Hermann Strittmatter ist 88-jährig unerwartet nach einem «feinen Essen» verstorben. Dies vermeldet die NZZ in ihrer aktuellen Ausgabe.
«Stritti» war über die Branche hinaus als scharfzüngiger und pointierter Kommentar des Zeitgeschehens bekannt, so amtete er mehrere Jahre auch als Gault-Millau-Kritiker. Aufgewachsen im Zürcher Stadtteil Witikon, kam er nach dem Besuch der Klosterschule in Stans rein zufällig in die Werbung.
Doch bereits in den sechziger Jahren heuerte er als Juniorentexter bei der damals schon legendären Basler Agentur GGK als Juniorentexter an, bei der unter anderem auch Martin Suter, Martin Denecke oder Reinhold Weber gross wurden.
1979 gründete er den Zürcher Ableger von GGK und führte deren Tradition und Namen auch noch weiter, als das Stammhaus nicht mehr existierte. So war die Zürcher Niederlassung jahrelang in der Mühle Tiefenbrunnen ansässig. Später gründete «Stritti» auch noch in Deutschland eine kleine Niederlassung.
Bewusst gepflegte Widersprüche
Politisch war Strittmatter Mitglied der SP, für deren Werbekampagnen er jahrzehntelang zuständig war. Damit prägte er während dreissig Jahren das Bild der führenden Partei in der grössten Schweizer Stadt. Daneben machte er aber auch Kampagnen für die FDP, für Economiesuisse oder den parteilosen Zürcher Regierungsrat Mario Fehr.
Legendär sind aber seine Imagekampagnen für die Swissair oder die Erfindung der Goldblume, die jahrelang als Symbol für Schweiz Tourismus stand. Wie die NZZ weiter vermeldet, ist Strittmatter auch für die Verwendung des Leoparden als Identifikationsfigur des Filmfestivals in Locarno verantwortlich.
Strittmatter gehörte zu jenen Zeitgenossen, die in der heutigen Zeit immer seltener werden: unkonventionell, pointiert und bei allen Widersprüchen, die er bewusst pflegte – so war er nicht nur bei der SP, sondern auch Jaguar-Fahrer und Vorstandsmitglied von GC – in seiner eigenen Art auch konsequent und verlässlich. Strittmatter lebte mit seiner Frau in Zollikon.
Ein Interview in persoenlich.com mit Strittmatter von 2007.

