06.04.2019

Philipp Sauber

«Ich möchte Start-ups besser kennenlernen»

Nach 16 Jahren als Partner und Geschäftsführer hat er die Digitalagentur Plan.Net.Suisse verlassen. Philipp Sauber spricht im Interview über die Veränderungen in der Branche und seine Pläne für die Zukunft. Auch einen Traum will er sich erfüllen.
Philipp Sauber: «Ich möchte Start-ups besser kennenlernen»
von Matthias Ackeret

Herr Sauber, Ihr Abgang bei Plan.Net.Suisse kommt doch überraschend (persoenlich.com berichtete). Was sind die Gründe?
Vor gut zwei Jahren konnte ich meine vorherige Agentur INM mit der Plan.Net Suisse fusionieren und Anteile verkaufen. Die darauffolgenden 18 Monate waren sehr intensiv und haben viel Energie gekostet. Seit letztem Sommer steht die Plan.Net sehr gut da. Wir haben wieder tolle Teams in allen digitalen Bereichen und konnten schöne Kundenaccounts gewinnen und ausbauen. Daher war der Zeitpunkt für mich ideal, meine Anteile an die internationale Serviceplan zu verkaufen und das operative Business an meine etablierte Geschäftsleitung zu übergeben.

Sie sagten es, erst vor zwei Jahren fusionierten Sie mit Plan.Net.Suisse. War dies rückblickend gesehen ein Fehler?
Während der Zeit in Wetzikon, als ich keine Geschäftspartner mehr hatte, habe ich mir Gedanken über eine «Nachfolgeregelung» gemacht. Nun ging alles etwas schneller als geplant. Ich würde das aber keinesfalls als Fehler bezeichnen. Nicht nur für mich ist der Zeitpunkt sehr gut, auch für die Firma ist die neue Konstellation optimal und vielversprechend, was die Zukunft betrifft.

Wodurch unterscheidet sich eine Netzwerkstruktur von der absoluten unternehmerischen Selbstständigkeit?
Die Plan.Net-Gruppe beschäftigt international 1400 Digitalprofis. Davon haben wir massiv profitiert und konnten digitale Dienstleistungen anbieten, die wir uns früher nicht hätten leisten können. Auf der anderen Seite ist man zwar noch Unternehmer, hat aber Aktionärskollegen, die wissen wollen, wie es läuft. Somit gabs viel mehr Reportings- und Management-Arbeiten. Die Zusammenarbeit mit meinen deutschen Kollegen habe ich aber immer sehr geschätzt.

Sie haben während Ihrer ganzen beruflichen Laufbahn immer wieder Betriebe neu gegründet. Woher stammt diese Eigenschaft?
Die wurde mir wohl in die Wiege gelegt. Sowohl mein Vater wie auch mein Grossvater waren Unternehmer. Mich fasziniert es, etwas Neues zu schaffen und zu sehen, wie Massnahmen einen direkten Impact haben und sich ein Unternehmen so entwickelt. Als Entrepreneur ist man agil, das finde ich spannend.

Wie haben sich die Kundenbedürfnisse und die Ansprüche während den letzten 16 Jahren verändert?
Wie die Digitalbranche haben sich auch die Kundenansprüche punkto Geschwindigkeit verändert. Weniger Zeit bis zum Pitch, kürzere Konzeptionszeit und schnellere Umsetzung. Und gepitcht wird heute häufiger als noch vor zehn Jahren. Weil aber die Materie immer komplexer wird, sind die Kunden öfter als früher auf professionelle Beratung angewiesen. Ich konnte im letzten halben Jahr zirka zehn Digitalstrategien entwickeln. Das gabs früher nicht mal in einem ganzen Jahr.

Ist es als Unternehmer in der Digitalwelt heute schwieriger oder einfacher als noch vor 16 Jahren?
Einfacher. Die Budgets werden im Digitalen immer grösser und die Möglichkeiten breiter und interessanter für die Kunden. Klar ist aber: Wer nicht mit Vollgas dranbleibt, fällt hinten raus. Das gilt auch für Digitalagenturen.

Plan.Net gilt als führende Kommunikationsagentur im Bereich der digitalen Kommunikation. Werden Sie in Zukunft in einem ähnlichen Bereich tätig sein?
Ich konnte mir über die Jahre ein spannendes Know-how aneignen und denke schon, dass ich dieses auch in Zukunft einsetzen werde.

Haben Sie bereits Pläne für Ihre Zukunft?
Ich habe erstmal eine digitale Home-Base geschaffen. Ich sehe mich aktuell in Projekt- und VR-Mandaten. Aber auch die Schweizer Start-up-Szene möchte ich besser kennenlernen, mich gegebenenfalls an Unternehmen beteiligen und mein Know-how einfliessen lassen. Auch wurden bereits ein paar spannende Geschäftsideen und Projekte an mich herangetragen. Die werde ich mir natürlich gerne anschauen. Geplant sind nun aber zuerst fünf Monate Pause. Ich habe zwei Girls und werde mit ihnen und meiner Frau viel Zeit verbringen. Ein Ziel, das ich seit sicher 20 Jahren verfolge, ist Barpianist zu werden. Dem werde ich mich nun auch widmen.

Sie sind ein begeisterter Velofahrer. Kam dieses Hobby in den letzten beiden Jahren zu kurz?
Ich brauchte den Ausgleich des Velofahrens in den letzten beiden Jahren mehr denn je und bin darum immer noch gut 10'000 km pro Jahr gefahren. Mit dem Unterschied, dass ich praktisch nur noch ins Office gefahren bin und das meistens, wenns dunkel war. Nun freue ich mich darauf weniger, aber längere Touren zu fahren, auch mal um Freunde zu besuchen, die ich länger nicht gesehen habe.



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