14.01.2022

Wahlwerbung

Ungewöhnliche Unterstützung in Zürich

Ein Stadtzürcher Gemeinderatskandidat erhält auf einem Plakat eine Wahlempfehlung von prominenten Freunden. Diese haben auf eigene Kosten zwei Plakatstellen für je eine Woche gebucht. Eine kleine Geschichte über eine grosse Männerfreundschaft.
Wahlwerbung: Ungewöhnliche Unterstützung in Zürich
Wird in der Stadt Zürich zu sehen sein: dieses von Freunden gestaltete Wahlplakat. (Bild: zVg)
von Christian Beck

Wahlplakate und Flyer glänzen oft nicht durch kreative Höchstleistungen. Auch nicht jener des Zürcher Gemeinderatskandidaten Stefan Mühlemann, Vizepräsident der Grünliberalen Partei der Stadt Zürich. Doch schon bald kommt sein Konterfei ganz gross raus.

«Hilfe! Wählen Sie im Kreis 6 unseren Freund Stefan. Wir können nicht. Weil wir nicht in ZH wohnen», steht auf einem Plakat, das ab 31. Januar eine APG-Plakatstelle ziert, eine Woche später eine zweite. Die beiden Freunde sind als schwarz-weisse Bilder dargestellt – ohne Namensangabe. persoenlich.com weiss: Es handelt sich um den umtriebigen St. Moritzer Gemeindepräsidenten Christian Jott Jenny sowie um Pascal Scherrer, Leiter der regionalen TV-Sender von CH Media.

«Seit Corona sprechen und schreiben viele von Gemeinsinn, Miteinander, Menschlichkeit und Solidarität», so Scherrer gegenüber persoenlich.com. «Was ist menschlicher als unsere Idee, die im Subtext eine jahrzehntelange Freundschaft mit Stefan Mühlemann feiert?» Die beiden Plakatstellen finanzieren Scherrer und Jenny aus der eigenen Tasche. 1100 Franken berappen sie für Druck und Aushang.

«Eine spannende Persönlichkeit»

Und warum sind auf den beiden Plakaten die Namen von Scherrer und Jenny nicht zu lesen? «Weil wir uns nicht in den Vordergrund drängen wollen», so die Antwort. Es gehe ausschliesslich um ihren Freund, der eine spannende Persönlichkeit sei, die nicht in Schubladen passe. «Ein ehemaliger Grossverdiener, der sich für politische Ideen einsetzt, die ihm – finanziell – zum Nachteil gereichen. Ein Citoyen, der sich vorbehaltlos und mit grösstem Engagement engagiert im Politbetrieb; wo es ja oft heisst, dass der Zeitgeist von mitleidlosem Utilitarismus geprägt sei», so Scherrer.

Mühlemann ist in der Stadt Zürich kein Unbekannter. 2016 machte er mit der Volksinitiative «7 statt 9 Stadträte» von sich reden. Diese lancierte er damals noch als parteiloser Bürger.

Einen Interessenskonflikt mit seinem Job bei CH Media sieht Pascal Scherrer nicht, zumal er in seiner Funktion keinen Einfluss aufs Programm nehme. «Ich bin unabhängig. Ich empfehle nicht irgendeinen Kandidaten oder irgendeine Partei, sondern meinen ältesten und liebsten Kumpel, den ich seit 30 Jahren kenne», so Scherrer auf Anfrage.

Oder in anderen Worten: Diese Plakatkampagne zeigt, wie weit eine gute Freundschaft gehen kann.



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