16.07.2020

Serie zum Coronavirus

«Viele Kunden sind offen, neue Ansätze zu realisieren»

Folge 87: Jessica Widmer und Julie Maio haben die Kiosk Agency mitten im Lockdown gegründet. Ein Gespräch über den Agenturstart aus dem Homeoffice.
Serie zum Coronavirus: «Viele Kunden sind offen, neue Ansätze zu realisieren»
Mussten kurz nach dem Start nochmals neue Büros suchen: Jessica Widmer (.l) und Julie Maio (r.) führen gemeinsam die Agentur Kiosk Agency. (Bild: Kiosk Agency)
von Matthias Ackeret

Frau Maio, Sie haben im Februar Ihre Kommunikationsagentur Kiosk Agency gegründet. War dies nicht der denkbar schlechteste Zeitpunkt?
Julie Maio: Für den Launch unserer Agentur haben wir uns viele mögliche Hindernisse und Worst-Case Szenarien vorgestellt, eine globale Pandemie gehörte definitiv nicht dazu. Natürlich war es nicht der beste Zeitpunkt, jedoch haben wir es geschafft, positiv zu bleiben und uns als junge und dynamische Agentur schnell den Umständen anzupassen.

Wenige Woche darauf war der Lockdown. Wie haben Sie darauf reagiert?
Jessica Widmer: Wir haben uns schnell dazu entschieden, ins Homeoffice zu wechseln und da wir bereits früher zusammengearbeitet haben, sind wir ein eingespieltes Team. Mit unserem täglichen Coff’call (Conf Call mit Kaffee) konnten wir uns problemlos austauschen und haben die Prioritäten definiert. Manchmal dauerten die auch zwei oder drei Kaffees länger…

Konnten Sie in dieser Zeit überhaupt Kunden gewinnen?
Maio:
Wir waren bereits vor Corona mit einigen Kunden in Verhandlung und dank ihrer sehr Online fokussierten Geschäftsmodelle, konnten wir die Zusammenarbeit wie geplant starten. Da viele Unternehmen unter den gegebenen Umständen mit diversen Herausforderungen zu kämpfen hatten, haben wir uns dafür entschieden diese so zu Unterstützen.

Widmer: Wir haben entschieden uns voll und ganz auf unsere Kunden zu konzentrieren und konnten die laufenden Projekte erfolgreich weiterführen. Was uns ebenfalls sehr erfreut – und ehrlich gesagt auch ein bisschen überrascht – hat, sind interessierte neue Kunden, die von sich aus auf uns zugekommen sind. Das ist für unsere junge Agentur natürlich ein starkes Signal, die richtige Strategie gewählt zu haben.

Wie haben Sie selbst diese Zeit überstanden?
Widmer: Wie für alle von uns, war es eine grosse Umstellung keine Menschen treffen zu können – privat wie auch geschäftlich, da gerade das Persönliche im Zentrum unserer Strategie steht. Heutzutage ist es zum Glück aber auch möglich, trotz physischer Distanz mit Leuten sozial verbunden zu bleiben.  Ich konnte feststellen, dass ich durch den Wegfall der Arbeitswege nicht nur mehr Zeit für die Arbeit, sondern auch für meine privaten Projekte hatte. Ich konnte alte Hobbies wiederaufnehmen und habe sogar die verstaubte Nähmaschine hervorgeholt.

Maio: Nachdem ich nicht nur Jungunternehmerin bin, sondern Familie in Genf und München habe, war ich es gewohnt immer unterwegs zu sein. Der Übergang in das Homeoffice war somit eine neue und grosse Herausforderung. Ich konnte aber auch feststellen, dass die gewonnene Zeit mir erlaubte einige Dinge welche schon lange auf meine persönlichen To-Do Liste standen zu erledigen. Ich konnte zum Beispiel ein Zimmer der Wohnung neugestalten.

Was war für Sie der Auslöser, sich selbständig zu machen?
Maio: Nach einigen Jahren in verschiedenen Agenturen und in der Medienbranche konnte ich viel lernen und viele Erfahrungen sammeln. Diese haben mir gezeigt, wie wichtig die menschlichen Beziehungen sind und wir wollen mit Kiosk Agency genau dies in den Vordergrund stellen. Das Zwischenmenschliche ist schliesslich die Essenz unserer Arbeit.

Wie ist das Geschäft in der «neuen Normalität» angelaufen?
Maio: Wir sind uns nicht sicher, ob wir uns bereits in der «neuen Normalität» befinden. Vielmehr in einem sehr spannenden Wandel, den wir auch bei unseren potenziellen Kunden wahrnehmen können. Viele Unternehmen haben sich in dieser speziellen Situation Zeit genommen, um ihre eigenen Strategien zu überdenken und sind gerade daher auch sehr offen, neue Ansätze mit einer jungen Agentur zu realisieren.

Baucht es momentan mehr «Kommunikation» als vorher?
Widmer: Wir glauben nicht, dass es mehr Kommunikation braucht, sondern andere Kommunikation. Unsere Branche befindet sich in einer steten Entwicklung und wir sehen momentan, dass die Offenheit für digitale Kommunikation deutlich gestiegen ist. Ein gutes Beispiel dafür sind die zahlreichen Video Calls die wir geschäftlich, aber auch privat, mit Personen führen, die für dies vorher nicht offen waren. Auf der Kundenseite konnten wir beobachten, dass einige sehr gewillt sind, viel zu kommunizieren, während sich andere aufgrund der Unsicherheit zurückhalten. Eine verallgemeinerte Antwort gibt es daher nicht.

Wohin verreisen Sie nach dieser anstrengenden Zeit in die Ferien?
Maio: Jetzt, wo wir endlich unseren «normalen Arbeitsalltag» wiederhaben, liegen keine grossen Ferien drin und wir freuen uns viel zu sehr, die aktuellen Projekte umzusetzen. Ich werde sicherlich meine Familie besuchen und mich einige Tage in Zermatt entspannen. Erstmals feiern wir aber anfangs August das halbjährige bestehen unserer Agentur!

Widmer: Bei mir geht es zuerst mit Freunden für einige Tage ins Tessin und im Herbst dann noch ins Engadin. Ins Ausland muss ich dieses Jahr nicht unbedingt und auch wenn es kitschig klingt, hat die Schweiz ja wirklich sehr viel zu bieten. Und was gibt es schöneres, als den goldenen Herbst im Engadin?

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Wochen?
Maio: Kurz nachdem wir uns ins Homeoffice begeben haben, bekamen wir ein unerwartetes Telefon von unserem Vermieter. Wir waren in einem Büro in Wiedikon untergemietet, das nun aufgrund der Schutzmassnahmen den Raum wieder für sich selbst beanspruchen musste. Wir wurden freundlich darum gebeten, das Büro so schnell wie möglich zu räumen. Also verfrachteten wir alle Möbel in einen Lagerraum und machten uns auf die Suche nach einer neuen Räumlichkeit. Glücklicherweise können wir sagen, dass unser neues Büro unseren Anforderungen noch besser entspricht und wir uns freuen die Kunden im Zürcher Seefeld begrüssen zu dürfen.

Widmer: Unsere Arbeit hat es nicht beeinträchtigt, da wir uns so oder so im Homeoffice befanden. Die Büro-Suche war aber schon ein überraschendes To-Do mit dem wir nicht gerechnet haben. Das hat uns gelehrt, dass immer Unerwartetes passieren kann und es unglaublich wichtig ist, flexibel zu bleiben. Schliesslich haben wir ein perfektes Büro gefunden. Vielleicht war so vorbestimmt. Man könnte also sagen, dass wir nach erneutem Umzug auch die Fähigkeiten als Immobilienmakler, Möbelpacker und IT-Spezialisten auf die Liste unserer Dienstleistungen schreiben könnten.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.
 



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