30.06.2025

Cannes Lions 25

Grand-Prix-Gewinner nachträglich disqualifiziert

Die brasilianische Agentur DM9 aus dem DDB-Netzwerk musste ihren Grand Prix für die Kampagne «Efficient Way to Pay» zurückgeben, nachdem Manipulationsvorwürfe aufgekommen waren.

Das Werbefestival, dessen aktuelle Ausgabe vom das vom 16. bis 20. Juni stattfand, wird nachträglich von einem Betrugsskandal überschattet. Ein anonymer Whistleblower hatte aufgedeckt, dass DM9 verschiedene Aspekte ihres Case-Study-Videos manipuliert hatte (persoenlich.com berichtete). Betroffen waren Kundentestimonials, ein TED Talk der Senatorin DeAndrea Salvador sowie ein Bericht von CNN Brasil. Das Festival bestätigte, dass der Film KI-generierte oder verfälschte Inhalte enthielt, was gegen die Wettbewerbsregeln verstösst. Das berichtete am Montag das Fachmagazin Meedia unter Berufung auf sein Schwestermagazin Campaign Germany.

Die ursprünglich preisgekrönte Kampagne für Consul Appliances ermöglichte einkommensschwachen brasilianischen Kunden den Kauf von Haushaltsgeräten über Ratenzahlungen basierend auf Energieeinsparungen. CNN Brasil reichte eine formelle Beschwerde ein, da der im Video gezeigte Journalist das Unternehmen bereits 2022 verlassen hatte.

DM9 zog in Absprache mit Cannes Lions drei Einreichungen zurück, die zusammen zwölf Lions-Auszeichnungen erhalten hatten. Chief Creative Officer Icaro Doria trat zurück und übernahm die Verantwortung. Das globale DDB-Netzwerk, das zum Netzwerk des Jahres gekürt worden war, distanzierte sich und kündigte Null-Toleranz bei Regelbrüchen an.

Der Skandal weitet sich aus: Weitere Agenturen stehen unter Verdacht, und der Turnschuhhersteller New Balance distanzierte sich öffentlich von seiner Agentur, nachdem diese ohne Kundenabsprache eine Kampagne eingereicht hatte.

Cannes Lions reagierte mit verschärften Sicherheitsmassnahmen: obligatorische KI-Offenlegung, Analyse mit Tools zur Erkennung synthetischer Inhalte und die Einrichtung eines KI-Ethik-Gremiums. Branchenexperten kritisieren, dass manipulierte Performance-Daten auch im Agenturalltag üblich seien, wo Kampagnen primär für Awards statt für echte Kommunikationsziele entwickelt würden. (nil)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen