01.10.2001

Abstimmungskampagnen

Inserate und Plakate erscheinen immer früher

Losung "Permanente Präsenz".

Immer häufiger gehen bei grösseren nationalen Vorlagen den klassischen Abstimmungskämpfen eigentliche Vorkampagnen voraus. "Permanente Präsenz" heisst die Losung verschiedener Kampagnemacher. Es bestehe ein Trend zur Vorverlagerung der eigentlichen Abstimmungskampagnen, sagte Claude Longchamp vom GfS-Institut gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Bei Abstimmungen über nationale Vorlagen sei zwar immer noch eine Hauptkampagne der Normalfall. Eine solche Kampagne setze zwei bis sechs Wochen vor dem Urnengang ein. Bei grösseren Abstimmungen fände aber häufig eine längere Vorkampagne statt. Diese könnten dazu dienen, ein Thema bekannt zu machen, Informationen zu verbreiten oder ein "Image" zu bilden, sagte der Politologe weiter.

Immer früher Präsenz markieren

Der Soziologe Kurt Imhof wertet diese Vorverlagerung als Zeichen der Unsicherheit: "Die politischen Akteure sind im derzeitigen politischen Klimawandel unsicher, was vom Souverän zu erwarten ist." Wegen dieser Zweifel werde immer frührer Präsenz markiert, sagte Imhof. Vorkampagnen erhöhten die Erfolgschancen nicht zwingend, schätzt Longchamp. In mehreren Fällen habe die permanente Präsenz Abstimmungen aber beeinflussen können. So geschehen bei der Alpenitiative: "Den Befürwortern gelang es, das Loch zwischen der Einreichung der Initiative und der Abstimmung zu stopfen". Damit konnte laut dem Leiter des GfS-Instituts ein "klassischer Fehler" verhindert werden, der den meisten Initiativkomitees unterläuft: Nach der Unterschriftensammlung fällt das Komitee zusammen, bei der Abstimmungen ein paar Jahre später ist schliesslich "nichts mehr da".

Startschuss Monate zuvor

Derzeit hängen in der Schweiz die Plakate der Abtreibungsgegner bereits Monate vor der voraussichtlichen Abstimmung im Juni 2002 an den Wänden. Man wolle einen permanenten Abstimmungskampf führen und die Meinungsführerschaft übernehmen, heisst es bei der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind. Die Organisation trug unter anderen das Referendum über die Fristenregelung mit und lancierte die gleichzeitig an die Urne kommende Initiative.

Auch die Kampagne für einen UNO-Beitritt ist bereits am 21. Juni dieses Jahres angelaufen, obwohl das Datum für den Urnengang noch nicht feststeht. "Wir wollen auf verschiedenen Schienen umfassend informieren", begründet Guido Weber, Mitwirkender bei der UNO-Ja-Kampagne, den frühzeitigen Auftritt. Gegnerische Argumente, die kurz vor der Abstimmung auftauchten, könnten so leichter entkräftet werden. Weber, der in erster Linie "Ja-Kampagnen" leitet, sagt: "Um jemanden zum Ja zu bewegen, muss ihm ein Grund gegeben werden. Dazu sind ausführliche Informationen unerlässlich." Für eine Vorkampagne sei Geld nicht ausschlaggebend, zeigt sich der PR-Fachmann überzeugt. Weber hielt bereits bei mehreren nationalen Abstimmungen erfolgreich das Zepter in der Hand.

Je länger desto teurer


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