«Oft nutze ich KI zum Brainstormen»

Einblick in den Alltag - Acht Fragen über den kreativen Workflow, eine besondere Herausforderung und künstliche Intelligenz. In der letzten Folge unserer Sommerserie gibt Gabriela Oetliker, Senior Digital Media Consultant bei Jung von Matt Impact, Auskunft. Dabei erinnert sie sich gerne an die Young-Lions-Wettbewerbe in Cannes zurück.

von Christian Beck

Wie und wo beginnt Ihr Arbeitsalltag am Morgen?
Ich starte jeden Tag mit einem Tee, höre die «Tagesschau» vom Vorabend und mache mich dabei ready – entweder fürs Büro oder fürs Homeoffice.

Was hat sich in den letzten fünf Jahren an Ihrem Job positiv verändert?
Viele Meetings sind digital geworden. Das macht den Austausch viel effizienter: Nicht nur der Reiseweg fällt weg, sondern ich komme meiner Meinung nach auch schneller zum Punkt. Die grösste Veränderung der letzten Jahre war sicher der Einzug von AR mit ganz neuen Werbeformaten und AI, welche mir den Arbeitsalltag erleichtern.

Was braucht es, damit Sie in den kreativen Workflow kommen?
Kreativität sieht in meinem Alltag als Media Consultant etwas anders aus als bei klassischen Agentur-Creatives: Meine Kreativität spiegelt sich neben Social-Media-Konzepten vor allem in Media-Strategien, Budgets und KPIs wider. Dafür tauche ich in ein Recherche-Rabbit-Hole ein und gehe am liebsten beim Joggen gedanklich alles nochmals durch.

Was schätzen Sie an Sitzungen am meisten?
Den unkomplizierten Austausch und eine Prise Humor, die bei uns im Team oft dabei ist. Ich glaube tatsächlich, dass Humor und Lockerheit viel bewirken können – sie stärken nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen, sei das auf Kund:innen- oder Team-Basis, sondern kurbeln oft auch unser kreatives Denken an. Der für mich beste Outcome eines Meetings: Wenn man gleich im Team und während der Sitzung gewisse Tasks erledigen kann.

Wobei hilft Ihnen KI im Berufsalltag?
KI ist in meinem Alltag nicht mehr wegzudenken: Oft nutze ich KI zum Brainstormen – ich habe mir dafür einen Custom GPT eingerichtet, der auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist und meine Ausgangslage kennt. Oder auch, um bestehende Werbemittel hinsichtlich ihrer Effektivität zu testen – wie Eye-Tracking-Studien, aber KI-basiert. Glücklicherweise gibt es bei Jung von Matt viele Gelegenheiten, KI einzusetzen und sich in der Nutzung von KI weiterzuentwickeln – so wird man immer besser und (noch) schneller.

Welches Projekt in letzter Zeit war für Sie eine besondere Herausforderung – und weshalb?
Mitte Juni habe ich am Cannes Lions Festival an der Young Lions Competition teilgenommen und bin in der Kategorie Media zusammen mit meiner Kollegin Franca Boeglin für die Schweiz angetreten. Das Ganze funktioniert so: Nach dem Briefing bleiben 24 Stunden Zeit, um eine komplette Idee inklusive Strategie zu entwickeln und diese in fünf Minuten der Jury zu pitchen. Diese Kombination aus Zeitdruck, Schlafmangel und Ehrgeiz ist eine echte Herausforderung, denn sie sorgt einerseits für Kopfzerbrechen, anderseits habe ich mich selbst aber nochmals von einer anderen Seite kennengelernt und sehr viel mitnehmen können.

Welches Kompliment würden Sie aktuell einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Branche aussprechen?
Meiner diesjährigen Young-Lions-Teamkollegin Franca Boeglin und meiner letztjährigen Teamkollegin Sophia-Maria Kramer: Dankeschön. Ich bewundere eure Leidenschaft und Hingabe, und ich konnte und kann immer noch sehr viel von und mit euch lernen. 

Wollten Sie schon immer in die Werbung gehen, oder welchen Job haben Sie als Jugendliche auch in Erwägung gezogen?
Moderatorin oder Ärztin. Oder doch Lehrerin? Ehrlich gesagt hatte ich viele Job-Vorstellungen. Die Wege, die ich einschlug, führten mich aber schlussendlich in eine Werbe- beziehungsweise Media-Agentur. Nach vier Jahren in der Branche kann ich sagen: Es ist toll, so wie es ist.


In der Sommerserie «Einblick in den Alltag» beantworten Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die im vergangenen Jahr für ihre Arbeit ausgezeichnet worden sind, acht Fragen zu ihrem Schaffen. Beim Young-Lions-Media-Wettbewerb 2023 in Cannes holte Gabriela Oetliker zusammen mit Sophia-Maria Kramer Bronze, diesen Sommer schaffte sie es gemeinsam mit Franca Boeglin auf die Shortlist.

Interessiert Sie die Serie? «Einblick in den Alltag» haben im Laufe des Sommers auch folgende Personen gewährt:

Mona Vetsch, Reporterin und Moderatorin bei SRF
Christof Gertsch, Reporter bei Das Magazin
Andrea Bison, Co-CEO bei Thjnk Zürich
Alexander Fleischer, Leiter Unternehmenskommunikation a. i. bei der Suva
Jana Schmid, Redaktorin bei Hauptstadt
Yvonne Eisenring, Autorin und Podcasterin
Marion Schmitz, stv. Tourismusdirektorin bei Arosa Tourismus