19.05.2026

KS/CS

«Werbung gehört untrennbar zum Leben einer Gesellschaft»

Jürg Bachmann, Präsident des Branchenverbands Kommunikation Schweiz, über Werbeverbote, KI und einen würdigen Ersatz für den rekonvaleszenten Bundesrat Rösti an der KS/CS-Mitgliederversammlung.
KS/CS: «Werbung gehört untrennbar zum Leben einer Gesellschaft»
«Es gibt laufend neue Vorstösse, die etwas regulieren oder verbieten wollen»: Jürg Bachmann, Präsident des Branchenverbands Kommunikation Schweiz. (Bild: zVg)

Herr Bachmann, am Dienstag findet die jährliche Mitgliederversammlung von KS/CS Kommunikation Schweiz statt. Welches sind die grössten Herausforderungen, mit denen die Branche momentan zu kämpfen hat?
Die grösste Herausforderung ist einmal mehr die zunehmende Zahl von Vorstössen, die die Werbung irgendwie einschränken oder verbieten wollen. Dagegen arbeiten wir. Werbung ist Kommunikation und Information. Sie ist wichtig für den wirtschaftlichen Kreislauf und die Demokratie. Werbung zeigt die Vielfalt der Angebote und Meinungen auf. Sie ermöglicht fundierte Diskussionen und begründete Entscheide. Sie ist manchmal lustig, auch mal nervig – und gehört untrennbar zum Leben einer Gesellschaft. Die Bedeutung der Werbung auch dort klar zu machen, wo reguliert wird, in Politik und Verwaltung, ist unsere wichtigste Aufgabe. Und wir sind froh, dass viele Politikerinnen und Politiker unsere Haltung teilen und unsere Bestrebungen unterstützen!

Die Werberestriktionen sind alljährlich ein Thema. Gibt es Anzeichen auf Besserung?
Nein. Es gibt laufend neue Vorstösse, die etwas regulieren oder verbieten wollen. Derzeit streben bestimmte Kreise in zahlreichen Gemeinden und Kantonen Aussenwerbeverbote an. Die plakatfreie Stadt ist ihr politisches Wunschziel. Denn Aussenwerbung passe nicht zum Stadt- oder Landschaftsbild, so ihre Rede. Dabei ist das weder richtig noch bewiesen. Im Gegenteil: beim Publikum ist Aussenwerbung gemäss Umfragen sehr beliebt. Es geht ihnen deshalb nicht um die Lösung eines Problems. Sie wollen andere Menschen umerziehen, die ihren Lebensstil nicht so cool finden und gern selber entscheiden wollen. Diese Haltung und Strategie teilen wir nicht. Und geben jahrein, jahraus unermüdlich und überzeugt Gegensteuer.

Welche aktiven Massnahmen unternehmen Sie von Ihrer Seite?
Wichtig ist das gute Monitoring aller hängigen Vorstösse, das wir auf der Geschäftsstelle führen. Wir erfassen alle nationalen Vorstösse und Gesetzesvorlagen, die eingehen oder aktuell sind, und auch manche kantonalen. So wissen wir immer, welches Geschäft in welcher Kommission oder in welchem Rat Thema ist. Dann folgt unsere Informations- und Aufklärungsarbeit. Als unabhängiger Verband können wir glaubwürdig auftreten. Es gibt viele Ratsleute, die unsere Haltung und unsere Werte teilen. Es ist unsere Aufgabe, sie vor Entscheidungen gut und zum richtigen Zeitpunkt zu dokumentieren.

Hat sich mit dem Aufkommen der Künstlichen Intelligenz die Lage für die Branche erschwert und wenn ja, wie?
In unserer Branche sind wir alle von den Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz betroffen. Wie erschwerend das für den einzelnen ist, hängt auch von der persönlichen Einstellung ab. Aber es gibt schon Berufe, die mehr oder weniger betroffen sind. Ich denke, wer heute in der Werbung arbeitet und am Anfang seiner Berufskarriere oder mittendrin steht, muss sich mit allem Neuen befassen, um die Chancen und Gefahren für sich und sein Unternehmen rechtzeitig erfassen zu können und für sich die richtigen Entscheide zu treffen. Aber es ist klar: KI wälzt auch unsere Branche total um.

Medienminister Rösti war ursprünglich als Gastreferent angesagt. Nun fällt er gesundheitsmässig aus. Haben Sie einen adäquaten Ersatz gefunden?
Bundesrat Albert Rösti ist rekonvaleszent und musste den zugesagten Besuch an unserer MV leider absagen. Wir wünschen ihm auf diesem Weg gute Besserung! Bundesrat Rösti adäquat zu ersetzen, geht nicht einfach so. Wir haben deshalb das Thema gewechselt. Angefragt als Referenten haben wir den grossartigen Weinkenner und ersten Master of Wine der Schweiz Philipp Schwander von Selection Schwander. Er ist nicht nur ein ausgezeichneter Kaufmann, sondern kämpft im Alltag immer wieder gegen Werbeeinschränkungen und -verbote. Und das bei einem absolut legalen Produkt, das in der Schweiz sogar subventioniert wird. Ich freue mich auf seinen Auftritt und bin sehr gespannt, was er uns sagen wird.

Sie haben lange den Verband der Privatradios präsidiert, jetzt Kommunikation Schweiz. Was sind die grössten Unterschiede?
Als Privatradiopräsident war ich für eine einzige Branche zuständig. Es gab ein klares Ziel: die rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen der Privatradios zu verbessern. Bei KS/CS ist die Aufgabe breiter: wir müssen den Stellenwert der Werbung verteidigen. Und das in einer Zeit, da die in der Schweiz platzierten Umsätze zurückgehen und Werbegeld auf internationale Plattformen abwandert. Diesen Trend wenigstens zu verlangsamen, ist eine wichtige Aufgabe für unseren Verband. Wir unterstützen die Bestrebungen des Verlegerverbands VSM. Er setzt sich dafür ein, dass Auftraggeber ihre Werbung wieder vermehrt in einem glaubwürdigen Umfeld platzieren, statt auf Plattformen, wo sie zuerst weggeklickt wird. Ausgelieferte Werbung ist eben noch keine wahrgenommene. Wir haben Verlegerpräsident Andrea Masüger eingeladen, die VSM-Strategie an der MV vorzustellen.


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