07.10.2021

Internet-Privatsphäre

Emma zeigt ihre verrückte Familie

Die Privatsphäre von Kindern braucht auch im Internet Schutz. Die Kampagne «Insta4Emma» des Bundesamts für Sozialversicherungen soll zur Reflexion über das eigene Verhalten in sozialen Medien anregen. Umgesetzt wurde diese von der Fachhochschule Graubünden.
Internet-Privatsphäre: Emma zeigt ihre verrückte Familie
Der Aktionsmonat «Insta4Emma» will auf humorvolle Art und durch einen Perspektivenwechsel sensibilisieren. (Bilder: Fachhochschule Graubünden)

Emma ist ganz aufgeregt. Ihre Eltern wollen heiraten und stecken mitten in den Hochzeitsvorbereitungen. Die Siebenjährige knipst mit ihrem Handy fleissig Fotos und dreht Videos. Es gibt so viele schöne und lustige Momente: der romantische Antrag, die Grosseltern, die sich mitfreuen, aber auch die verkaterte Mutter nach dem feuchtfröhlichen Polterabend und der Vater, der sich verschwitzt und in lächerlichem Sportdress fit trimmen will. Emma will auch ihre Freundinnen und Freunde an diesen Erlebnissen teilhaben lassen und postet die Schnappschüsse auf ihrem Instagram-Profil:

Dass die Aufnahmen, die Emma lustig findet, für die Erwachsenen nicht immer vorteilhaft sind, soll die Userinnen und User zur Reflexion anregen und für einen bewussten, verantwortungsvollen Umgang mit privaten Inhalten sensibilisieren. Denn: Fotos von nackten oder spärlich bekleideten jungen Mädchen oder Buben oder Abbildungen von unvorteilhaften Momenten können lang anhaltenden Schaden anrichten oder Gefahr bringen.

Die nationale Plattform «Jugend und Medien» des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) führt dazu einen Aktionsmonat durch. Auf @insta4emma begleiten die Userinnen und User von Instagram die siebenjährige Emma, wie es in einer Mitteilung des BSV vom Donnerstag heisst.

Umgesetzt wurde die Kampagne vom Institut für Multimedia Production (IMP) der Fachhochschule Graubünden. «Insta4Emma» konzentriert sich auf den Aspekt des «Sharenting», einer Wortschöpfung aus den englischen Begriffen «share» (teilen) und «parenting» (Erziehung/Elternschaft), wie das BSV schreibt.

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Der Aktionsmonat will auf humorvolle Art und durch einen Perspektivenwechsel die Sinne schärfen. Im Fokus steht die Frage, wie Eltern, Grosseltern und andere Bezugspersonen Fotos und Videos von Kindern in sozialen Netzwerken veröffentlichen können, ohne deren Privatsphäre zu verletzen.

Einverständnis nötig

Der Schutz der Persönlichkeit und der eigenen Privatsphäre sei ein Recht, das Menschen ab ihrer Geburt zustehe, betont das BSV. Und den Erwachsenen komme eine Schlüsselrolle zu, wenn es um den Daten- und Persönlichkeitsschutz von Kindern geht.

Das Bundesamt für Sozialversicherungen weist zunächst auf das Recht am eigenen Bild hin. Alle abgebildeten Personen müssten mit der Aufnahme und Veröffentlichung einverstanden sein – auch die eigenen Kinder. Abgeraten wird auch davon, Fotos oder Videos zu posten, auf denen die Kinder nackt oder spärlich bekleidet sind oder von peinlichen oder unvorteilhaften Situationen, auch wenn diese im Moment lustig erscheinen.

«Fragen Sie ihr Kind, sobald es alt genug ist, ob es mit der Veröffentlichung eines Fotos oder Videos einverstanden ist», empfiehlt das BSV. Gewarnt wird auch vor der Veröffentlichung von persönlichen oder sensiblen Daten mit einem Foto oder Video. Beispiele sind: vollständige Vornamen und Namen, Adresse und Geburtsdatum. Dadurch könnten Rückschlüsse auf Aufenthalts- oder Wohnort gezogen werden.

Nur Leute, die die Eltern kennen, sollten Fotos oder Videos von Kindern sehen. «Überprüfen Sie regelmässig die Privatsphäre-Einstellungen der von Ihnen genutzten Social-Media-Dienste», rät das Bundesamt für Sozialversicherungen.

Verantwortlich beim Bundesamt für Sozialversicherungen: Martina Robbiani (Projektleiterin Jugend und Medien); verantwortlich bei der Fachhochschule Graubünden: Ulla Autenrieth (Projektleiterin). (sda/pd/cbe)



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