party, dafür ein kleiner Mittagsevent: Hat der Entscheid einen Einfluss darauf, wer an die Werbe-WM reist? persoenlich.com hat bei BrinkertLück, Contexta, Jung von Matt Limmat, Publicis, Rod, Ruf Lanz, Serviceplan, TBWA, Thjnk, Webrepublic und Wirz nachgefragt.
Cannes Lions 2022: Diese Werber reisen an die Côte d'Azur
Entspannte Stimmung bei Sonnenuntergang 2018 an der Swiss Party am Miramar Plage mit 130 Gästen. Heuer wird der Anlass reduziert und auf den Mittag verschoben. (Bild: Christian Beck)
von Christian Beck

Das Warten hat ein Ende. Zum ersten Mal seit 2019 findet das Cannes Lions International Festival of Creativity wieder vor Ort an der französischen Côte d'Azur statt – und zwar vom 20. bis 24. Juni 2022. Und dennoch wird in diesem Jahr vieles neu, vor allem aus Schweizer Sicht. So fällt heuer die legendäre Swiss Party, die jeweils am Donnerstagabend stattfand, ins Wasser des Mittelmeers. Stattdessen organisiert die Swissfilm Association einen wesentlich kleineren Mittagsanlass (persoenlich.com berichtete).

Auch das Swiss BBQ am Mittwochmittag dürfte etwas anders ausfallen. «Wir sind mit einer sehr kleinen eigenen Delegation in Cannes, aber ohne eigene Gäste. Darauf verzichten wir in diesem Jahr», sagt Christof Kaufmann, CEO von Weischer.Cinema Schweiz, auf Anfrage. «Wir erachten Cannes 2022 als Übergangsjahr und schauen uns vor Ort an, wie sich das Festival für die Zukunft positionieren will.» Dennoch: Das Swiss BBQ will Weischer durchführen. «In welcher Form, passen wir der Anzahl Schweizer an, die unten sind», so Kaufmann. Bei der letzten Durchführung vor drei Jahren waren rund 70 Gäste an der Plage du Midi anwesend.

«Wirklich schade»

Dass in diesem Jahr alles etwas anders wird, gefällt Matthias Kiess, CEO von TBWA\Zürich, nicht wirklich. «Mit etwas Enttäuschung habe ich davon gelesen, dass der Abend-Event gestrichen wird. Wirklich schade. Es scheint, als dass alle Networking-Plattformen implodieren und dieser Zusatznutzen schwindet», so Kiess zu persoenlich.com. Dennoch will er zusammen mit Chief Creative Officer Manuel Wenzel – wie schon 2019 – nach Frankreich reisen.

Die Cannes-Premiere feierte 2019 die Agentur Webrepublic. Und 2022? «Wir sind dieses Jahr nicht vor Ort», sagt Mitgründer und Partner Tobias Zehnder. «Wir schätzen Cannes als wichtige Inspirationsquelle der internationalen Werbebranche sehr. Dieses Jahr fokussieren wir unser Engagement und unsere Zeit jedoch stark auf den lokalen Markt und den persönlichen Austausch mit unseren Kunden.»

Dafür reist Ruf Lanz gen Süden. «Unsere Art Directors Isabelle Hauser und Catherine Martin und ich reisen dieses Jahr wieder einmal nach Cannes», so Gründungspartner und Creative Director Markus Ruf. «Eigentlich hatten wir vor zwei Jahren gebucht. Aber Covid machte allen einen Strich durch die Rechnung. Weil die Cannes Lions die bereits bezahlten Beträge nicht zurückerstatteten, sondern für künftige Besuche gutschrieben, sind wir nun 2022 mit von der Partie. Wir freuen uns neben tollen Arbeiten aus aller Welt auch auf die Leichtigkeit des Seins nach der langen Zeit des Social Distancing.»

«Wir fahren dieses Jahr nicht nach Cannes», sagt Alexander Jaggy, CCO und Partner bei Thjnk Zürich, mit vier Löwen grosser Abräumer von 2019. Einen speziellen Grund dafür gebe es nicht. «Wahrscheinlich sind wir einfach Corona-müde, was solche Anlässe angeht. Dafür reisen unsere Arbeiten nach Cannes. Auch schön.»

Rosé im Metaverse

Jedes Jahr mit grösseren Delegationen in Cannes anwesend war Jung von Matt Limmat. In diesem Jahr setzt die Agentur für einmal aus. «Aus Gründen der Nachhaltigkeit, Diversität und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verfolgen wir die Cannes Lions dieses Jahr aus dem mobilen Flexoffice im Metaverse und trinken dort achtsam ein, zwei Gläser Rosé», sagt CEO Roman Hirsbrunner mit einem Lachen.

Hingegen ist die Publicis Groupe Schweiz mit zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor Ort. Der Grund? «Weil das Cannes Festival nach wie vor das weltweit bekannteste ‹Festival of Creativity› der Kommunikationsbranche ist», so Chief of Staff Bianca Gay auf Anfrage. «Gleichzeitig ist es eine gute Möglichkeit, den Austausch mit unseren internationalen Kolleginnen und Kollegen zu pflegen.»

Kleiner ist die Delegation von Serviceplan Suisse. Am Montag und Dienstag (20./21. Juni) werden vier Mitarbeitende in Cannes sein, weil dort das halbjährliche Treffen der internationalen Kreationsleitung der Serviceplan Group stattfindet. «Dieser sogenannte Übercreative Summit wird von Jason Romeyko, Worldwide Executive Creative Director, und Alex Schill, Global Chief Creative Officer und aktueller Präsident ADC Europe, geleitet, welche auch am Cannes Festival wichtige Rollen besetzen. Alex Schill ist unter anderem Mitglied der Titanium Jury», so Barbara Hasenböhler, Head of Content & Corporate Communications. Am Mittwoch werde nur Marcin Baba, Executive Creative Director von Serviceplan Suisse, am offiziellen Festival als Gast teilnehmen.

«Fernprost an die Croisette»

BrinkertLück reist nicht an die Croisette. «Nicht, weil wir nicht eingereicht haben – das machen wir ja grundsätzlich nicht. Auch nicht, weil wir nicht mögen – Cannes ist immer noch ein Festival der Inspiration und unabhängig von der ganzen Award-Thematik ein guter Ort, um kreative Energie aufzuladen. Wir haben schlicht und ergreifend keine Zeit», sagt Dennis Lück, Gründer und Geschäftsführer Kreation. BrinkertLück sei immer noch «in der absolut heissen Phase» des Agenturaufbaus, «und wir sind mit unseren mittlerweile knapp 60 Leuten ordentlich am Rotieren für unsere Kunden». Das müsse Vorfahrt haben. «Wir wünschen aber allen viel Erfolg bei der Teilnahme und schicken Ende Juni ein dickes Fernprost an die Croisette.»

Ein «non, merci» kommt auch von Contexta. Auch wenn sich die Werber als «kreative Nomaden» bezeichnen und ihre Zelte immer wieder an neuen Orten aufschlagen, für eine Reise nach Frankreich fehlt momentan die Zeit. Ähnlich klingt es bei Rod Kommunikation. Noch nicht entschieden hat Wirz.

Der ADC Switzerland, die Vereinigung der führenden Kreativen der Kommunikationswirtschaft, schickt in diesem Jahr acht Youngsters nach Cannes – allesamt Gewinnerinnen und Gewinner der Young Creatives Awards (YCA) 2020, 2021 und 2022. «Die Teams können zwar leider nicht an der Young Lions Competition teilnehmen, aber dank der YCA-Sponsoren APG|SGA, Post, Blick, Swissfilm Association und Keystone-SDA sowie den letztjährigen Hauptsponsoren TCS, Post und McDonald's an das Festival reisen», so ADC-Projektleiterin Hanna Jackl. Festivalpässe erhalten Alina Biedermann und Katharina Binder von TBWA, Nicole Vizcardo von Jung von Matt Limmat, Mara Schwegler von Freundliche Grüsse, Yves Marty und Gianluca Trezzini von Marty Trezzini, Freelancer Dominik Locher sowie Maximilian Wiemann von der Film- und Videoproduktion MX Film.



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