01.03.2020

Es drohen Umsatzausfälle

Wie das Coronavirus die Werbebranche betrifft

Auch wenn viele Ruhe bewahren: Der Corona-Effekt könnte auch in der Schweizer Werbebranche spürbar werden. Umsatzausfälle erwarten Goldbach und Admeira. Vor allem die Tourismusbranche buche derzeit zurückhaltend.
Es drohen Umsatzausfälle: Wie das Coronavirus die Werbebranche betrifft
Das Virus möglichst eine Ausbreitung verhindern: Agenturen dürfen teilweise nicht zum Kundenmeeting, wenn jemand aus dem Team vorher in Italien oder China war. (Bild: Pixabay)
von Edith Hollenstein

Das Coronavirus, oder genauer die Angst vor einer Ausbreitung, beeinflusst bereits jetzt auch die Schweizer Werbewirtschaft. Die meisten Agenturen, mit denen persoenlich.com in diesen Tagen sprach, hoffen darauf, dass möglichst wenig passiert und machen ihre Mitarbeitenden auf die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit aufmerksam (persoenlich.com berichtete).

Auch wenn viele darauf bedacht sind, keine unnötigen Ängste entstehen zu lassen, gibt es trotzdem Faktoren, die die Arbeit der Schweizer Werber beeinflusst. Einige müssen plötzlich neue Auflagen erfüllen. «In den letzten Tagen mussten wir, bevor wir zu einem Kundenmeeting kommen durften, von allen unseren Mitarbeitenden angeben, ob diese in den Tagen davor in China oder Norditalien gewesen sind», sagt Daniel Zuberbühler, Mitgründer der Agentur Sir Mary. Wäre jemand von Sir Mary in diesen Ländern gewesen, hätten alle gar nicht zum Meeting kommen können, so Zuberbühler.

Unsicherheiten bei der Produktion im Ausland

Dazu komme eine gewisse Unsicherheit bei der Produktion von Werbespots. «Wenn wir in den nächsten Wochen im In- oder Ausland drehen wollen, ist nicht sicher, ob alle Beteiligten anreisen können», so Zuberbühler.

Anders bei Wirz. Dort habe man bisher keine solchen Erfahrungen gemacht. Doch vielleicht auch deshalb, weil bei der Agentur derzeit grad keine Reisen ins Ausland für Produktionsarbeiten bevorstehen, sagt Co-CEO Livio Dainiese.

Noch ist auch bei Sir Mary keine Produktion abgesagt worden. Doch die Kunden seien bereits zurückhaltender geworden, so Zuberbühler.

Auftraggeber beobachten die Lage

Wie ist das bei den Kunden? Etwa bei den Krankenkassen, die auf das Thema besonders sensibilisiert sein dürften? «Momentan gibt es bei uns keine Einschränkungen, weder bei den Meetings mit den Agenturen, noch in Planung und Produktion von Werbemitteln. Das ist im Moment so, kann sich jedoch aufgrund der Lage auch künftig ändern», sagt CSS-Sprecherin Karin Müller.

Die Helsana gibt sich zugeknöpft. Man wolle solche Fragen nicht beantworten, schreibt Kommunikationschef Simon Neuner auf Anfrage.

Dennoch: Es dürfte in einigen Meetings mit den Agenturen das Thema aufkommen, ob denn gebucht werden soll, wenn nicht garantiert ist, ob die Werbemittel auch tatsächlich fertiggestellt und dann platziert werden können.

Tourismusbranche bucht zurückhaltend

Tatsächlich spüren die Vermarkter bereits eine gewisse Zurückhaltung. Vor allem bei Auftraggebern der Reise- und Tourismusbranche. «Es zeichnet sich ab, dass Branchen, deren Umsätze in Zusammenhang mit den globalen Reiseaktivitäten stehen, aufgrund der erwarteten Umsatzausfälle beginnen, ihre Kampagnen-Volumina zu reduzieren respektive noch nicht fix buchen, sondern nur reservieren», so Frank Zelger, der neue CEO von Admeira.

Auch der andere grosse Schweizer TV-Vermarkter Goldbach macht solche Erfahrungen. «Wir spüren eine Verunsicherung bei einigen Werbekunden, dies insbesondere bei der Reisebranche», sagt Kommunikationschefin Iris Blättler.

Und wie wäre es, wenn nun aufgrund von Produktionsausfällen in den nächsten Tagen tatsächlich gewisse Werbespots nicht produziert werden können, wie vorgesehen? Wie ist das in einem solchen Fall? Kommen die Vermarkter finanziell entgegen oder müsste etwa bei einer Buchung der volle gebuchte Preis trotzdem bezahlt werden? Blättler dazu: «Wir sind natürlich bemüht, situativ Lösungen zu finden und unseren Kunden entgegenzukommen.»



Newsletter wird abonniert...

Newsletter abonnieren

Wollen Sie Artikel wie diesen in Ihrer Mailbox? Erhalten Sie frühmorgens die relevantesten Branchennews in kompakter Form.

Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige
Zum Seitenanfang20200406

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.